Heute mal ungewohnt schon nach einer Woche wieder ein neuer Beitrag von mir. Das liegt daran, dass heute das erste große Highlight des Jahres anstand. Ich bin heute beim Pyramids Marathon einen Halbmarathon gelaufen. Und möchte nun mal von dieser Erfahrung berichten.
Erfahren von der Veranstaltung habe ich durch Zufall am Anfang diesen Jahres. Da ich schon immer mal an so einem Lauf teilnehmen wollte, war der Entschluss dann relativ schnell gefasst und ich habe mich angemeldet. Jedoch war ich zu diesem Zeitpunkt alles andere als gut in Form. Seit knapp 4 Monaten keinen wirklichen Ausdauersport betrieben und in etwa so fett wie die Gans zu Weihnachten. Trotzdem begann dann die Vorbereitung auf den Lauf.
Problematisch ist nur die Tatsache, dass Kairo nun nicht gerade für Ausdauersport geschaffen ist. Auf der Straße zu joggen, würde entweder mit einer Bänderverletzung oder einem Kontakt mit einem Auto enden. Also blieb kurzfristig erstmal nur das Laufband im Fitnessstudio. Und das wurde dann auch gut genutzt. Im Training steigerte ich mich langsam bis zu einer Strecke von 18 km. Die auf dem Laufband relativ problemlos gemeistert wurden. Also ging es mit voller Zuversicht und neuen Laufschuhen in den heutigen Tag.
Wie der Name schon sagt, fand der Lauf direkt an den Pyramiden statt und sollte um 8 Uhr losgehen. Und da hier in Ägypten auch gerade Winter ist, war es dann doch recht frisch. Highlight vor dem Lauf, war das halbstündige Anstehen an den Toiletten für Männer. Die nichtvorhandene Blase bleibt also auch nach der Schulzeit bei Ägyptern erhalten. Aber nach kurzer Erwärmung ging es dann endlich los. Nach dem Start musste ich erstmal zusehen, dass ich schnellstmöglich an die ganzen 10 km Läufer oder besser gesagt Spaziergänger vorbeikomme. Denn viele haben den Lauf als eine Möglichkeit für einen gemeinsamen Spaziergang interpretiert. Ansonsten lässt sich sagen, dass meine Vorbereitung auf dem Laufband, wie zu erwarten war, nicht optimal war. Zum Einen war die Strecke eher ein Ständiges auf und ab und zum Anderen läuft es sich auf Asphalt dann doch anders als auf dem Laufband. Nichtsdestotrotz fühlte ich mich ziemlich gut. Erlebte dann sogar von Kilometer 11 bis 14 ein wahres Hoch. Überholte einige Läufer und ging im Kopf schon die Siegesose für den Zieldurchlauf durch. Jedoch stellte ich bei Kilometer 14,5, einem U-Turn fest, woher das Hoch kam. Ich hatte einfach unglaublichen Rückenwind und es ging leicht bergab. Somit war es bis Kilometer 19 nun eine leichte Qual: ständig bergauf und immer stärker werdender Wüstenwind. Aber ich hatte so viel Kraft übrig, dass ich die letzten beiden Kilometer nochmal das Tempo erhöhen und noch einige Läufer überholen konnte.
Im Ziel angekommen war ich dann den Pyramiden so nah wie noch nie zuvor. Und konnte endlich mal ein paar Bilder machen. Der Zielbereich lag praktisch zwischen Cheops- und Chephrenpyramide. Was dann für die vorherige Qual etwas entschuldigte. Im Zielbereich wollte ich dann relativ schnell meinen Pullover anziehen, da es nun ohne Bewegung doch kalt war. Dieser war jedoch in meinem Rucksack, den man vor dem Lauf mit seiner Startnummer versehen, abgeben konnte, um ihn dann wieder abzuholen. Jedoch kam hier ein Problem auf. Es waren ungefähr 3000 Läufer und 6 Lkw’s mit den Rucksäcken (die alle gleich aussahen, da man nur die offiziellen Pyramids Marathon Beutel abgeben durfte). Also pro Lkw recht viele Rucksäcke. Normal würde man erwarten, dass in den Lkw’s ein gewisser Ordnungsprinzip herrscht und man hingeht und relativ schnell seinen Rucksack abholen. Aber Pustekuchen. Ägyptisch löst man dieses Problem so, dass drei Leute im Lkw die Nummern der Rucksäcke auf Arabisch rausschreien und dann gegebenenfalls die Dinger rauswerfen. Jedoch auch ohne Zeichen von Ordnung sondern einfach, der Rucksack der als nächstes in die Hand kam wird ausgerufen. Wie gut dieses Prinzip funktioniert, zeigt die Tatsache das ich nach 1 h anstehen, meinen Rucksack dann auf dem Boden liegend wiedergefunden habe. Aber hamdudilah ich habe ihn wieder zurück.
Aber trotz dieser langwierigen Rucksackrückholaktion war es eine ziemliche coole Erfahrung und ich habe mir vorgenommen, dann nächstes Jahr nicht nur den halben Marathon zu bewältigen. Aber jetzt wird sich erstmal erholt. Jedoch auch nicht so lange, denn schon in zwei Wochen steht der nächste Lauf an, der Pyramidenlauf, der von meiner Schule organisiert wird. Um den Schülern mal zu zeigen, wie schnell die deutschen Lehrer sind. 😉