Kili Tag 3: Allein Allein

Start: Shira ll 3850 Höhenmeter

Ziel: Baranco 3900 Höhenmeter

Zurückgelegte Höhenmeter laut Uhr: 752 m

Angegebene Distanz: 10 km

Tatsächliche Distanz: 10,6 km

Angegebene Zeit: 6 Stunden 

Benötigte Zeit: 4 Stunden 54 min

Jetzt denkt ihr euch sicherlich: Hey, du sollst den Berg hochlaufen und nicht umrunden. Zu meiner Verteidigung, dies war ein Klimatisierungstag. Bedeutet zwischen den beiden Camps sind wir auf den Lava Tower hochgewandert.  Dieser hatte eine Höhe von 4600 Höhenmetern. Also knapp noch 1300 unter der Spitze des Kili. Also es ist nicht so, dass wir heute eine Promenadenwanderung unternommen und nebenbei ein kleines Vanillesofteis schnabuliert haben. Aber machen wir es wie immer, ich gehe meinen Tag der Reihenfolge nach durch. 

Wie immer war kurz vor 6 Uhr aufstehen, denn um genau 6 Uhr kommt Yoma mit dem Morgentee. Gefühlt war der Schlaf diese Nacht nicht so erholsam wie gehofft. Aber was will man machen. Die beschriebene und befürchtete Schlaflosigkeit habe ich nicht. Darum möchte ich mich nicht beschweren. Nachdem Tee und der Schüssel für Waschi-Waschi ging es mit einem gewohnt guten Frühstück weiter. Im Anschluss musste ich auf Toilette, weil wenn was neues reinkommt, muss ja auch wieder was raus. Ich muss sagen mittlerweile habe ich eine gewisse Routine in der hockenden Geschäftsabwicklung entwickelt, problematisch wird es nur wenn die Blase ruft: Hey, ich muss auch was loswerden. Und dann wird das ganze zu einem gewissen Balanceakt. Aber der Yogisquat hat mich gut auf diese Situation vorbereitet. 

Der morgendliche Ausblick auf den Gipfel

Danach ging es gegen 7.30 Uhr los mit der Wanderung, wieder deutlich eher als der andere Deutsche, der dafür aber langsamer ist. Und es ging langsam aber stetig bergauf. Und keine Ahnung was los ist hier, aber das ist keine Regensaison. Es war unfassbar schönes Wetter. Sonnenschein, kein Wind und eine Wolkendecke unterhalb von uns. Es war einfach nur genial. Und es war sooo ruhig. Es fühlte sich einfach so an als ob der Berg nur Bakari und mir gehört. Diese Friedlichkeit und diese Natur, alle Bilder, die ich gemacht habe, können diesen Moment niemals so festhalten, wie er war. Wenn wir Pause gemacht haben, konnte man sogar den Boden beim Auftauen zuhören. Jap, über Nacht ist alles zugefroren hier. 

Mount Meru im Rücken

Aber diese 2 Stunden allein am Berg, mit dem weißen Gipfel vor einem und der herausragenden Spitze des Meru hinter einem, gepaart mit dem Gefühl, die einzigen beiden Personen am Kili zu sein, ich glaube, ich müsste Goethe oder Schiller um das nur annähernd beschreiben zu können. Aber dafür das Lied von Polarkreis 18, bedankt euch für den Ohrwurm später. 

Mit der Zeit sind dann wieder unsere Porter an uns vorbei gezogen und haben all das Gepäck transportiert. Es ist immer wieder ein Anblick, diesen Jungs bei der Arbeit zuzusehen. Ich meine, sie müssen den gleichen Weg zurücklegen nur eben mit einem Rucksack am Rücken und Gepäck auf dem Kopf. Eigentlich sollte diese Jungs das meiste Geld hier verdienen, den ohne sie wäre keine Besteigung möglich. Darum stelle ich euch mal meine Crew vor. Sie besteht aus Abdina (der schnellste), David (meistens der zweitschnellste), Yoma (meinem Waiter, der mir Essen bringt und alles, meistens nicht sehr schnell), Alfons (er macht gerade seine Ausbildung zum Guide), Moyo (der beste Campingkoch der Welt) und Syril (er vergisst immer meinen Namen und ich seinen). Im Vergleich zu der anderen Gruppe sehen meine Jungs sehr jung aus. In der Zeit wo sie nicht Porter sind, was aber ein recht gut bezahlter Job sein soll, arbeiten sie als TukTuk oder Motorradtaxifahrer, um Geld zu verdienen. Ich habe zwar nun glaube ich 500€ an Trinkgeld mit hier, aber ich fühle das ist viel zu wenig, für die Arbeit, die diese Menschen hier leisten. Aber ich habe auch gelesen, dass es neben der Trinkgeldübergabe am letzten Abend auch die Möglichkeit gibt, Klamotten zu den Jungs zu geben. Ich werde aber nochmal mit Bakari darüber reden, aber falls das möglich ist, werde ich glaube, viel Gepäck los. Da die Jungs echt schlecht ausgerüstet sind, für die Arbeit, die sie leisten müssen. Und die Sachen, die ich habe vielleicht helfen ihre Zeit am Berg besser zu machen. Ich verteile ja immer noch meine M&M‘s und heute gab es zwei coole Reaktionen: erst Alfons, der erst nein sagte und dann doch die Hand öffnete und dann David der freudig aufsprang als ich mit den M&M‘s um die Ecke kam. Ich glaube es macht ihnen zumindest eine kleine Freude. Ich mag diese immer fröhlichen Jungs. 

Zurück zu unserer Reise. Kurz vor dem Lava Tower konnten die Porter eine Abkürzung zum nächsten Camp nehmen. Und mussten nicht mit hochlaufen, obwohl auch sie Minimum die Hälfte des Anstiegs geschafft haben. Also gingen Bakari und ich dann weiter in Richtung Mittagsrast. Der Anstieg zog sich bis an die Schneegrenze des Gipfels. Diesmal hatte ich absolut keine Probleme was Kopfschmerzen oder Schwindel angeht. Ich glaube, das Geheimnis sind einfach wirklich langsame und kleine Schritte und das Vermeiden von sehr dynamischen Bewegungen (danke an meine Trainingspartner Speedy und Gonzalez für die Vorbereitung darauf). Zumindest für mich, weiß nicht ob es anderen Personen anders ergeht. Oben angekommen, gab es dann ein kaltes Mittagessen. Und Bakari und ich hatten dann auch noch Besuch von einem Raben bekommen, der wie ihr sehen könnt unfassbar nah gekommen ist.

Gesellschaft beim Mittagessen

Ab dem Lava Tower ging es dann eigentlich nur noch Berg ab zum heutigen Camp. Auf dem Weg dahin passierten wir diese merkwürdigen Bäume. Die Giants bla bla bla hießen. Ich habe den richtigen Namen schon wieder vergessen. Aber woran ich mich erinnern kann, dass nach alter tanzianischer Mythologie, hier am Kili mal ein Krieg zwischen Gut und Böse gab. Und als das Böse am gewinnen war, nahm der gute Halbgott Raciord seine letzten Kräfte zusammen und verwandelte alles Böse in diese riesigen Bäume und im Nebel, kann man das durchaus glauben. 

Komisch aussehende Bäume

Gegen 13.30 Uhr erreichten wir unser Camp. Nach Popcorn und Tee entschied ich mich, ein wenig hinzulegen und zu schlafen. Und es war einer der besten Nachmittagsschläfchen, die ich je hatte. Danach bin ich gut erholt wieder aufgewacht. Wollte aber nicht mehr aus meinem wundervoll warmen Schlafsack raus. Also habe ich sogar noch Zeit gefunden, um ein wenig zu lesen. Kurz vor dem Abendessen habe ich ein wenig das Camp erkundet und festgestellt, dass es nun noch eine dritte Gruppe gibt. Diesmal 3 Personen. Dieses mal eine Gruppe von Österreicherinnen. Diese habe ich dann bis zum Ende der Reise immer wieder getroffen. 

Wolken am Nachmittag

Nachdem Abendessen gab es den üblichen Medizincheck mit Bakari und Alfons, bei dem immer mein Puls und mein Sauerstoffgehalt gemessen wird. Im Anschluss gibt es die Lagebesprechung für den morgigen Tag. Und nun kommt etwas, was euch vermutlich überraschen wird. Wir ändern die geplante Route. Und zwar werden wir morgen ein Camp skippen und zum eigentlich übernächsten Camp gehen. Was folgende Dinge bedeutet: 

  1. Der Tag morgen ist länger.
  2. Ich habe meine Gipfelnacht eine Nacht eher als geplant. 
  3. Ich habe mehr Zeit um wieder runterzukommen, was perfekt wäre. 
  4. Falls ich es beim ersten Mal nicht schaffen sollte den Gipfel zu erreichen, dann habe ich noch einen zweiten Versuch. 
  5. Falls 4 Eintritt, bekommt der Blog eine unfassbare Dramatik, oder? 

Ich bin echt gespannt was die nächsten Tagen bringen werden. Bisher ist das Wetter einfach perfekt. Ich kleiner Glücksbärchi. Und ich muss sagen, heute fühle ich mich so gut, dass ich vollkommen überzeugt bin, es zu schaffen. Keine Ahnung wo das heute herkommt, aber ich habe seit heute einfach eine innere Sicherheit, dass ich bald da oben auf dem Gipfel stehen werde und die Aussicht genießen werde. Ich hoffe, dieses Gefühl bleibt bis dahin bestehen. Also wünscht mir erstmal Glück, für den morgigen Tag zum Basis Camp. 

P.S Die Geschichte über den Tansaniaschen Kampf Gott gegen Böse war natürlich wieder Humbug. Ich wollte euch nur zeigen, dass es mir gut geht und noch immerHumor habe.

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