Das Strickmassaker

Eigentlich sollte an dieser Stelle der Laufbericht von den letzten beiden Halbmarathons veröffentlicht werden. Dieser ist auch schon in Arbeit und erscheint demnächst (für die Fans dieser Kategorie). Aber besondere Umstände, erfordern besondere Maßnahmen, darum muss dieser Beitrag eingeschoben werden. Ich wünsche euch genauso viel Spaß beim Lesen, wie ich ihn hatte, beim Schreiben. 

Bevor ich anfange, sind die folgenden Punkte wichtig: 

  1. Ich respektiere die Polizei und andere Autoritäten. Auch hier in Ägypten. 
  2. Laut dem europäischen Luftfahrgesetz sind Stricknadeln in Flugzeugen erlaubt. 
  3. Es gab, laut meinen Recherchen, erst einen dokumentierten Mord mit Strecknadeln. Eine 84-jährige hat ihren 89-jährigen Mann damit erstochen. 
  4. Ja, ich bin ein stolzer Stricker. 

So wer nach diesen 4 Punkten nicht wissen will wie es weiter geht, der sollte echt an seiner Neugier arbeiten. Also freut euch auf meinen, rückblickend betrachtet, lustigsten Check-In aller Zeiten. 

Am Wochenende war ich in Gouna zum Halbmarathon, aus verschiedensten Gründen musste ich leider das Flugzeug nehmen (aber ich kompensiere das CO2). Da ich aktuell wieder an meinen Loop arbeite, den ich zu Weihnachten fertig haben möchte. Darum dachte ich mir, ich nehme meine Nadeln mit, vielleicht habe ich ja Lust nach dem Halbmarathon zu stricken. Hinzu ging alles ohne Probleme klar. Doch beim Rückflug ging es dann los. Nach dem ersten Scan hat der Security Typ meine Tasche auseinander genommen. Und hat dann nach langen suchen, die Nadeln in der Hand. Daraufhin bekam ich einen entsetzten und vorwurfsvollen Blick mit dem Verweis, dass das hier nicht erlaubt sei. Also erklärte ich ihm gut gelaunt, dass diese Nadeln für Stricken sind. Ich glaube, das war aussichtslos, da er nicht mal wusste, was stricken ist. Er meinte nur, das muss weg. Das kam aber nicht in Frage. Kurz gesagt, ich habe einen kleinen Streit begonnen. Nach 10 min diskutieren mit 5 verschiedenen Security Mitarbeitern, wurde ich dann zum Terminalchef gebracht und durfte dort nochmal meine Sicht der Dinge erklären, inklusive einer kleinen Kostprobe meiner Künste. Aber es half alles nichts. 

Das besondere und das ist wirklich das Beste an der ganzen Sache, der Fluglinienmitarbeiter meinte es ist okay. Jedoch meinte die örtliche Polizei nein, das geht nicht. Also ins Flugzeug wäre okay, aber am Flughafen: zu gefährlich der Spaß. Da stellt sich die folgende Frage: Was zur Hölle ist passiert, dass die ägyptische Polizei Angst vor Stricknadeln hat? Hatten sie schon mal Probleme mit dem bekannten Strickterristen Osama Strickladen? Und dann, warum nur in Hurghada und Sharm el Sheikh? Was macht diese Städte so besonders anfällig für böse Stricker? Gab es schon mal Strickstreike der Stewardessen? Waren die Flughafenmitarbeiter in dubiose Machenschaften verstrickt? (Geniales Wortspiel, btw 😀 )

Aber Spaß beiseite, was sollte passieren? Das ich ein Mitglied der Strickkaida bin? Oder der Strickliban? Oder gar noch schlimmer des IKK (International-Knitting-Klan)? Und hier mein Strickattentat durchführe? Und mal im Handumdrehen in knappen 36 h das Terminal einstricke und alle als Geiseln halte? Oder das ich nen klassischen Strickmok laufe? Es stellen sich einfach sehr viele Fragen. Viele davon bleiben offen, da ich ja mein Bekennungsstrickmuster nicht veröffentlichen konnte. Eventuell muss mal ein geeigneter Stricktiv ermitteln? Vielleicht Stricklock Holmes? 

Okay ich höre auf. Wer noch ein gutes Wortspiel hat, immer her damit. Aber bitte verstrickt euch nicht in unnötige Details. Zum Abschluss lasst euch bitte auf folgende Gedankenreise ein (ich würde ja sagen, schließt die Augen, aber dann klappt das mit dem Lesen nicht mehr): 

Ihr seid im Urlaub am Roten Meer und der Urlaub war traumhaft. Schönstes Wetter, nen richtig guten Sonnenbrand geholt und jetzt geht es in den Flieger nach Hause. Ihr kommt vollkommen relaxt an den Flughafen. Ihr kommt durch den ersten Check. Und dann seht ihr es. Ein erwachsener Mann ungefähr 1,90 m, 85 kg und Glatze. Entweder Mitglied der russischen Mafia oder alternativ Vorsitzender der Partei der dritte Weg. Also um es kurz zu machen, der Inbegriff eines Mannes. Dieser herkulesähnliche Typ streitet sich lautstark mit den Sicherheitsmitarbeitern am Flughafen. Ihr seid gespannt, worum es geht. Und auch ein wenig ängstlich. So einem Typen ist alles zuzutrauen. Als ihr näher kommt, seht ihr, es geht um Stricknadeln, die in einem blauen Stück stecken. Und dann haut dieser Strickmafiosi lautstark Dinge raus wie: „These are my fucking knitting needles. Nothing else“ oder „Don’t touch my needles. I worked on this shit for about 50 hours and you aren’t gonna destroy it“ 

Ich frage mich wirklich, was andere Personen in diesem Moment gedacht haben. Haben Sie gedacht: „Mensch, der Typ nimmt das Stricken echt ernst. Ich würde auch gern etwas haben, was mir so viel bedeutet. Vielleicht sollte ich auch mit  dem Stricken anfangen“ oder war es eher so dieser absolute Fremdschammoment? Ich bin felsenfest der Überzeugung, es muss Ersteres sein! 

#fightforyourneedles

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