Kili Tag 4: Auf zum Basecamp

Start: Baranco Camp 3900 Höhenmeter

Ziel: Barafo Camp 4673 Höhenmeter

Zurückgelegte Höhenmeter laut Uhr: 1061 m

Angegebene Distanz: 10 km

Tatsächliche Distanz: 9,6 km

Angegebene Zeit: 8 Stunden 

Benötigte Zeit: 5 Stunden 10 min

Wie gestern schon berichtet, haben Bakari, Alfons und ich entschieden ein Camp zu überspringen und gleich zum Basiscamp Barafu zu wandern, um im Zweifel zwei Möglichkeiten zu haben, um auf den Gipfel zu kommen. Somit war der Plan klar. Und ich habe wieder versucht, so gut wie möglich zu schlafen, was auch ging, nur der Puls um 60 bis 65 ist manchmal nervig, da es deutlich höher ist als mein normaler Ruhepuls. Aber das Herz muss in dieser Höhe einfach öfter schlagen, um den Körper mit Sauerstoff zu versorgen. Ich habe heute auch den Liner für den Schlafsack zum ersten Mal benutzt (Ich kenne kein deutsches Wort dafür). Es ist ein Innenschlafsack für den eigentlichen Schlafsack. Und ich habe damals einfach die Extremevariante geholt, die Temperatur für die Schlafsack ausgelegt ist, um 10 Grad erhöht. Oder eben verringert. Also besser macht. Am Anfang war ich skeptisch, wie der Effekt einzuschätzen ist. Heute, nach der Nacht mit dem Liner, muss ich sagen: verdammtes Wunderwerk. Ich bin glaube, um kurz nach 12 aufgewacht und habe mich einiger Kleidung entledigt, weil es so warm war. Absoluter Glücksgriff beim einkaufen. 

Wie immer ging es mit einem guten Frühstück weiter, welches stärkte und mich für den Tag vorbereitete. Um 7.45 Uhr starteten dann Bakari und ich. Wieder vor allen anderen Gruppen. Aber irwie mag ich es, früh loszumachen und den Sonnenschein mitzunehmen, denn nachmittags ist es dann noch meistens sehr bewölkt, darum lieber früh starten. Der frühe Vogel fängt den Wurm. Und gleich am Anfang des Tag stand die sogenannte Todeszone auf dem Programm: die Baranco-Wand. In diesem Anschnitt war es absolut notwendig, die Hände mitzubenutzen um vorwärts oder besser hoch zu kommen, den es ging teilweise fast 80 Grad nach oben. Aber hier machte sich meine Klettererfahrung durchaus bemerkbar, denke ich. Ich hatte sehr viel Spaß da hochzukommen und es war ein schöner Morgensport. Die spannende Frage ist, wie es die Porter da hochschaffen? Das hätte ich gern gesehen. Das die Wand Todeszone heißt, kann ich mir ganz gut vorstellen, also an einigen Stellen sollte man da lieber nicht abrutschen. Die Konsequenzen wären schon sehr katastrophal. Aber alles ist gut gegangen und das ist was wichtig ist. 

Danach ging es in einem auf und ab zum Mittagshalt. Dieser war das eigentlich geplante Nachtcamp für heute und ich bin froh dass wir es nicht so gemacht haben, oder der halbe Tag wäre verloren gegangen. Das Mittag war wieder bombastisch. In diesem Camp befanden wir uns in einer Höhe von 3995 m und mussten nun unseren Weg hocharbeiten zum nächsten Camp, dem Basiscamp. Die Strecke war 4 km und es ging eigentlich stetig bergauf. Das Ziel, das Barafu-Camp, liegt immerhin auf einer Höhe von 4673 m. Was gleichzeitig auch der höchste Punkt meiner Reise ist bis hierher. Seit dem Mittag hatte es sich das dann so zugezogen, dass man praktisch nur in den Wolken wanderte. Und die Sicht recht begrenzt war, dazu gesellte sich ein recht böiger Wind, weshalb nun auch endlich die Zeit gekommen war. Meine Kilimanjaro-Jacke am Kilimanjaro zu tragen. Wie cool! Das coolste wird ja sowieso danach, wenn ich meine Kilimanjaro-Jacke und Kilimanjaro Hoodie trage und mich jemand darauf anspricht, ob ich den überhaupt schon mal da gewesen sei. 

Angekommen am Ziel für heute, fühlte ich mich eigentlich immer noch ganz gut. Klar langsam merkt man die Anstrengung auch in den Beinen, da wir ja nun doch schon ein wenig Distanz hinter uns gelegt haben und es ist ja nicht so, dass man von einem zum anderen Camp nur gleichmäßig Bergauf läuft sondern viel mehr ist es ein ständiges auf und ab. Was natürlich viel anstrengender ist. Ich glaube die Anzahl der Kilometer im flachen befindet sich mit Sicherheit unter 5. Dazu müsste ich aber nachher nochmal auf meinem Handy schauen, wenn ich es mit meiner Uhr verbinde, was so die Profile der einzelnen Touren waren. Im Ziel war ich heute auch mal vor ein paar der Porter da. Das gab es noch nie. Und die zweite Sensation: ich habe es heute zum ersten Mal geschafft, jedem Porter beim ersten Versuch den richtigen Namen zuzuordnen. Also Belohnung gab es für die Jungs eine Stroopwaffel. Die sie sehr gern gegessen haben und sich mehrmals bedankt haben. Ich frage mich, ob ich der erste bin der ihnen Süßigkeiten mitbringt? 

Aktuell befinde ich mich im Zelt, um mich für den ersten Versuch morgen vorzubereiten. Ich habe bereits ein wenig geschlafen und werde es gleich wieder probieren. Um noch ein wenig Erholung zu bekommen, bevor es heute Nacht nach ganz oben gehen soll. So weit wie ich es weiß ist der Beginn gegen Mitternacht, damit man eben bei Sonnenaufgang oben ist. Ob ich mich bereit fühle? Keine Ahnung. Was wäre denn das richtige Gefühl für so eine Mission? Ob ich denke, dass ich es schaffe? Ja. Keine Ahnung warum, aber ich bin einfach fest überzeugt, morgen da oben zu stehen. Auch wenn ich langsam ein wenig Kopfschmerzen bekomme hier. Aber ich hoffe einfach auf das Essen, dass dieses wieder meine Kopfschmerzen beseitigt. Ansonsten bleibt nicht viel zu sagen. Es geht mir gut, auch ohne ausgedachte Geschichte. Und ich bin aufgeregt auf die heutige Nacht. Also wünscht mir Glück.

Ankunft im Basecamp

Kurzer Nachtrag um 19:38 Uhr kurz vor dem schlafen gehen. 

Erstens, die Toilettenlöcher werden immer kleiner. Ich frage mich warum. Glaubten die Erbauer: Jo die Gäste machen, dass nun schon seit 4/5 Tagen, da brauchen die eine neue Herausforderung. Oder was ist los. Gerade wenn man größer ist helfen einem die angegeben Fußmarkierungen weniger, denn dann geht es daneben. Es bleibt auf alle Fälle eine spannende Sache. Aber die Frage ist ja, ob es nur diese Korrelation zwischen Höhe und Lochgröße gibt, oder ob dies einer Kausalität zu Grunde liegt? 

Zweitens kurz vor dem Abendbrot hatte ich dann das erste Mal eine wirkliche Kopfschmerzattacke. Das war schon weniger angenehm und hat mich dann auch kurz mal ins Zweifeln gebracht, weil weiter oben wird es ja nicht besser. Mittlerweile ist alles wieder gut und ich fühle mich besser. Die Lagebesprechung mit Bakari und Alfons hat mir nochmal den letzten Schub Motivation gegeben und ich bereit für dieses letzte Stück!  Also drückt mir die Daumen für diese Nacht. 

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