Hi. Diesmal wieder im Wochenrythmus. Auch wenn dies der Klickzahlen meiner Beiträge anscheinend eher hinderlich ist. Ich habe heute mal geschaut, die Anzahl der LeserInnen hat dann im Laufe der 4 Jahre doch schon stark abgenommen. Der Hauptgrund dafür sollte darin liegen, dass ich eben keine Werbung mehr auf Social Media mache. Also hoffe ich. Die andere Erklärung wäre, dass der Blog langweilig ist und das wäre unschön. Aber vielleicht gewinnt dieser Eintrag wieder LeserInnen zurück.
Diesmal gibt es wie versprochen ein erstes Fazit zu meiner Zeit in Kairo. Da ich versuchen möchte die Zeit hier aus verschiedenen Perspektiven zu reflektieren, wird es immer mal wieder sowas geben. Bei der ersten Reflexion soll es dabei um meine berufliche Identität gehen. Also inwiefern ich mich in den 4 Jahren beruflich weiterentwickelt habe und wie ich aktuell zu meinem Beruf stehe. Ich erinnere mich noch an einem Beitrag, auch wenn ich diesen nicht mehr finde, bei dem ich über mein damaliges Lehrenderdasein geschwärmt habe. Aktuell haben sich meine Gefühle und Gedanken dazu etwas verändert, glaube ich.
Also erstmal rein von der Arbeit als Lehrender muss ich sagen, habe ich mich schon deutlich weiterentwickelt. Allein was die Produktivität und das Zeitmanagement angeht, habe ich mich schon unfassbar verbessert. Im Vergleich zum ersten Jahr, indem ich gefühlt jede Nacht bis 23 Uhr da saß und mir Gedanken um Unterrichtsstunden und Vorbereitungen gemacht habe, habe ich nun fast akzeptable Arbeitszeiten. Immer noch arbeite ich eigentlich mehr als ich sollte, aber das ist den eigenen Ehrgeiz und Idealismus geschuldet. Andere nennen es Dummheit, Naivität und die nichtvorhandene Fähigkeit Nein sagen zu können. Aber das habe ich mittlerweile eigentlich ganz gut raus. Außer bei Dingen, die ich cool finde. Und leider finde ich einige Dinge cool. Aber prinzipiell habe ich den Eindruck, dass ich recht gut organisiert bin. Es stapeln sich kaum noch Korrekturen und ich kann einige zusätzliche Aufgaben übernehmen, welche erstaunlicherweise den meisten Spaß machen.
Nach vier Jahren entwickelt man dann auch langsam so eine Art Persönlichkeit als Lehrender, also zumindestens behaupte ich das jetzt mal so. Also eine Antwort auf die jahrelange Frage im Studium wie man dann mal als Lehrender ist. Ich glaube, ich bin ganz zufrieden mit der Antwort. Ich würde mich schon als einen schülernahen Lehrender bezeichnen, der sehr viel Spaß versteht und zumindestens versucht interessanten Unterricht zu gestalten. Auch wenn das vielleicht nicht immer klappt. (Aber ich kann auch nichts dafür, dass im Lehrplan fucking Polynomdivision steht). Meine Stärken sehe ich eindeutig darin strukturierten Unterricht zu planen und auch in der Fähigkeit, die Probleme der SchülerInnen zu erkennen und für die meisten SchülerInnen die passende Erklärung zu liefern. Wo ich mich noch verbessern möchte, ist meine Kommunikation, verbal und nonverbal. Hier sehe ich noch gewisses Verbesserungspotential. Zusammenfassend glaube ich, dass ich die Fähigkeiten besitze um irwann mal in Zukunft ein guter Lehrender zu sein. Aktuell sehe ich mich da noch nicht.
Was mich mittlerweile überrascht, ist die Tatsache, dass ich das worüber ich mich bei den meisten LehrerInnen lustig mache, selbst bei mir entdecke. Das Helfersyndrom. Auch wenn jetzt einige KollegInnen lachen werden (MIAU!). Ich habe es wirklich. In vielerlei Perspektiven. Manchmal ärgere ich mich echt darüber, weil es gepaart mit dem Nicht-Nein-Sagen zu Mehrarbeit führt. Wirklich, Worst-Combo-Ever. Ähnlich wie früher bei Yu-Gi-Oh, wenn dein Gegner den Babydrachen und die Zeituhr hatte. Beides an sich nicht so schlimm. Aber zusammen: Bad Time Baby. Aber es macht auch unfassbar viel Spaß gewisse Dinge zu machen, einfach weil man das Gefühl hat, es ist das Richtige.
Soooo bleibt eine Frage übrig: Will ich weiter Lehrender sein. Diese Frage beantworte ich mit einem entschiedenen Jaein. Keine Ahnung. Vielleicht. Aktuell fühlt es sich ein wenig wie damals bei Fußball an. Da wollte ich auch mal herausfinden, was für mich möglich ist, also trotz der x-Beine und meine angeborenen Beweungsästhetik. Nachdem ich dies herausgefunden hatte, ist meine Motivation deutlich gesunken. Nachdem ich nun weiß, dass ich als Lehrender zumindest nicht als untauglich einzustufen bin und gewisses Potential aufweise: so wie ein gewisser Carlos Tevez bei Fußball Manager 2004. Immer ein guter Transfer gewesen. An sich bin ich mir aber unsicher, ob die Demotivation aktuell, vielleicht der Tatsache der endenden Zeit hier geschuldet ist. Darum mal schauen. Eventuell sind eure Kinder ja doch sicher vor mir.
Bevor ich diesen Beitrag beende, möchte ich noch mein Best-of aus dieser Woche präsentieren. Ich durfte diese Woche in das Freundschaftsbuch einer Schülerin aus der 12 meinen Eintrag machen. Ihr kennt ja noch diese Bücher aus der Grundschule, wo man 2 Seiten hat um sich selbst zu beschreiben. Ja genau das. Ich fand die Idee wahnsinnig witzig und im Vergleich zu vielen anderen Ideen der 12er auch mal wirklich gut. Noch viel schöner fand ich, dass ich selbst da was eintragen durfte. Und das Schreiben des Eintrages war auch voll cool. Mal wieder darüber nachgedacht, was nun eigentlich meine Lieblingsfarbe ist oder was ich mal werden möchte. Sowas sollte man viel öfter. Als nochmal lieben Dank an die Schülerin.
So, ich glaube da dieser Eintrag wieder viel zu lang und langweilig war, werde ich es sicherlich nicht geschafft haben, mehr LeserInnen für meinen Blog zu begeistern. Aber was soll es. Ich werde mich sicherlich demnächst wieder melden. Dann sollte ich dieses Jahr bereits die Anzahl der Beiträge überschreiten, die ich letztes Jahr hatte. Also bis dahin.