Tusbihina ala khayr aus Kairo. Nach über zwei Wochen melde ich mich dann mal wieder. Die letzten Tage waren vor allem durch die beginnende Schulzeit geprägt. Und zum anderen stand das wohnlich machen der Wohnung im Mittelpunkt. Was mir dabei so passiert ist, erfahrt ihr in diesem Blogbeitrag.
Beginnen wir gleich mit dem wohl spannendsten Teil, das Leben in der Schule. Wie bereits erwähnt, bin ich ja Klassenlehrer einer 10. Klasse. Also standen am ersten Schultag erstmal 120 Minuten Klassenleiterstunde auf dem Programm. Diese sollten nach dem Biladi beginnen. Biladi ist die Nationalhymne Ägyptens und zu Beginn jedes Schultags müssen die Schüler der Klassen 1 bis 8 diese nach einer kurzen Ansprache des Schulleiters singen. Dies geschehen, bin ich in das mir zugewiesene Klassenzimmer gegangen und habe auf meine Schüler gewartet. Als es dann zum Unterrichtsbeginn geklingelt hat und immer noch keiner da war, hatte ich dann schon Angst, dass keiner zu mir wollte. Aber da ich bereits gelernt hatte, dass Ägypter generell nicht die Pünktlichkeit in Person sind, habe ich weiter frohen Mutes auf meine Schäfchen. Aber keiner kam. Also habe ich mich auf den Weg ins Lehrerzimmer gemacht, um mich zu vergewissern, nichts übersehen zu haben. Da sah ich dann auf dem Schulhof eine Meute von Schülern, die grob geschätzt, 10. Klasse sein konnten. Und dann machte es klick. Beim Übergang in die Oberstufe, werden die Klassen neu gemischt. Und die Bekanntgabe der Einteilung musste eben noch auf dem Schulhof stattfinden. Also schnell die Klassenliste genommen und dahin. Da angekommen haben mich gleich viele Schüler begrüßt und mich ausgefragt. Dann sollte die Zuweisung erfolgen. Die Einteilung sollte durch Vorlesen der Namen erfolgen. Ich schaute kurz auf meine Liste und fühlte mich wie wohl die meisten Menschen, wenn sie Formeln oder Gleichungen sehen. Ziemlich hilflos. Es war aussichtslos, die Namen ohne Fehler auszusprechen. Also gleich mal vor versammelter Mannschaft einen Kopfsprung ins Fettnäpfchen machen. Meine Rettung war die Tatsache, dass ich die Klasse 10 d habe, somit war ich als Letztes dran und musste keine Namen sagen, sondern habe einfach den Rest mit mir genommen. Dadurch hatte ich dann zwar 2 Schüler mehr als geplant, aber egal.
Die restlichen Unterrichtstage waren dann geprägt durch das Kennenlernen der ägyptischen Schüler mit ihren Eigenheiten. Also sehr angenehm ist der Enthusiasmus der ägyptischen Schüler. Selbst bis in den höheren Klassen wird alles sehr euphorisch (positiv und negativ) angegangen. Ich hatte Unterrichtsstunden. da waren so viele verschiedene Hände in der Luft, wie in Deutschland manchmal im halben Jahr nicht. Nach zwei Wochen möchte ich dann noch nicht tiefer in die Eigenarten der Schüler hier eingehen, ich kann nur so viel sagen, der Schülerumgang macht hier unheimlich viel Spaß. In meiner Klasse habe ich auch zwei Schüler sitzen, die es nahezu jede Stunde schaffen, dass ich lachen muss. Letzten Donnerstag musste ich wegen den beiden sogar weinen vor lachen (Danke Hamza und Hussein :D).
Auf der außerschulischen Ebene stand das Einrichten der Wohnung im Mittelpunkt. Mittlerweile nimmt die Wohnung dann echt schöne Züge an. Musikanlage, Drucker, ausreichend Geschirr und das ägyptische Sky zum schauen vom europäischen Fußball sind mittlerweile vorhanden. Auch habe ich nun nach Ewigkeiten endlich WiFi zu Hause. Wodurch nun Netflix, Skype und co. genutzt werden können. Ansonsten beschäftigt mich gerade die Frage wie ich eine etwa 16 m² große Fläche möglichst sinnvoll nutzen könnte. Aktuelle Favoriten sind ein Pooltisch oder ein Tischkicker. Für weitere Vorschläge bin ich aber offen.
So das war es dann erstmal. Diese Schulwoche stehen dann die Elternabende an und meine erste Arabischstunde. Der Elternabend bereitet mir etwas Sorgen. Also mal abgesehen, von der Tatsache, dass es mein erster ist und ich viel jünger sein werde als die Eltern, gibt es noch das klitzekleine Detail, dass dieser Elternabend auf Englisch stattfinden soll. Meine Gefühle dazu sind in etwa damit zu vergleichen, wie das Gefühl von früher, als man im Stimmbruch zur Liedkontrolle musste und schon vorher wusste, dass es einfach nur peinlich werden kann. Hinzu kommt, dass unser Schulklientel die High Society Kairos ist. Aber Hey, man wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben. Ich berichte dann nächste Woche von diesem wohl recht einprägsamen Ereignis, inschallah.