Heute ist endlich der große Tag der Ausreise gekommen. Nachdem ich in den letzten Tagen nochmals mein gesamtes handwerkliches Können, welches im Normalfall auf gute Ratschläge geben begrenzt ist, sowie mein mir innewohnendes Putztalent,
tendenziell so stark ausgeprägt wie bei Löwen der Hang zum Veganismus, ausleben durfte, um die Wohnung übergabereif zu bekommen, klingelte heute früh der Wecker. Durch einen kurzen musikalischen Ausflug nach Lateinamerika und einem wunderschönen Abschiedsgeschenk durch zwei vollkommene Naturburschen und noch einem mitternächtlichen Bruderumtrunk am Vorabend, war das Klingeln viel zu früh.
Mit Hilfe einer Erdbeermilch wurde das Projekt „Maulesel“ angegangen. Bereits an den Vortagen festgestellt, dass die Taschen ziemlich schwer sind, wurde nun endgültig konstatiert, dass in den letzten Wochen der Gang ins Fitnessstudio und nicht zum x-ten Abschiedssuffabend der Clevere gewesen wäre. Ab nächsten Jahr übernimmt das dann eins meiner Kamele. Nachdem der körperliche Offenbarungseid vorüber war, ich am Gleis auf den ICE gewartet habe, kam die Nachricht die man hören will: „Der ICE fährt heute ohne den Wagon indem sie einen Platz reserviert haben.“
Long Story, told short, als die DB begriffen hatte, dass eben keine 100 Leute auf 60 Plätze passen, wurde in Leipzig mein Wagon angehangen ich durfte meinem mir zugeschriebenen Platz endlich einnehmen. Da angekommen, jetzt beim Tragen der Tasche gefühlt wie Hulk, Schwarzenegger und Chul Soon in einer Person, bestand die Hoffnung, ein wenig Schlaf nachzuholen. Doch mittlerweile muss ich zugeben, dass die Aufregung dann doch ein wenig Überhand genommen hat und mich kaum ruhig sitzen lässt.
Mittlerweile sitze ich am Frankfurter Flughafen und warte auf das Check In. Die sportliche Nummer mit Taschentragen habe ich zugunsten eines Gepäckschiebers aufgegeben. Habe mir eine Kinderportion Spaghetti gegönnt, bei der vermutlich eine einzelne Spaghetti teurer war als eine ganze Packung im Supermarkt. Und nun steigt die Spannung, um wie viel kg ich das Maximalgewicht übertroffen habe. Mitfiebern ist gestattet.
Auflösung: Mein gesamter Besitz an Klamotten, Technik und ähnlichem wiegt 42 kg. Jedoch ungleichmäßig verteilt ergibt dies eine Übergewichtspauschale von 50 €. Aber das war mir ja schon länger klar, dass ich da nochmal was löhnen darf. Mittlerweile sitze ich und warte darauf, in den Flieger steigen zu können. Gefühlsmäßig muss ich sagen, läuft das alles entspannter ab als erwartet. Ich hätte vermutet, dass mir das ganze Gepäckaufgeben und einchecken schwieriger fällt. Vermutlich hat mich ein menschliches Bedürfnis dazu genötigt, dass alles sehr schnell und ohne großes Nachdenken zu bewältigen.
Das nächste Mal wenn ich mich melde dann endlich aus Kairo. Bis dahin.