Die letzten Schulwochen

Lang, lang ist es her, seitdem ich es das letzte mal geschafft hatte, hier etwas zu schreiben. Aber auch der letzte Abschnitt des Schuljahres war durch viel Arbeit geprägt, so das ich leider keine Zeit gefunden habe, etwas hier zu berichten. Darum gibt es heute die letzten beiden Monate zusammengefasst. Und diesmal zur Abwechslung mal nicht vom Flughafen, sondern direkt aus dem Flugzeug.

Das erste und wohl auch interessanteste der letzen Wochen, war der Fastenmonat Ramadan. Ich war bereits im Vorfeld von vielen Kollegen gewarnt wurden, dass dieser Monat doch noch eine ganz andere Belastung darstellen würde. Sowohl in der Schule, als auch im alltäglichen Leben. Rückblickend muss ich sagen, dass ich diese Wochen als gar nicht so anstrengend wahrgenommen habe. Die Schüler waren etwas mehr wie deutsche Schüler und der Unterricht war kürzer. Im Fitnessstudio war man bei entsprechender Wahl der Trainingszeit praktisch alleine. Ansonsten habe ich eigentlich keine großen Einschränkungen in meinem Leben gehabt. So das ich diesen Monat als gar nicht so anstrengend oder belastend wahrgenommen habe. 

Im Anschluss an den Ramadan konnte ich durch einen Urlaub in Dahab, wieder eine neue Seite von Ägypten kennenlernen, welche mich doch sehr überraschte. Dahab ist ein Urlaubsort am roten Meer auf der Halbinsel Sinai. Auch hier, ähnlich wie bei dem Besuch in Beirut, muss man sich mit dem Gedanken anfreunden, dass nur wenige Kilometer entfernt, Kriegsgebiet ist. Beispielsweise gab es während meines Urlaubs einen Anschlag auf nördlichen Hälfte des Sinai. Aber kommen wir zurück zu Dahab. Nachdem mein Kollege und ich, uns relativ kurzfristig für einen Urlaub dort entschieden hatten, war vor allem Entspannung und Relaxen angesagt. Was in unserem Resort, welches sich direkt am roten Meer befand, auch super einrichten ließ. Abends stand dann ein Besuch der Stadt Dahab an. Und diese stellte ein extremen Kontrast zum restlichen Ägypten dar. Die Stadt verfügte über eine Promenade mit mehreren Strandbars, Restaurants oder Clubs. Und sowohl die Lokalitäten als auch die Menschen da, wirkten alle wie eine alternative Außenseiterstadt irgendwo im nirgendwo in Thailand oder Australien. Mit der Vorstellung, dass unweit Krieg herrscht, eigentlich unvorstellbar. 

Zu einem Highlight des Urlaubs zählte unser Schnorchelausflug zu einer Lagune und dem Blue Hole. Dieser Ausflug war durch seine Abenteuerlichkeit, ein einprägsames Erlebnis. Denn es ging unter anderem mit kleinen Motorbooten, durch das rote Meer, mit teilweise meterhohen Sprüngen über die Wellen. Nachdem einen da dann doch etwas mulmig wurde, war der Blick zum Steuermann des Bootes nicht gerade beruhigend, denn da stand eine 14-jähriger Ägypter. Im Anschluss daran ging es mit einem Jeep weiter. Oben seht ihr ein Bild von unserem Jeep. Auch hier ging es teilweise mit dann doch sehr hoher Geschwindigkeit an der Küste entlang. Aber glücklicherweise war der Fahrer hier schon etwas älter, also vielleicht 16 oder so. Am Ende meines ersten Schnorchelausflug bleibt festzuhalten, dass die Symbiose aus Wasser und mir wohl keine ist, die sich durch besonders hohe gegenseitige Liebe auszeichnet. Aber ich denke, ich kann damit leben.

Als Letztes möchte ich noch von einem der vermutlich coolsten Dinge des vergangenen Jahres erzählen. Denn nachdem Kamerun im Winter kurzfristig von der Ausrichtung des Afrikacups zurücktreten musste, sprang Ägypten ein und organisierte das Turnier nun innerhalb eines halben Jahres. Und um es vorweg zu nehmen, soweit ich das bisher einschätzen kann, hat man das echt super hinbekommen. Natürlich war mir schon seit dem Winter klar, dass ich unbedingt ein Spiel sehen muss. Und so war ich dann letzte Woche beim Eröffnungsspiel Ägypten vs. Simbabwe im Stadion. Und ich muss sagen, dass dies wohl mein einprägsamstes Stadionerlebnis war. Eventuell der Tatsache geschuldet, dass es auch mit Abstand das Längste war. Denn wir trafen gegen 15 Uhr am Stadion ein. Dies waren gute 7 Stunden vor dem Anpfiff des Spieles. Nach 2 Stunden und ungefähr 18 Kontrollen waren wir dann im Stadion. Und frei nach dem ägyptischen Prinzip, wer zuerst kommt, der mahlt zuerst, bestand im Block freie Sitzplatzwahl. Ungefähr 3,5 h vor Spielbeginn, war das Stadion praktisch voll und es war unglaublich laut. Das wahre Highlight war dann die Eröffnungsshow. Diese war einfach gesagt, echt genial. Ich habe noch nie so eine abwechslungsreiche und aufregende Eröffnungsshow sehen können. Über das Spiel möchte ich eigentlich nicht viel erzählen, da es da nichts zu erzählen gibt, da es extrem langweilig war. Aber das ganze Erlebnis um das Spiel herum waren die ganzen Strapazen wert.

Auch wenn dieser Eintrag, gerade schon wieder viel zu lang wird, möchte ich doch noch ein was loswerden: Und zwar war ich vor kurzen mit einem befreundeten Ehepaar in der Oasenstadt Fayoum und der angrenzenden Wüste. Bei unserer Wüstentour sind wir mit einem Guide und seinem Jeep an viele schöne Plätze gefahren. Als wir an einer Aussicht waren, konnten wir aussteigen um Bilder zu machen. Da ich meine Kamera dabei hatte, ließ ich mein Handy im Auto. Jedoch muss es beim Aussteigen, zwischen Tür und Auto gerutscht sein, da ich meine Tür aber nur anlehnte, war das eigentlich kein Problem. Also machte ich ein paar Bilder. Bis mein Unterbewusstsein ein dumpfes Geräusch hinter mir wahrnahm. Ungefähr so, als ob jemand versuche würde, eine Tür zuzuschlagen, die durch etwas blockiert werden würde. Als drehte ich mich um und naja den Rest kann man sich denken. Ich sah eben wie unser Guide versuchte, meine Tür zu schließen (alternative Formulierungen: zuzuknallen, ins Schloss zu rammen, ins Schloss zu pfeffern, wie bei einem Panzer zu schließen, etc.). Jedoch war diese durch mein Handy blockiert. Am Ende gibt es nun ein kaputten Display und ein gerissene Rückseite. Ich habe die Hoffnung, dass Apple mir morgen sagt, dass sie es reparieren können. Insha allah. Dann werde ich sicherlich, in eins bis zwei Wochen über diese Geschichte lachen können. 

So das war es dann auch wirklich. Und ich gehe nun in meine wohlverdienten Ferien. Demnächst habe ich vor, nochmal ein kleines Zwischenfazit nach einem Jahr Ägypten zu ziehen. Denn mittlerweile ist es nun schon fast ein Jahr, dass ich mich auf den Weg nach Kairo gemacht habe. Aber in guter Tradition, wird das wohl beim nächsten Flug oder Flughafenaufenthalt sein. Also bis dahin. Und an meine deutschen Freunde und Familie: Ja ihr müsst mich jetzt wieder eine Weile ertragen. Bis bald. 

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