Beginn des zweiten Jahres

Servus. Nach einer zweimonatigen Sommerpause melde ich mich endlich wieder aus Kairo. Nach einem Sommer der viele unvergessliche Augenblicke lieferte, bin ich nun mittlerweile seit etwas mehr als zwei Wochen in Ägypten und beginne mein zweites Jahr als Lehrer an der DEO. Und mein zweites Jahr als Lehrer allgemein. Das bietet sich natürlich an, ein Fazit zu ziehen. Zum Einen über die Entscheidung nach Kairo zu gehen und zum Anderen auch wie mir der Beruf des Lehrers gefällt.

Fangen wir mit dem deutlich einfacheren Resümee an. Da ich ja im Studium doch manchmal darüber nachgedacht habe, vielleicht doch in eine andere Richtung zu gehen, sowas wie reine Mathematik oder Physics Engineering in einer Spielefirma, muss ich mittlerweile sagen, dass ich die Entscheidung bei Lehramt geblieben zu sein, absolut nicht bereue. Ganz im Gegenteil. Gerade jetzt nach der zwei monatigen Sommerpause stelle ich wieder fest, wie viel Spaß ich dabei habe, vor eine Klasse zu stehen. In Klasse 10 bei der Liedkontrolle im Musikunterricht war das für mich noch unvorstellbar. Aber glücklicherweise muss ich meine Inhalte auch nicht singen.

Was seit diesem Schuljahr auch noch hinzukommt, dass wir in unserem neuen Oberstufengebäude nun interaktive Tafeln besitzen. Auch wenn ich ein Befürworter jeglicher Digitalisierung von Unterrichtsprozessen bin, war ich immer ein wenig skeptisch was diese Tafeln angeht. Vermutlich da ich noch nichts gesehen hatte, was mich vollkommen überzeugt. Aber die Suche scheint nun vorbei. Auch wenn bei unseren Tafeln noch längst nicht alles perfekt ist, überzeugen mich diese vollkommen. Und machen den Unterricht auch wesentlich interessanter. Für mich, als auch für die Schüler. Wobei diese wohl eher den Kampf der Lehrer mit der Technik begutachten.

Das Fazit über die Entscheidung Kairo fällt dann doch etwas differenzierter aus. Also ich fühle mich hier absolut wohl und genieße auch die Zeit die ich hier verbringen kann. Und die Vorzüge die das Leben in Kairo so bietet. Aber gerade im Sommer habe ich dann auch festgestellt, wie sehr ich meine Freunde und meine Familie vermisse und wie schön die Zeit mit Ihnen dann doch immer ist. Aber ich muss sagen, dass ich das Gefühl habe, dass sich die richtig guten Freundschaften im letzten Jahr dann doch noch ein wenig vertieft haben. Also auch wenn man sich weniger sieht, ist die Zeit, die man dann miteinander verbringt doch wesentlich schöner. Darum fällt es mir schwer da eine endgültige Entscheidung zu treffen. Zum Einen fühle ich mich sehr wohl in Kairo, zum anderen vermisst man doch die eine oder andere Person.

Und Kairo wäre ja nicht Kairo, wenn es nicht noch eine kleine Überraschung bei meiner Rückkehr bereit gehabt hätte. Darum zum Abschluss noch eine kleine Anekdote:

Ich kam aus San Francisco über Toronto nach Frankfurt, dort hatte ich einen 9 stündigen Aufenthalt und dann sollte es nach Kairo gehen. In Kairo kam ich dann noch knapp 40 h Reisedauer an. Dementsprechend erschöpft war ich auch und wollte nur noch schnell nach Hause. Daraus wurde leider nichts, da mein Rucksack nicht auftauchte. Also wandte ich mich an die Hilfestelle, wo man mir sagte, dass mein Rucksack leider nicht die Reise nach Kairo angetreten ist und noch in Frankfurt steht. Begründung: Ich habe ihn zu spät eingecheckt. Also für diejenigen die bald mit Egyptair fliegen: 8 h vor Abflug ist anscheinend zu spät. Also sagte ich Ihnen, dass ich es gern zugeschickt bekomme möchte, da es am nächsten Tag in Kairo landen sollte. Dies funktionierte natürlich nicht. Die Hotline und E-Mail auch nicht, also blieb nur der eigene Weg zum Flughafen. Dort angekommen gab ich meine Auftragsnummer und Reisepass in einem kleinen Büro ab und mir wurde gesagt, dass dauert ungefähr eine Stunde. Vollkommen glücklich setzte ich mich hin und dachte wirklich ich bin in einer Stunde wieder aus dem Flughafen heraus. Rückblickend hätte mir mein selbst aufgestellt 3er/4er-Regel sofort einfallen müssen: Wenn dir ein Ägypter eine Zeit sagt, wann es weiter geht, einfach diese Zeit mal drei oder vier und etwas dazwischen wird es wirklich sein. Im Endeffekt kam nach etwas mehr als 3 Stunden (die Regel passt immer) mein Reisepass wieder. Dann bekam ich das Objekt, für welches ich drei Stunden warten musste: eine kleine selbstgedruckte ID-card. Doch lange durfte ich diese nicht in meinen Händen halten, nachdem ich die Karte ungefähr 10 s hatte, gab ich sie einem Kontrolleur, der sie dann sofort dem Menschen zurückgab, der mir sie gegeben hatte. Diese Karte ermöglichte es mir aber, einen Weg von 100 m zurücklegen zu dürfen, um in einer Kammer mit etwa 100 Gepäckstücken meinen Rucksack suchen zu dürfen. Also habe ich 3 Stunden für 100 m gewartet. Ich wiederhole 3 Stunden. Auf der Rückfahrt vom Flughafen sind mir ungefähr 10 zeitsparendere Varianten eingefallen. Aber Kairo wäre auch nicht Kairo, wenn es dich nicht immer wieder überraschen würde.

Das soll es dann auch erstmal gewesen sein. Wie immer verweise ich darauf bald wieder zu schreiben, also bis bald.

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