Das Botschaftsturnier

Nach nun doch wieder recht langer Zeit, melde ich mal wieder vom Caironesischen Flughafen. Mittlerweile schreibe ich fast nur noch hier meine Blogbeiträge. Vielleicht sollte ich einfach mal zum Schreiben hier hochkommen und nicht nur wenn ich fliege. Heute soll vor allem das Botschaftsturnier der letzten Wochen im Mittelpunkt meines Beitrages stehen. 

Erst einmal möchte ich kurz das Turnier vorstellen: Al Ahly, der größte ägyptische sowie afrikanische Fußballverein organisiert, gemeinsam mit der deutschen Botschaft, ein Turnier, bei dem alle Botschaften teilnehmen können. Dieser Jahr sind auch 22 Mannschaften dem Lockruf des Gewinns eines Weltmeistertitels gefolgt und haben am Turnier teilgenommen. Gespielt wurde in einem Sportklub von Al Ahly auf einem kleinen Feld, mit 5 vs. 5. Also speziell für kleine, technisch starke, wendige, antrittsschnelle Spieler – wie mich 😀 – wie geschaffen. 

Das Turnier zog sich über insgesamt 4 Wochenenden mit je einem Spiel pro Wochenendtag. Dies versetzte ein in die alten Zeiten des Kreisligafußballs in Deutschland zurück. Und ich habe es genoßen. Endlich wieder Fußballspiele von Amateuren sehen, die mit extremen Ehrgeiz und Elan versuchen, das bestmögliche aus ihren Fähigkeiten herauszuholen. Für mich immer noch tausendmal unterhaltsamer und ansehnlicher als manches Profispiel. 

Doch kommen wir mal zu unserem Team: Team Deutschland. Gespickt mit Lehrern und Schülern der DEO und Mitarbeitern der deutschen Botschaft, was das Ziel klar: Weltmeisterschaft. Da deutsche Mannschaften bekannterweise Turniermannschaften sind, war es äußerst wichtig gut in das Turnier zu starten. Und das erste Spiel hatte auch gleich einen wahren Klassiker bereit: England. Unter Flutlicht konnte die englische Mannschaft zwar deutlich besiegt werden, jedoch war dem deutschen Getriebe doch noch deutlich anzumerken, dass der letzte Sandsturm etwas zu viel Sand darin hinterlassen hatte. Aber gewonnen war gewonnen. Denn am nächsten Tag, wartete der wohl schwierigste Gegner der Gruppenphase auf uns. Der Titelverteidiger aus Ägypten war die Herausforderung. Hier ging es um den späteren Gruppensieg, der aller Voraussicht nach die einfachere k.o-Phase nach sich ziehen würde. Und ich sage mal so, das Spiel hielt was es versprochen hatte. Es wurde ein hitziges und gutklassiges Spiel mit vielen Tormöglichkeiten auf beiden Seiten. Am Ende setzten wir uns dann aber doch verdient und souverän mit 4:1 durch. Die letzten beiden Gruppenspiele mussten wir als noch 4 Punkte holen, um den Gruppensieg perfekt zu machen. Dies schafften wir. Nicht souverän, aber wir schafften es. Selbst ein 0:2 Rückstand gegen die Arabische Liga konnten wir im Endeffekt noch in einen Sieg ummünzen. 

Somit standen wir dann in der K.o Phase des Turniers. Diese möchte ich möglichst kurz halten, durch zwei Siege gegen die UN und die USA zogen wir verdient in das Finale ein. Der Gegner dort war die Elfenbeinküste. Diese Mannschaft bestand prinzipiell aus drei Spielern: Einen Didier Drogba – der alleine soviel Tore geschossen hatte, wie wir als Mannschaft, einen Edgar Davids – der einen Schuß hatte, der dem Tigerschuß von Hyuga von den Superkickers in Nichts nachstand und einen Samuel Eto’o (er sah wirklich so aus) – der bei Fifa in Dribbling vermutlich eine 101 haben würde. Diese drei schafften es auch in Unterzahl Gegner auseinander zu nehmen. Dementsprechend groß war unser Respekt vor ihnen. Aber nichtsdestotrotz war ich eigentlich ziemlich optimistisch, dass wir eine Chance haben. Long story told short – Wir machten vermutlich eins unserer besten Turnierspiele, waren lange Zeit die bessere Mannschaft, jedoch nutzten die Elfenbeiner ihre individuelle Klasse gnadenlos aus und bestraften jeden Fehler von. So das wir uns am Ende geschlagen geben mussten – auch wenn es mir immer noch etwas schwer fällt, hat damit auch die beste Turniermannschaft den Titel geholt. 

Aber shit happens. Erkenntnis des Turnieres: Amateurfußball ist eines der schönsten Dinge, die es gibt. Und als individuelle Erkenntnis: Auch wenn man mir immer gesagt hat, das mit dem Verlieren können, das kommt dann wenn man älter wird. Ich sage mal so, ich warte immer noch darauf. Ich kann es mir nicht ganz erklären, aber selbst jetzt, wo ich an einem relativ spaßigen Turnier teilgenommen habe, ist mein Ehrgeiz zu gewinnen immer noch so, wie mit 5 Jahren wenn man gegen die Eltern Mensch-ärger-dich-nicht gespielt hat. Ich überlege noch ob ich das als positive oder eher negative Charaktereigenschaft verbuchen sollte. 

So, das war mal wieder viel zu viel, aber ich musste auch etwas Zeit hier am Terminal totschlagen. Denn es geht mal wieder zurück nach Deutschland. Denn es gibt einige Geburtstage zu feiern :). Abschließen möchte ich mit eine kleine Rechenaufgabe: Ich habe jetzt in 8 Monaten, die ich nun in Kairo bin, die Anzahl meiner Flüge verdoppelt. Berechne den Wachstumsfaktor auf ein ganzes Jahr bezogen. 😀 

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