Kili Tag 2: Bakari, Meru und ich

Start: Mkubwa Camp 2650 Höhenmeter

Ziel: Shira ll 3850 Höhenmeter 

Zurückgelegte Höhenmeter laut Uhr:1280 m

Angegebene Distanz: 17 km 

Tatsächliche Distanz: 16,1 km

Angegebene Zeit: 8 Stunden 30 min

Benötigte Zeit: 6 Stunden 10 min

Tag 2 ist geschafft. Somit auch die erste Nacht im Zelt. Da ich ja öfters im Sommer campen bin, ist mein Körper sowas ja eigentlich gewöhnt. Und ich muss sagen, ich hatte den Umständen entsprechend eine gute Nacht, selbst meine Uhr bescheinigte mir einen guten Schlaf. Viel besser als die Nacht davor, da war ich ja auch furchtbar aufgeregt. Nach einem tollen Frühstück mit Pancakes, Omelett, Toast und Haferflocken ging es gestärkt los. Um 7.15 Uhr haben wir das Camp verlassen. Früher als die Gruppe des anderen Deutschen und es stand ein langer Tag an. Ausgeschriebene 17 km mit 1200 Höhenmetern waren zu bewältigen um auf eine Höhe von 3850 m zu gelangen ins Shiracamp ll. 

Also gingen wir fröhlich los. Ich wusste dass der erste Abschnitt des Tages, welcher 8 km ins Shiracamp l war, der steilste des Tages war. Und es war steil. Wir waren immer noch im Regenwald und bahnten unseren Weg dadurch. Das Wetter war bombastisch, von wegen Regensaison. Der Start lief problemlos und war für mich gut zu bewältigen. Und das tolle an der Zeit in der Nebensaison, es ist wirklich niemand dort. Man läuft mit dem Guide praktisch allein durch eine faszinierende Landschaft und wird nur gelegentlich von den eigenen Portern überholt. Mein Guide heißt übrigens, sehr zur Überraschung nicht Gerhardt. Wer hätte es gedacht? Sein Name ist Bakari. Er ist seit 10 Jahren Tourguide. Hat eine Familie mit 3 Kindern. Und er mag die Lemosho und Machame Route am meisten. Bevor er Guide wurde, dazu muss man nämlich in eine spezielle Schule gehen, hat er schon zwei Jahre als Porter am Kili gearbeitet. Im Normalfall ist er 2 bis 3 mal pro Monat am Kilimanjaro, wenn Saison ist. Jetzt im November bin ich sein einziger Gast. An sich ist Bakari ein recht ruhiger Geselle, aber ich glaube, das liegt auch daran, dass er sich nicht so sicher im englischen fühlt. Aber er wirkt sehr kompetent und ich vertraue ihm gern mein Leben an. 

Auf dem Weg nach oben hatten wir immer mal wieder eine gute Sicht auf die Umgebung, da keine Wolken waren. Und nach einem recht steilen Aufstieg hatten wir dann einen wunderschönen Blick auf den kleinen Bruder des Kili: Mount Meru. Und ich benutze das Wort Bruder ganz bewusst. Dem alten tanzianischen Glauben zu Folge gab es ein Bruderpaar als Gottheit, deren Namen Siril und Aldina. Um diese beiden Götter um einen Gefallen zu bitten musste man jeweils ein Gebet auf der Spitze des Meru und des Kili machen. Diesen beiden stellten also die irdische Verbindung zum göttlichen Bruderpaar dar und waren somit auch als Brüder angesehen. Dabei stellt der Meru den kleineren Bruder mit seinen 4566 m dar. Ob das wirklich als klein zu beziffern ist, weiß ich nicht. Ich meine, das ist relativ nah dran an der Höhe des Mount Blanc, was immerhin der höchste Punkt Europas ist. Aber sein Anblick war sehr cool.

Blick auf Mount Meru

Nach einer Weile haben wir dann den Wald verlassen und kamen in eine Moorlandschaft, zumindest den Schildern nach. Dabei änderte sich die Wetterlage auch drastisch, war am Anfang keine einzige Wolke zu sehen, entwickelte sich innerhalb von einer halben Stunde aus einer kleinen Schäfchenwolke, eine Wolkenherde aus Büffeln. Wie auch immer aus einem kleinen Lämmchen eine Herde aus Büffel werden soll. Und mit einmal war der gesamte Himmel bedeckt. Bakari meinte vorher noch das wir wenn wir Glück haben, einen Blick auf den Blick des Gipfels bekommen. Aber ich kleiner Sonnenschein oder Glücksbärchi hatte natürlich wie immer das Glück der Doofen und unmittelbar bevor wir um die Ecke gebogen sind, riss die Wolkendecke ein wenig auf. Und ich konnte die Spitze oder besser das Gipfelplateau sehen. Unfassbar nah und doch so weit entfernt, immerhin war ich noch 2500 Höhenmeter unterhalb des Uhurupeak. Aber es war unglaublich schön. Den ersten Moment, bei dem die Sicht auch noch am besten war, habe ich keine Fotos gemacht und habe es nur genossen. Auf den Bildern hatte es sich dann schon wieder ein wenig zugezogen. Wisst ihr woran mich der Gipfel mit seiner weißen Spitze erinnert hatte? An diese Milka Mountain Schokolade die es mal vor ein paar Jahren gab, aber irwie nicht mehr. Ich habe die immer geliebt. Vielleicht kommt daher meine Zuneigung zu Bergen? Wer weiß. 

‚Sicht“ auf die Spitze des Kili

Ab diesem Moment ging es bergab zu Shira l zur Mittagspause. Es gab Spaghetti mit Gemüsesuppe. Auch dieses Mal war es wieder sehr köstlich. Ich bin echt überrascht wie gut das Essen ist. Am liebsten würde ich Moyo, von nun an zu allen meiner Campingtrips nehmen. Auch das Abendessen war wieder soo gut und so viel. Die Annahme das ich das eine oder andere Problemkilo verliere hier am Berg, die wird sich glaube ich nicht bewahrheiten. Ich vermute eher, dass ich dann am letzten Tag bis nach Moshi zurückrollen kann. 

Nachdem Mittag ging es dann angesagte 10 km zum Ziel des Tages. Diesmal eine relativ einfache Strecke ohne viel Höhenmeter, so dass es relativ schnell voran ging. Doch dies war dann auch die Zeit, wo ich das erste Mal die Höhe gemerkt habe. Schnelle Bewegungen waren nicht mehr so einfach möglich und ich musste mein Tempo anpassen und kleinere Schrittfolgen wählen, einfach um nicht so dynamische Bewegungen machen zu müssen. Das hat eigentlich auch ganz gut geklappt. Trotzdem war mein Puls, für das Tempo und die Schwierigkeit des Tableaus, sehr hoch für meine Verhältnisse. Aber ich glaube das ist normal, da ich ja das erste Mal in einer Höhe von über 3500 Höhenmetern bin. Am Ende schaffte ich den Weg relativ schnell und kam nur wenige Minuten nach den Portern an, die aber auch später gestartet sind. 

Zielfoto

Danach war ich erstmal froh den heutigen langen Tag relativ problemlos geschafft zu haben. Nachdem Nachmittagsnack: Popcorn, habe ich mich entschieden einen kurzen Nap zu machen. Als ich kurz vor dem Essen wieder aufgewacht bin, habe ich dann das erste mal die berüchtigten Kopfschmerzen bekommen. Diese waren wirklich ziemlich nervig und unangenehm. Aber mit Beginn des Abendessen waren diese dann auch wieder Geschichte. Andere Symptome habe ich noch nicht gespürt. Appetitlosigkeit kennt mein Körper glaube nicht. Aber ich will den Berg nicht vor dem Gipfel loben. Darum abwarten und Tee trinken. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich habe noch nie so viel Tee getrunken wie hier. Aber seitdem Abendessen geht es mir wieder viel besser. Ich bin gesättigt und glücklich. Ich war den ganzen Tag in der Natur und arbeite an einem Projekt, was nur die wenigsten Menschen in ihren Leben möglich ist. Es ist wirklich unglaublich: vor zwei Monaten saß ich in Kapstadt auf der Couch und hatte noch exakt 2 Wochen zu füllen. Ich bin mir unsicher, wie genau ich auf Kilimanjaro gestoßen bin. Ich glaube, ich habe sehenswerte Länder in Afrika gegoogelt und kam auf Tansania und von Tansania zum Kili war es dann nicht mehr so weit. Und wenn es so weiter geht, dann kann ich nächste Woche meiner Kilimanjaro-Pullover und meine Kili-Jacken voller Anmut tragen. Also noch mehr, als meine natürliche Anmutigkeit.

Gerade beim Zähneputzen und Pipi machen, habe ich dann nochmal was wundervolles gesehen. Alle Wolken waren weg und ich hatte einen unfassbaren Sternenhimmel über mir. Und die Lichter der Städte in weiter Ferne. Es war so schön. Und im Dunkeln konnte ich dann auch wieder die beeindruckende Spitze ausmachen, dass sich wie ein Ungetüm aus der Dunkelheit hervorhob. Und ich konnte dieses nicht ganz so tolle, aber immerhin passable Foto machen. Ich hätte stundenlang da sitzen können. Aber ich befürchtete zum nächsten Yeti zu werden und anzufrieren. Es ist nämlich verdammt kalt über Nacht. Aber auch am Tag, wenn man sich nicht bewegt. 

Eines meiner Lieblingsfotos der Reise

So ich bin im Zelt, werde noch ein wenig ein Hörbuch hören, bevor ich dann ins Land der Träume versinke und schon mal verschiedene Jubelposen für die Gipfelnacht durchträume. 

P.S Wer die Story mit dem göttlichen Bruderpaar ernst genommen hat, den muss ich leider enttäuschen, diese Story war frei erfunden. 🤪

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