Lebenszeichen aus Kairo

Nachdem ich nun seit langer Zeit kein Lebenszeichen mehr von mir gegeben habe, möchte ich mich mal wieder aus Kairo melden. Auch wenn gerade nicht so viele Dinge passieren, die berichtenswert sind, versuche ich euch einen kleinen Einblick in mein Leben hier zu ermöglichen.

Immer wenn man in den größeren Ferien zurück nach Deutschland reist oder auch wieder nach Kairo kommt, wird einem der Unterschied der Welten immer wieder deutlich gemacht. Was mir aber dieses Jahr ganz besonders aufgefallen ist, wie sehr ich mich in den letzten Jahren doch verändert habe. Bevor ich nach Kairo gekommen bin, war ich immer ein Mensch, der weit hinausblickte und Dinge am liebsten weitläufig plant. In den letzten 1,5 Jahren hier in Kairo hat sich das größtenteils gedreht. Woran mir das auffällt? Immer in den Momenten, in denen ich voller Überzeugung versuche, an einem Sonntag in Deutschland einkaufen zu gehen. Interessant ist, dass sich das nur auf mein Privatleben beschränkt, alles was die Schule betrifft, bin ich immer gewillt, Dinge möglichst frühzeitig zu planen oder zu erledigen. Eventuell kompensiere ich diese Planungsarbeit mit absolut keiner in meinem Privatleben. Wer weiß.

Was mir weiterhin auffällt, wie sehr das Leben in Deutschland dann doch eher an Luxus grenzt im Vergleich zum Leben in Kairo. Also mal abgesehen, dass ich in Kairo eine viel größere Wohnung habe und mir jeden Tag essen bestellen kann, ist es doch bei weitem nicht so, dass es dem Leben in Deutschland gleicht. Was ich damit meine? Ich vermute, ihr sitzt nun nicht in einer Wohnung, in der maximal 16 Grad sind in den Wintermonaten. Ihr habt die letzten Wochen nicht mit Wasser geduscht, das überraschenderweise doch noch in flüssiger Form aus dem Duschkopf kam. Oder auch mit Internet leben müssen, was in etwa die Geschwindigkeit eine Schildkröte im Rückwärtsgang besitzt. Okay wobei das letzte sich kaum zu meiner Ferienwohnung in Deutschland unterscheidet. Jedoch was ich hier in Ägypten gelernt habe ist, dass es immer deutlicher wichtigere Dinge im Leben gibt, als die, denen wir aktuell große Wichtigkeit bescheinigen. Wenn ich sehe, wie hier ganze Familien auf der Straße leben, bin ich dann doch mit meinem kalten Wasser recht zufrieden.

In meinem zweiten Jahr als Lehrer merke ich langsam, dass sowas wie Routine möglich ist. Und das man eventuell doch nicht jeden Tag bis 22 Uhr arbeiten muss, wenn man es schafft sich zu organisieren. In meinem zweiten Jahr hier, muss ich auch sagen, dass ich deutlich besser mit den Rahmenbedingungen klar komme. Also sowohl das ganze Organisatorische als auch der Umgang mit den Schülern fällt deutlich leichter im Vergleich zum ersten Jahr. Da man einfach weiß, wie man gewisse Dinge hier zu interpretieren hat. Insgesamt habe ich mir aber die Arbeit als Vertrauenslehrer deutlich spannender vorgestellt.

Da ich mich nun im letzten Jahr meines Arbeitsvertrages befinde, war die letzten Monate auch mit den Überlegungen verbunden, wie es denn ab dem Sommer bei mir weitergeht. Bleibe ich in Kairo? Komme ich nach Deutschland zurück? Wenn ja, wo gehe ich hin? Oder mache ich etwas ganz anderes? Gehe nochmal in ein anderes Land? All diese Fragen gingen mir über durch den Kopf. Einige mehr, andere weniger. Um es jetzt nicht weiter spannend zu machen: Ich werde meinen Vertrag hier nochmal um 2 Jahre verlängern. So dass ich bis 2022 in Kairo bleiben werde. Dies hat verschiedene Gründe, zum Einen habe ich das Gefühl, dass mein Leben hier so wie ich es jetzt habe, immer besser wird und ich möchte nicht jetzt schon gehen. Da ich das Gefühl habe, jetzt erst so wirklich angekommen zu sein. Des Weiteren bin ich nun an ein paar Projekten in der Schule beteiligt, die ich doch gern weiter begleiten möchte. Doch dazu vielleicht später einmal mehr.

Abschließend bleibt eigentlich nicht mehr viel zu sagen. In meiner Freizeit habe ich wieder angefangen, mich auf meinen Halbmarathon in gut 3 Wochen vorzubereiten. Und diesmal soll es dann beim Pyramidenlauf der DEO auch etwas mehr werden, als der 6. Platz im letzten Jahr.

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