Hey ho… ich melde mich mal wieder, und diesmal sogar eher, als von den meisten erwartet, einschließlich mir. Diesmal auch nicht vom Flughafen, sondern aus dem Bayrischen Wald, am Fuße des Großen Arbers. Was ich hier mache und vor allem, wie ich hier hin gekommen bin, möchte ich euch in diesem Eintrag erzählen.
Meine eigentlichen Pläne für diesen Sommer waren ähnlich, wie die im letzten Jahr. Ich wollte mit einem Spiel der Europameisterschaft starten, dann eventuell einer kleinen Radtour und dann sollte es wieder weit weggehen. Dieser Jahr war das Ziel Südkorea und Japan, mit dem Highlight des Besuches der Olympischen Sommerspiele in Tokio. Aber dann kam mir diese Fledermaus aus der Höhle aus Wuhan dazwischen. Also blieb mir, wie den meisten anderen, nichts anderes übrig als erstmal abzuwarten.
Als ich dann Mitte Juni zurück nach Deutschland gekommen bin und vorbildlich meine Zeit in der Quarantäne verbracht habe, habe ich mich kurzerhand dazu entschlossen, wieder eine längere Fahrradtour zu machen. Und diesmal wollte ich das Ganze alles ein wenig professionalisieren und meine Erkenntnisse aus dem letzten Jahr einbringen. Also kaufte ich mir ein Fahrrad, dass hielt ich schon mal für einen guten Start. Ein größeres Zelt, Fahrradtaschen und ein bequemer Campingstuhl sollten folgen. So fühlte ich mich eigentlich auch bestens vorbereitet und total gut ausgerüstet und startete Mitte Juli auf meine Tour. Diese sollte planmäßig zu Beginn in den Harz, dann in den Thüringer Wald, zu einem Kollegen, dann nach München, anschließend in den Bayrischen Wald, dann den Oberpfälzer Wald und über Pilsen und Prag wieder zurück in die Heimat führen. Also so ganz grob vereinfacht.
Also startete ich am 14.07 mit Google Maps und der Fahrradfunktion gut gelaunt nach Leipzig. Optimistisch wie ich war, dachte ich, dass ich mit dem Rad die 120 km locker schaffe. Tipp: Man sollte die 20 kg Gepäck, die man in den Fahrradtaschen hat, nicht ganz unterschätzen. Aber das nur am Rande. Aufgrund von der Ungenauigkeit von Google Maps (und eventuell, aber wirklich nur eventuell, einer gewissen Orientierungsschwäche meinerseits) entging ich gerade so der Attacke eines bissigen Hundes. Keine so ganz angenehme Erfahrung. Danach ging es dann weiter in Richtung Harz und dem ersten Gipfel, der erklommen werden sollte, dem Brocken. Leider wurde das Wetter nun für zwei Tage doch sehr regnerisch. Hier gleich der nächste Tipp: Vertraut den Fahrradwegen von Google Maps nicht. Glaubt mir, was ich für Wege mit meinem Fahrrad gefahren, mein Fahrrad geschoben oder mein Fahrrad getragen habe, das wollt ihr nicht wissen.
Der Regen war somit auch die erste Probe bezüglich meiner Regentauglichkeit. Rückblickend gebe ich mir da eine 2 Minus. An sich ist alles Top, das Zelt ist trocken, die Taschen bleiben alle trocken, die Regenjacke ist top. Nur die Schuhe. Die verdammten Schuhe. Spätestens am zweiten Tag mit nassen Schuhen und kalten Füßen, mussten neue Schuhe her. Dazu musste ich von meinen Zeltplatz 8 km in die nächste Stadt fahren, eigentlich kein Problem. Angenehm war auch, dass es die 8 km bergab ging. Im Laden habe ich dann eigentlich auch die ziemlich perfekten Schuhe gefunden. Zack. Boom. Gekauft. Angezogen und zurück nach Hause. Nun kam es zu zwei Problemen:
1. Auf dem Hinweg ging es nur bergab.
2. Es gab einen Regenschauer, dergestalt, dass ich Angst hatte den Berg runtergespült zu werden.
Die neuen Schuhe sollten eigentlich wasserdicht sein. Ich denke, dass sind sie auch. Zumindest ist nichts durch die Schuhe gegangen, jedoch ist es ja bei Schuhen so, dass sie immer ein Loch haben, da wo man eben seine Füße reinsteckt. Und genau da, kommt auch bei wasserdichten Schuhen, Wasser rein. Also waren nun auch die neuen Schuhe nass.
Im folgenden möchte ich euch noch folgende Tipps und Ratschläge geben, falls ihr mal auf die Idee kommt eine längere Fahrradtour zu machen.
1. Auch wenn Sommer ist, wird es trotzdem manchmal kalt, man sollte sich also mehr warme Sachen mitnehmen, als eine dünne Sportjacke.
2. Da der Platz dann doch begrenzt ist, sollte man sich überlegen was man mitnimmt. Meine Beweggründe für die lange Jeans, scheinen mir im Nachhinein zumindest überdenkenswert.
3. Gleiches gilt für die Laufschuhe. Wer geht denn bitte nach einer 100 km Fahrradtour noch joggen? (Okay einmal habe ich es gemacht.)
4. Der Besuch eines Adidas Outletstores ist in Anbetracht der Platzproblematik beim Gepäck, doch zumindest kritisch zu sehen.
5. Navigiere nie, ich wiederhole nie, mit dem Handy in der Hand, während du fährst, es sei denn du stehst auf Nahtoderfahrungen.
6. Auch wenn so ein Wespenstich höllisch weh tut, dann solltest du während du gerade mit ordentlich Tempo bergab fährst, deinen gebissenen Arm nicht so durch die Luft schmeißen, dass du dass Gleichgewicht verlierst und vom Weg abkommst.
Falls ich weitere, so nachhaltige und gewinnbringende Tipps erarbeiten kann, werde ich euch sofort informieren und diese mit euch teilen.
Jetzt kann man sich sicherlich fragen: Welcher Idiot kommt auf die Idee, so eine wahnwitzige Tour zu machen? (Bei gewissen Anstiegen, stelle ich mir die gleiche Frage). Darauf gibt es glaube ich ganz viele Antworten. Zum Einen hatte ich schon immer einen recht großen Bewegungsdrang. Und ich möchte eben weiterhin recht sportlich unterwegs sein. Ich möchte sehen, was ich leisten kann. Weiterhin ist es auch ein tolles Training für meine nächste Herausforderung: Triathlon laufen. Zum Anderen spielt auch Kairo hier eine Rolle. In Kairo gibt es kaum eine Möglichkeit, wirklich Natur zu genießen. Und deshalb liebe ich es, den Sommer in der Natur zu verbringen.
Weiterhin ist es eine ziemlich coole Erfahrung. Einerseits weil man mit sich selbst die ganze Zeit auskommen muss und zum anderen, da man jeden Tag eine neue Herausforderung hat. Und das Gefühl, wenn man am Ende eines Tages genau da ist, wo man sein will und sich dann nochmal auf einer Karte anschaut, was man eigentlich geleistet hat, dieses Gefühl, ist eins der schönsten, die es gibt. Zusätzlich ist die Tatsache, dass man nach 5 h Fahrradfahren, essen kann was man will, ein nicht ganz vernachlässigbarer Nebeneffekt.
Morgen geht es dann auf den Großen Arber hoch, also 1452 m über NN. Somit der höchste Punkt meiner Tour, außer ich biege irwann nochmal falsch ab. Also wünscht mir frische Beine. Liebe Grüße und bis bald.