Nachdem letzten Post ist nun wieder ziemlich viel Wasser den Nil runter geflossen, darum wird es mal wieder Zeit von meiner Zeit in Kairo zu berichten. Diesmal soll es um einen Pyramidenbesuch, einen nervenaufreibenden Halbmarathon und den Ausblick für die nächsten Wochen gehen.
Fangen wir mit einem sehr interessanten Erlebnis an. Vor einer Woche besuchte ich mit ein paar Kollegen die Meidum-Pyramide. Diese befindet sich etwa 2 Autostunden nilaufwärts und ist eine der ältesten Pyramiden Ägyptens. Dies stellte auch den ersten eigentlichen Besuch einer Pyramide für mich dar. Interessanterweise ähnelte diese Pyramiden aber eher einer Stufenpyramide der Maya als den bekannten Gizehpyramiden. Was ich total faszinierend finde. Das zwei so nicht miteinander kommunizierende Urvölker, die gleichen Bauwerke erschaffen. Die Frage die sich stellt, hätten die Maya dann auch eventuell solche Pyramiden wie in Gizeh bauen können? Die Ägypter entwickelten sich beim Bau ihrer Pyramiden ständig weiter und arbeiteten sich zu dem vollendeten Design von Cheops und Khufu erst vor. Neben vielen weiteren interessanten Informationen durch unseren Reiseführer, stand auch ein Besuch des Inneren der Pyramide vor. Dabei stellte ich fest, dass ich aufgrund meiner Körpergröße niemals Ägyptologe werden hätte können. Zumindest kein Guter. Wir besichtigten zwei Grabkammern. Wobei wir bei der Zweiten den Eingang der Grabräuber nehmen mussten. Dank diesem durfte ich mal wieder erlaubterweise im Dreck spielen. Highlight des Besuches war jedoch, wie unser Pyramidenführer ganz entspannt aus seiner Galabeya eine Pistole zog, um diese vor dem Grabbesuch abzugeben. Als wäre es das normalste der Welt eine Pistole unter Galabeya zu tragen. Also eine zweite.
Heute stand dann der zweite Halbmarathon meiner Läuferkarriere an. Nachdem der erste Versuch doch ganz erfolgreich war, habe ich mich dazu entschlossen gleich noch einen zweiten Lauf anzugehen. Gut einen Monat mehr weniger intensives Training und eine absolut überzeugende Vorstellung beim Pyramidenlauf der DEO, sollten als Vorbereitung reichen. Der erste Schock erfolgte aber bereits in dieser Woche. Der Start des Laufes war für 6.30 Uhr angesetzt. Abgesehen davon, dass ich in der Woche zu dieser Zeit als längste Distanz den Weg zur Toilette renne, war ich echt gespannt wie ich diesen Lauf schaffen werde. Der einzige Vorteil war, dass ich diesmal in Fußweite zum Start- und Zielbereich war. Somit konnte ich ganz ohne zusätzliches Gepäck dahin joggen. Darüber war ich echt froh, da es doch beim letzten Mal ein kleineres Problem mit dem Gepäck gab, ihr erinnert euch. Also ging es heute gut motiviert und erstaunlich munter zum Marathongelände, nach der erneuten Bestätigung, dass Ägypten das einzige Land ist, indem die Toilettenschlange der Männer immer länger ist, als die der Frauen, ging es dann pünktlich, ja ich war auch überrascht, los. Der Kampf gegen die Zeit begann. Zielstellung des Laufes war eine bessere Zeit als beim ersten Mal. Der Lauf sollte durch die Innenstadt von Kairo gehen. Da ich solche Läufe ja auch Dresden kenne, bin ich naiver Weise davon ausgegangen, dass man da die Straßen für die Läufer sperrt. Darin lag auch der Grund für die frühe Startzeit, damit das Verkehrschaos nicht zu groß wird. Zumindest in meinem Kopf, war das alles ziemlich logisch. Aber das ist vermutlich auch das coolste an Ägypten und den Menschen hier. Sie schaffen es dich immer wieder zu überraschen: Auf den besten Abschnitten der Laufstrecke gab es eine etwa eine 1 m breite abgesperrte Spur für die Läufer, an den schlechten Stellen musste man sich durch Autos schlängeln oder über Absperrungen springen. Highlights waren dann jedoch Kreuzungen. Kam man zu einer ungünstigen Zeit an, war die Kreuzung für die Läufer gesperrt und die Autos fuhren. Also konnte dieser Marathon neben den normalen Gefühlen die man bei einem solchen Lauf hat, wie der Verzweiflung warum macht man den Mist eigentlich, noch etwas mehr bieten: Nervenkitzel. Den wer die kaironesischen Straßen und Autofahrer kennt, weiß, dass da bei Verkehr am rechten Rand oder über befahrene Kreuzungen zu rennen im Normalfall nur äußerst verrückte Menschen machen. Nichtsdestotrotz besitze ich noch meinen beiden Knöchel und erfreue mich auch ansonsten bester Gesundheit. Und ich habe es geschafft, im Vergleich zum ersten Lauf konnte ich mich um 5 Minuten verbessern. Doch nach dem Lauf ist vor dem Lauf. Ich habe mich bereits für den nächsten Halbmarathon angemeldet. Dieser findet dann in Deutschland statt, wenn ich im April zurückkomme. Da soll dann die 1 h und 40 min fallen.
Doch die Vorbereitung auf diesen Lauf wird durch ein weiteres Event behindert. Ab nächste Woche nenne ich mich dann ganz offiziell deutscher Nationalspieler im Fußball. Zwar spiele ich nur beim Botschaftsturnier von Al Ahly um den Weltmeistertitel, aber ich sage mal so, Löw hat ja gerade Platz auf der Innenverteidigungsposition in der Nationalelf geschaffen. Und Gerüchten zur Folge, schaut auch er sich das Eröffnungsspiel an. Und wo kann man sich den besser präsentieren als beim Klassiker gegen England. Also mit etwas Glück darf ich mich dann, nach dem YU-GI-OH Sachsenmeistertitel, auch bald Botschaftsturnierweltmeister nennen.
So ich steige nun erstmal in den Flieger, um mich vom Halbmarathon zu erholen und fliege ans rote Meer. Also bis zum nächsten Mal.