Mal wieder was ganz anderes

Nach geraumer Zeit habe ich mal wieder Zeit gefunden, etwas hier zu schreiben. Da meine Schule sich gerade in Quarantäne befindet, bin ich mal wieder im Home Office. Deshalb möchte ich mal ein kurzes Statusupdate geben und mal wieder etwas anderes thematisieren als mein Leben in Kairo, auch auf die Gefahr hin, dass mich das meine restlichen Leser kosten könnte. Also Bahn frei, Kartoffelbrei…

Wie gesagt unterrichte ich gerade wieder per Videokonferenz Mathe und Physik in der Oberstufe. Der Lehrer in mir ist praktisch am Boden zerstört und permanent am Weinen und Verzweifeln, da diese Form des Unterrichts einfach nur, ich formuliere es an meinem Gute-Laune-Mittwoch mal positiv, Verbesserungspotential aufweist. Der private, nicht arbeitende, Teil meiner Persönlichkeit (ja auch den gibt es) der macht gerade Luftsprünge über die gewonnene Freizeit und den geringeren Arbeitsaufwand. Auch wenn dies vermutlich ein Großteil meiner Kollegen nicht glauben wird, aber e-learning stellt für mich eine geringere Arbeitsentlastung dar. Deshalb konnte ich durch die gewonnene Zeit endlich mal wieder lesen oder an dem hier schreiben. 

Ansonsten gibt es zur Zeit nicht viel zu erzählen, in Anbetracht der Tatsache der globalen Pandemie versuche ich, die Zahl meiner Kontakte so gering wie möglich zu halten. Auch wenn das nicht immer leicht ist. Deshalb konzentriere ich mich aktuell auf mein Lauftraining und den kommenden Halbmarathon übernächstes Wochenende in El Gouna, auf welchen ich mich schon riesig freue. 

Wie ich bereits oben erwähnt habe, stellt mich der Umgang mit e-learning vor keine großen Probleme, auch wenn ich jeden Tag noch neue Kniffe und Tricks lerne, bin ich doch recht sicher im Umgang mit den neuen Medien. Das mag vermutlich darin liegen, dass ich bereits frühzeitig Kontakt mit Computer und Co. hatte und zum anderen das ich schon immer ein Faible für technische Dinge hatte. Manchmal hat es dann doch Vorteile noch nicht ganz so alt zu sein ;). Jedoch geht es Menschen nicht so. Gerade wenn ich schaue, wie traumatisiert und verzweifelt die meisten anderen Lehrer sind, einfach weil sie keine geeignete Ausbildung in den modernen Medien erhalten haben. Es wird jetzt von Menschen, die einen Großteil ihres Lebens keinen Computer benutzt haben, erwartet, dass sie innerhalb eines halben Jahres auf einmal einen Computer beherrschen und dann noch bestmöglichen digitalen Unterricht halten sollen. Ich frage mich, wie soll das gehen? Wenn ich mich recht entsinne, konnte ich nach einem halben Jahr am Computer mit Windows 98 gerade mal so Fehlerfrei Minesweeper öffnen – ob das nun an Windows oder mir lag, da sei mal dahingestellt. 

Ich möchte diese Problematik aber gern ausweiten. Ich denke, nicht nur wir Lehrer haben noch viel Nachholbedarf im Umgang mit den modernen Medien – sondern die gesamte menschliche Gesellschaft. Ich meine, wenn wir uns mal die letzten Wochen und Monate anschauen, was so in den sozialen Netzwerken passiert ist, dann macht mir das ehrlich gesagt Angst. Das Internet wird doch immer mehr von Menschen genutzt, um persönliche Kriege zu führen und egoistische Ziele zu verfolgen. Sei es weil man nicht mit den Entscheidungen einer Regierung einverstanden ist oder im Beispiel von Donald Trump – dass man alles möglich erfindet, nur damit man weiter Präsident bleiben kann. Und durch das Medium Internet wird solchen Menschen ein Bühne geboten, ohne das es dafür besondere Regeln gibt. Und da sind die von mir genannten Beispiel ja mit Sicherheit noch die harmloseren. Es ist ja mittlerweile klar, dass Terrororganisationen wie IS oder demokratiefeindliche Organisationen gerade durch ihre Arbeit im Internet immer wieder neue Mitglieder gewinnen. Ich möchte dass nochmal deutlich machen, es geht mir nicht darum die Meinungsfreiheit einzuschränken, diese muss auch im Internet gegeben sein. Jedoch muss man aufpassen, dass sich das sich das Internet nicht zu etwas entwickelt, dass Dingen eine Bühne bietet, die man so in realen Welt auch nicht sagen dürfte. Und in meinen Augen haben wir diese Schwelle bereits überschritten, wenn Menschen im Internet Krankheit oder Tod gewünscht wird. 

Und das Internet macht es den Populisten durch seinen Art doch auch sehr einfach. Jeder kann eine Internetseite erstellen und darauf alles schreiben, was er möchte. Hat man dazu noch einen möglichen Experten, im besten Fall einen Doktor oder Professur, ganz egal welches Fachgebiet, dann wirkt die Internetseite gleich ganz glaubwürdig. Denn sind wir mal ganz ehrlich, wer von uns hinterfragt etwas im Internet, wenn es so in etwa zu unserem Weltbild passt? Wer von euch macht sich die Mühe vielleicht nicht nur eine Seite zu lesen, sondern möglichst verschiedene? Ich bin ehrlich, ich mache es häufig nicht. Meistens schaue ich noch nich mal ob es verlässliche und wissenschaftliche Quellen dazu gibt. Auch wenn ich genau weiß, dass ich es sollte. Jedoch, räume ich mir ein, dass ich mittlerweile, durch meine Erfahrung mit dem Medium Internet, einschätzen kann, was Quatsch ist und was nicht. 

Aber vermutlich, bin ich nicht der einzige, der so von sich denkt, Das bin ich mir durchaus bewusst, aber genau da sehe ich das Problem. Ich glaube den meisten Menschen fehlt die notwendige Kompetenz im Umgang mit dem Internet. Und da Suchmaschinen und soziale Medien ja so funktionieren, dass sie uns nur das zeigen, was uns auf dieser Plattform hält, bauen wir uns eine Internetblase auf, die wir dann für die Realität halten. Das geht dann dabei los, dass Menschen denken, dass unter Nutella keine Butter gehört oder das Coca Cola besser schmeckt als Pepsi. Aber das kann dann auch soweit gehen, dass versucht wird Demokratien zu zerstören, legitime Wahlen zu sabotieren oder Menschen anderer Herkunft oder Aussehens im Internet zu beleidigen. Und leider Gottes ist es ja mittlerweile so, dass sowas nicht nur im Internet bleibt – auch wenn das ja schon schlimm genug wäre – sondern sich dann meistens in Gewalt und Terror in der realen Welt äußert. 

Wenn wir mal schauen, weshalb wir das Internet geschaffen haben, ist der Grund doch recht einfach. Es ging darum schnell Informationen auszutauschen, am Anfang mit dem Fokus bei Wissenschaftlern, später dann einen Großteil der Menschheit. Das Ziel war also Menschen, auch wenn sie räumlich getrennt sind, näher zu bringen. Also die Menschen zu vereinen. Wenn wir jetzt mal einen skeptischen Blick auf die heutige Situation werfen, dann wird doch deutlich, dass wir gerade genau das Gegenteil machen. Statt Menschen miteinander zu verbinden, trennen wir Nationen, Freunde oder Familien. Einfach weil durch die Internetblase, wir alle in unserer eigenen Realität leben und zusätzlich noch die häufige Zeit auf den sozialen Medien es verlernt haben miteinander zu reden und sinnvoll zu diskutieren. 

Ich persönlich glaube, dass wir Menschen noch nicht bereit sind für das Internet. Wir schaffen es ja schon in der Realität nicht, Frieden zu halten, wie sollen wir das in einer absolut unpersönlichen Welt wie der der sozialen Medien schaffen? In meinen Augen sollten wir alle versuchen, dass Internet wieder mehr dazu zu nutzen, wozu es mal gedacht war. Weiterhin sollten wir in der Ausbildung junger Menschen viel mehr Wert auf digitale Bildung legen und den Umgang mit dem Internet. Denn das Internet wird bleiben. Vielleicht wird es ja auch uns Menschen überleben, denn die Zahl der Bots im Internet ist ja exponentiell steigend (Achtung: das ist eine Hyperbel, welche ich nicht mit einer Quelle belegen kann). 

So dass soll es vorerst mit den schweren Stoff sein 😉 Da ich gerade wieder gelesen habe, dass sich ein Blog durch die Interaktion zwischen Leser und Schreiber auszeichnet, dürft ihr gern eure Meinung dazu sagen 🙂 Und wenn sie nicht meiner Meinung entspricht, dann finde ich euch und klebe euren Briefkasten zu 😀 

Beim nächsten Mal gewähre ich einen kleinen Einblick in das Unterrichten als Lehrer im e-learning dann wird es sicherlich wieder ein wenig lustiger und entspannter. Bis dahin. 

2 Kommentare zu „Mal wieder was ganz anderes

  1. Ich stimme Ihnen zu lieber Autor. Ein kleiner Hinweis. Sie brauchen nicht in Klammern schreiben „Achtung: das ist eine Hyperbel, welche ich nicht mit einer Quelle belegen kann“, jeder weiß dass dies kein wissenschaftlicher Text ist.Man glaubt ja nicht alleswas im Netz steht😉

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    1. Doch ich denke auch wenn es kein wissenschaftlicher Aufsatz ist, sollte man klar machen, wenn es sich um ein stilistisches Mittel handelt, welches nur mein Argument unterstützen sollte, oder ob das Behauptete auch wirklich der Realität entspricht.

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