Hallo. Eigentlich wollte ich mich schon vor zwei Wochen mal wieder melden. Damals noch mit einer anderen Idee für den Post. Als dann noch die Meldung einer vorübergehenden Schulschließung publik wurde, dachte ich, endlich mal wieder Zeit sich dem eigenen Blog zu widmen. Leider brachten die letzten beiden Wochen aber so viel Arbeit mit sich, dass ich erste heute die Zeit und den Elan fand, mal wieder etwas zu schreiben. Natürlich spielt Corona eine Rolle. Jedoch möchte ich diesmal nur auf eine spezielle Facette eingehen.
Genau wie in Deutschland musste meine Schule vor zwei Wochen zu machen, der ägyptische Staat hatte beschlossen die Schulen für zwei Wochen zu schließen. Diese Schließung wurde vorgestern nochmal um zwei weitere Wochen verlängert. Und perspektivisch weiß niemand, wie es nach den Osterferien weitergeht.
Dies war sicherlich nicht nur für unsere Schule, sondern für Schule als Institution im Allgemeinen eine Nachricht, die weitreichende Folgen hatte. Wie soll die Kommunikation aufrecht gehalten werden? Wie verteilt man Aufgaben? Wie erstelle ich Aufgaben? Wie geht es mit den Zensuren weiter? Ich glaube, dass sind alles Fragen, die den meisten Lehrern durch denk Kopf gegangen sind. Diese Fragen will ich hier nicht beantworten, einfach da ich sie nicht beantworten kann. Aber sie zeigen glaube ich, dass grundlegende Problem: In der Institution Schule steckt die Digitalisierung noch in den Kinderschuhen.
Denn sind wir mal ehrlich, wie sieht denn Digitalisierung in der Schule aus. Untermalt ein Lehrer seinen Unterricht mit PowerPoints ist er ja oft schon was besonderes. Ein Lehrer der am Smartboard interaktive Tafelbilder erstellen kann und diese Tafel auch vollständig nutzt, ist ja meistens ein Ausreißer. Doch das kann ja nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Ich meine, das Zeigen von einem YouTube-Video von simplyphysics und co. kann ja nun nicht das Ziel der Digitalisierung sein. Digitale Medien bieten doch so viel mehr. Das eigene Erstellen von Videos oder das Speichern und Dokumentieren von Lernprozessen, sind beides Beispiele für ein Nutzen der neuen Medien. Versteht mich nicht falsch. Ich bin mit großer Sicherheit nicht soweit, dass ich sagen kann, dass ich digitale Medien schon perfekt nutze. Das wird sicherlich auch nie der Fall sein. Aber ich bin am Suchen welcher Weg für mich und meinen Unterricht, der Richtige ist.
Worauf ich aber eigentlich hinaus will: Also sehen wir mal von den ganzen schwerwiegenden Folgen der aktuellen Pandemie ab und betrachten nur die Institution Schule, dann ist das doch gerade eine riesige Chance. Mit einmal muss sich Schule mit den neuen Medien auseinandersetzen und muss zusehen, dass digitale Kommunikationswege funktionieren. Und ich bin überzeugt, dass wenn nun die richtigen Entscheidungen getroffen werden, sich Schule und Unterricht weiter entwickeln kann. Wohin die Reise geht? Ich habe keine Ahnung. Selbst als großer Fan der digitalen Werkzeuge, bleibe ich der Meinung, dass es einige Prozesse gibt, die trotzdem analog ablaufen sollten. Nicht alles muss immer digital ablaufen. Den da stecken sicherlich einige Gefahren dahinter. Hier eine Anekdote aus meinen vergangenen Wochen. Für eine Entscheidung innerhalb meiner Klasse, hatte einer meiner Schüler eine digitale Umfrage erstellt und die Schüler gebeten, abzustimmen. Er war dann aber sehr enttäuscht, als ich ihm sagte, dass ich das nicht als Abstimmung akzeptieren werde. Warum? Ich denke, auch im Fortschreiten der Digitalisierung ist beispielsweise die Kommunikation von Mensch zu Mensch so unglaublich wichtig, dass diese durch digitale Werkzeuge verloren gehen sollte. In diesem Fall die Fähigkeit eine gemeinsame Entscheidung innerhalb eine Gruppe treffen zu können mit der alle einverstanden sind und nicht die Entscheidung aufgrund von Einzelentscheidungen zu treffen.
Doch wie sehen die richtigen Entscheidungen aus? Ich persönlich bin der Meinung, dass Schulen jetzt Entscheidungen treffen sollten, die einen Mehrwert auch für die Zeit nach der Krise besitzen und nicht nur zur Lösung der aktuellen Misere dienen. Kurzes Beispiel: Eine der Möglichkeiten wäre beispielsweise die Umstellung des Unterrichts auf verschiedene Videochatformate. Lehrer und Schüler treffen sich zu einer bestimmten Zeit in einem Videochat und dann findet da der Unterricht statt. Klingt am Anfang nach einer coolen Idee. Aber ich frage mich was man da macht im Videochat. Ich meine es ist doch absolut albern, da einen 50 minütigen Lehrervortrag zu halten. Das macht doch niemanden Spaß, noch wird es etwas bringen. Aber mal abgesehen davon, ist das doch keine nachhaltige Lösung. Nach der Krise wird der Unterricht wieder in die Schule verlagert und alles ist genauso wie vorher. Die Krise wurde zwar überbrückt, aber nachhaltig wurde der Unterricht dadurch nicht verbessert. Und ich denke, dann hätte man eine riesige Chance zur Schulentwicklung verpasst.
Ich persönlich habe in den letzten zwei Wochen so viele Dinge gelernt. Zum Einen habe ich erlebt, wie einfach Teamarbeit mit den richtigen Menschen sein kann. Ich kann mich nur selten daran erinnern, dass ich mit einem Kollegen so einfach und so unkompliziert arbeiten konnte, wie in dieser Zeit. Es waren nie mehr als ein kurzes Absprechen der Ziele notwendig, damit jeder wusste, was er machen musste. Zahlreiche FaceTime-Anrufe zum Austausch oder gelegentlich zum Auskotzen, waren meistens die kleinen Highlights des Tages. Zum Anderen habe ich in den letzten beiden Woche Dinge bewältigt, die ich eigentlich sonst doch recht ungern mache. Angefangen von Vorträgen vor großen Menschenmengen, bis hin zum Drehen von YouTube-Videos (ihr braucht sie gar nicht erst suchen, ihr findet sie nicht). Alles Dinge die ich eigentlich nie machen wollte. Aber ich muss zugeben, dass sie mir durchaus Spaß machen, zumindest das Drehen von YouTube-Videos. Das Reden vor einer großen Zuschauermenge wird vermutlich nie zu meinen Lieblingsbeschäftigungen zählen.
Mal wieder ist es viel zu viel geworden. Aber das passiert dann einfach, wenn man auf seinem Balkon sitzt und einfach mal drauf los schreibt. Da auch die nächsten Wochen nun keine Schule stattfinden wird, wird der nächste Post sicherlich auch nicht so lange auf sich warten lassen 😉