Und schon wieder melde ich mich. Ich glaube, Sägezahnverlauf trifft es ganz gut. Der Eintrag heute ist thematisch eng mit dem von gestern verbunden. Also im Prinzip der zweite Teil der Erzählung von gestern. Dieses Mal soll es aber nicht nur um die Beschreibung der Tätigkeiten gehen, sondern mehr um die Interpretation meiner Innenwelt. Also ein fetter Sprung von AFB l zu AFB lll. Mal schauen ob das gelingt.
Die im Raum stehende Frage ist ja, wie geht es mir damit, dass ich mich entschieden habe, dieses Kapitel freiwillig zu beenden. Da egal was die Zukunft bringen wird oder eben nicht, dieser Abschnitt ist nun ab heute dann wirklich vorbei, auch wenn er mir noch bis August bezahlt wird. Die Antwort auf diese Frage erinnert mich an meinen Russischunterricht ab Klasse 9. Denn die Antwort darauf ist ein entschiedenes: Ich weiß es nicht. Es gibt und gab Momente, da überwiegt die Vorfreude auf die nächsten Wochen beziehungsweise das nächste Jahr. Es gibt Momente da überwiegt die Wehmut darüber, dass ich ja dann doch iwie etwas zurücklasse. Das spannende ist, diese Momente können sich abwechseln und aufeinanderfolgen ohne das ich Einfluss darauf habe. Es ist wie mit einer ägyptischen Klasse: Klar kann man sich einreden, dass man alles unter Kontrolle hat, aber am Ende endet doch alles im Chaos. Ich habe versucht, meine Gefühlslage mit passenden Analogien für euch zu beschreiben: Ich fühle mich, wie bei Fußball Manager, wenn man einen Spieler für viel Geld verkauft und nicht weiß ob man sich über das Geld freuen soll oder traurig sein muss, den Spieler nicht mehr zu haben. Oder wie beim Fußball, wenn man einen Gegner weggeflext hat und nicht wusste, ob man sicher darüber freuen soll oder über die resultierende gelbe Karte ärgern sollte. Oder wenn man als Kind ziemlich coolen Blödsinn gemacht hat, aber gleichzeitig wusste, wenn das Mama herausfindet, dann gibt es Ärger. Ich hoffe, diese blumigen Sprachbilder (Ich alter Deutschlehrer) helfen euch ein wenig meine Lage zu verstehen.
Offen bleibt die Frage, ob ich die Entscheidung anders treffen würde. Und hier kann ich mit einem klaren Nein antworten. Ich bin überzeugt, egal was ich alles vermissen werde, dass dies genau der richtige Zeitpunkt ist, zu gehen. Warum ich das denke ist schwierig zu sagen. Aber ich habe immer gesagt, dass ich gehen will, wenn die Ableitung meiner Wohlfühlfunktion, einen Vorzeichenwechsel von Plus zu Minus macht. Und genau jetzt habe ich den Eindruck, dass dies der Fall ist. Das ist etwas, was die Situation deutlich einfacher macht. Da ich Veränderungen und Neuanfänge für was essentielles im Leben halte, gibt es natürlich auch Phasen der Verabschiedung. Diese muss man nicht unbedingt lieben, aber sie gehören eben dazu. Auch wenn sie sich eher anfühlen, wie das Durchführen einer Fourier-Transformation: sehr zäh.
Gerade jetzt im Moment oder besser wie es mir seit gestern Abend geht, als ich zu Hause war, kann ich echt nicht beschreiben. Ich glaube, um das alles zu verstehen, brauche ich noch ein wenig Zeit und Abstand von der Situation. Ich bin ja ein Krebs und zusätzlich ein Naturwissenschaftler. Da brauche ich erstmal Zeit um das ganze zu untersuchen.
Zum Schluss noch ein kleine Anekdote vom Flughafen: Ich glaube, ich habe zum Ende der Zeit hier nochmal meine Ägyptisch-Prüfung gehabt und diese mit Bravour bestanden. Am Schalter war schnell klar, für alle Beteiligten, dass 3 Gepäckstücke mehr als 2 sind und ich was extra zahlen muss. Leider war dann der Mann vom Schalter auch skeptisch was das Gewicht des: ich-werfe-alles-schwere-da-rein-Koffers anging und meinte dann, es sei schwerer als das zulässige Übergewicht. Ich hatte erwartet, dass die 35 kg kein Problem darstellen. Auf alle Fälle meinte er, ich solle nun bitte 5 kg umpacken. Da habe ich angefangen zu diskutieren, dass das nicht passieren wird, weil ich keinen Platz habe und das ja mein Umzug nach Deutschland ist. Und was soll ich denn machen? Nach 5 min und 3 weiteren Personen, die sich am Gespräch beteiligten, wurde einfach statt 36 kg 32 kg draufgeschrieben und alles war okay. Aber ich will mich nicht zu früh freuen. Nur weil ich 1:0 in Führung gegangen bin, bedeutet das noch lange nicht, dass ich am Ende tatsächlich als Sieger das Feld verlasse, da wie ein deutsches Sprichwort bekanntlich sagt: am Ende kackt die Ente.
Das soll es dann gewesen sein. Ich denke, ich werde mich das nächste mal aus Deutschland melden und berichten wie die Integration so von statten geht. Also bis dahin.