Hey ho, wie jedes Mal viel zu spät, schreibe ich mal wieder was für diesen Blog. Der Aktivitätsverlauf von mir ähnelt eindeutig einer Sinuskurve. Oder vielleicht eher einer Sägezahnkurve, da die Phasen hoher Aktivität deutlich kürzer sind, als die Phasen der Inaktivität. Heute möchte euch ein wenig an den letzten Wochen in Kairo teilhaben lassen. Viel Spaß damit. Oder vielleicht wird es melancholisch, dann viel Trauer damit.
Das letzte Mal hatte ich noch aus Dahab, in den Osterferien geschrieben. Gefühlt ist dies für mich schon sooooo lange her, da in der Zwischenzeit so viel passiert. Der erste große Punkt waren die mündlichen Abiturprüfungen. Diese waren ja nun meine ersten mündlichen Prüfungen, die tatsächlich stattgefunden haben. Die Besonderheit diesmal, große Teile des Prüfungsplanes sind meine Arbeit gewesen. Demzufolge war mein Stresspegel, dann doch recht hoch, gerade als wir 3 Tage vor den mündlichen Prüfungen 4 Prüfungen zu viel eingeplant hatten. Aber der Fehler war zum Glück schnell gefunden. Die Prüfungen liefen wirklich wie am Schnürchen. Natürlich stand dann auch die erste mündliche Prüfung als Prüfer auf dem Programm. Diese hatte ich mit einer Schülerin, die ich seit der 10. Klasse kannte. Damals hatte mich eben diese Schülerin, mit den Worten: „Ich hasse Physik. Ich werde Physik abwählen“ begrüßt. Glücklicherweise hatte sie das nicht gemacht und machte am Ende tatsächlich noch bei mir Prüfung und das obwohl diese 3 Jahre aus viele Meckereien bestanden, nicht wahr Meckerliese Nummer 1?!
Und weil ich einmal im Flow war, durfte ich dann noch eine zusätzliche Prüfung in Mathe machen. Was dann sehr viel Spaß gemacht hat. Ich freue mich schon auf eventuell kommende Prüfungen. Neben den mündlichen Prüfungen haben für mich die Planungen für die Klassenfahrt begonnen. Und nachdem ich mich bei meiner Klasse äußerst unbeliebt gemacht habe, mit den Entscheidungen: nicht fliegen zu wollen und keine Busfahrt über 4 Stunden machen zu wollen, konnten wir uns dann doch auf ein, in meinen Augen vielversprechendes Ziel einigen: Ras Sedr. War ich noch nicht, schien aber ziemlich cool. Ich fand dann über einen Megazufall die Nummer eines Menschen heraus, der Klassenfahrten nach Ras Sedr organisiert, so dass die Planung sich dann relativ leicht ergab. Also voller Vorfreude noch ein paar Tage am roten Meer gemeinsam mit meiner Klasse verbringen zu können, konnte ich so manche nervige Stunden überstehen. Jedoch sollte es anders kommen. Am Wochenende vor der Fahrt wurden auf einmal mehrere Schüler krank und wurden positiv getestet. Nachdem dann alle getestet wurden, waren nur noch 13 SchülerInnen für die Fahrt gesund. Darum wurde leider alles abgesagt. Ich glaube, für die SchülerInnen war dies noch viel schlimmer als für mich. Aber anscheinend habe ich bisher kein Händchen für Klassenfahrten. Von 3 Klassenfahrten, die ich bisher planen durfte, hat am Ende nur eine stattgefunden. Etwas, an dem ich in meiner Lehrerlaufbahn eindeutig noch arbeiten kann.
Natürlich musste ich auch anfangen meinen Umzug vorzubereiten. Dies war ein Prozess der sich über Wochen hinzog. Dabei stellt sich erstmal die Frage, was will man alles mitnehmen und was lässt man hinter sich. Diese Frage ist echt nicht leicht zu beantworten. Ich habe mir aber als Regel gesagt: Ich reise mit meinem Rucksack und zwei zusätzlichen Koffern und Handgepäck. Ebenfalls wollte ich die Gewichtsgrenze einhalten. Was sich als ein äußerst ambitioniertes Ziel herausstellte. Also habe ich im Laufe der letzten Wochen begonnen meine Wohnung auszuräumen. Dabei ist es immer wieder erstaunlich wie viel Kram man so sammelt über die Jahre. Dieses Aussortieren war ein sehr angenehmer Prozess. Es hat echt Spaß gemacht. Außer bei ein was: Büchern. Da war es weniger schön. Bei allem anderen konnte ich mich ganz leicht trennen. Dieses aussortieren ging dann beim Kleiderschrank weiter. Und ich habe festgestellt, dass ich 85% meiner Klamotten überhaupt nicht trage. Deshalb habe ich diese einfach konsequent aussortiert und später gespendet. Auch hier war der Prozess des Loswerden relativ einfach. Jedoch musste ich mich gestern dann doch geschlagen geben. Also es gab kein Platzproblem, aber ein nicht lösbares Gewichtsproblem. So das ich morgen mit einem viel zu schweren Koffer zurückreisen werde. Aber das bildet einen schönen Rahmen. Denn bereits bei der ersten Reise nach Ägypten war ich viel zu schwer unterwegs.
Im Laufe der Zeit habe ich dann ja einige Möbel in die Wohnung gestellt. Diese wollte ich dann noch so gut es geht loswerden. Einige davon konnte ich Kollegen andrehen, andere nicht. Diese übernimmt nun mein Vermieter, was ich nicht schlimm finde. Aber unter anderem habe ich meinen schönen 65 Zoll TV einen Kollegen vermacht. Einen Kollegen ohne Auto. So wie ich. Nachdem wir das Gerät dann einfach das erste Mal auf gut Glück nach unten getragen haben um dann festzustellen, dass wir es ja nicht in ein Uber bekommen können, mussten wir uns Gedanken machen wie wir den Transport sonst gestalten. Nach verschiedenen Ideen hat uns dann eine Kollegin ihr Auto für einen Tag überlassen. Was natürlich bedeutete: Wir müssen das Auto fahren. Und nach knapp 4 Jahren beobachten des „Systems“ Kairoer Verkehr, fühlte ich mich bereit. Wer mich kennt, weiß was für ein ausgefeilter und kompetenter Autofahrer ich bin. Und ich meine, nur ein kleiner Personenschaden, spricht ja wohl auch für sich. Also stand am letzten Tag in Kairo nochmal, ein erstes Mal an. Was kann es besseres geben? Natürlich war ich tipp topp vorbereitet. Die Frage nach Sandalen oder Adiletten beantwortete ich sicher mit Adiletten, die hatten weniger Fußspiel. Und wenig Spiel ist gut beim Autofahren, habe ich gehört. Nach kleinen Startschwierigkeiten (Wo ist denn der Rückwärtsgang und wie geht er rein?) Lief das Projekt problemlos. Gut, die zu fahrenden Strecken waren recht kurz, aber es hat deutlich mehr Spaß gemacht als erwartet. Wenn man einmal dieses „System“ versteht, dann kann man es schnell für sich ausnutzen. Auch die Tatsache, dass die Hupe wirklich notwendig ist, macht es iwie lustig. Und am Ende bleibt festzuhalten: keine Schäden am Auto, nur einmal beleidigend angehupt wurden und nur einmal fast jemanden angefahren (war aber absolut nicht meine Schuld).
Okay dieser Eintrag ist schon wieder viel zu viel. Darum mache ich einfach morgen am Flughafen mit dem nächsten Eintrag weiter. Dieser wird dann vermutlich eher die emotionale Sicht beleuchten. Besorgt euch demzufolge schon mal ein paar Taschentücher. Also bis morgen. Oder übermorgen. Oder eben bis nächstes Jahr oder so.