Voluntourism

Hey Ho meine mit außergewöhnlich guten Geschmack ausgestatteten Lesenden. Wie immer melde ich mal wieder am Wochenende, denn nur dann habe ich ausreichend guten Internetzugang. Auch wenn ich hier im Base Camp mittlerweile herausgefunden habe, wie ich meinen Internetzugang optimieren kann, damit ich immerhin WhatsApp nutzen kann. In diesem Beitrag möchte ich ein wenig über etwas schreiben, worüber ich mir seit geraumer Zeit Gedanken mache. Also viel Spaß beim Lesen und hoffentlich regt es ja ein wenig zum Nachdenken an. 

Zu Beginn aber erstmal etwas schönes. Ich sitze hier gerade im Base Camp, nachdem ich den ganzen Tag dabei geholfen habe, ein neues Camp zu errichten. Da ich auch diese Woche wieder auf die Patrouillenwoche verzichte. Dies hat den Vorteil, dass ich das Base Camp nahezu für mich allein habe, also mal abgesehen von dem Staff, der hier immer ist. Aber diese Ruhe im Basecamp, gemeinsam mit dem Schlafen im Baumhaus ist schon ziemlich cool. Daran könnte ich mich fast gewöhnen. 

Aber nun zurück zum eigentlichen Thema dieses Eintrages. Wie die Überschrift nahe legt, soll es um Voluntourism gehen. Also dem Tourismus mit Freiwilligenarbeit. Oder wenn man es etwas weiter fassen möchte, mit der Industrie hinter Freiwilligenarbeit. Ich habe beides nun mehr oder weniger erlebt. Angefangen bei Organisationen, die einen an Freiwilligenprojekte vermitteln und dabei eine durchaus große Pauschale für sich behalten. Und somit weniger Geld an die Projekte an sich fließt. Was ich nicht ganz verstehen kann, ich meine solche Organisationen sollten ja versuchen, die Freiwilligenprojekte zu unterstützen. Denn wenn es keine Freiwilligenprojekte gibt, dann gibt es auch die Organisation nicht. Demzufolge kann ich jedem nur empfehlen, falls ihr euch mal für Freiwilligenarbeit interessiert, nutzt die Agenturen, um euch ein Überblick zu verschaffen welche Projekte es so gibt, aber versucht dann direkt beim jeweiligen Freiwilligenprojekt die gesamte Buchung abzuschließen. Da spart ihr Geld und spart euch einen überflüssigen Vermittler. 

Aber passt auch darauf auf ein richtiges Projekt zu finden, denn nicht jedes Freiwilligenprojekt scheint mir dem Charakter von Freiwilligenarbeit zu genügen. Zumindest nicht so, wie ich Freiwilligenarbeit verstehe. Diese besteht für mich daraus freiwillig zu arbeiten, ohne eine spezifische Gegenleistung, sondern einfach nur, weil man die Arbeit für wichtig hält. Jedoch ist das nicht mehr immer so oder in gewissen Projekten nur noch wirklich bedingt umgesetzt. Wenn ich nun beispielsweise mein jetziges Projekt betrachte. Dieser besteht prinzipiell zur Hälfte aus der Bauwoche und der anderen Hälfte der Patrouillenwoche. Dabei stellt die erste Woche nur die eigentliche Arbeit dar. Die zweite Woche ist dann vielmehr eine mehrtägige Gamesafari, mit Schwerpunkt auf Elefanten. Und genau hier besteht mein Problem. Für mich wirkt dies wie: Du hilfst in der ersten Woche, um in der zweiten Woche eine Safari zu bekommen. Wenn man noch den Zwei-Wochen-Rythmus und den Preis für das Projekt mit einbezieht, dann verliert dies für mich komplett den Charakter für Freiwilligenarbeit. Um es mal sehr sehr dramatisch und eventuell überspitzt auszudrücken, ist die Idee westlichen Menschen ein gutes Gewissen zu vermitteln, dass sie nicht nur Urlaub machen, sondern auch ganz besonders viel helfen und diese dann zu Hause erzählen können, wie besonders toll sie sind, weil sie sich freiwillig engagiert haben.  

Biete versteht mich nicht falsch, ich möchte hier nicht die gesamte Organisation kritisieren, denn diese liefert meines Erachtens nach unfassbar gute und wertvolle Arbeit. Besonders der ganzheitliche Ansatz ist für mich etwas bemerkenswert gutes. Ich finde nur, dass hier keine Freiwilligenarbeit absolviert oder angeboten wird. Sie könnten das Ganze auch einfach 2-Wöchige Adventureurlaub mit Safari nennen und es würde alles perfekt beschreiben. Ich meine, immerhin bewerben Sie das „Freiwilligenprojekt“ auch auf TripAdvisor, von daher würde dies sicher super passen. Also wer auch immer mal daran Interesse hat, ne dreitägige Safari hier im Damaraland zu machen und noch fürs gute Gewissen eine Mauer bauen möchte, für den ist das perfekt geeignet. Für mich ist eben nur in die Irre führend, es Freiwilligenarbeit zu nennen, wenn es aber kaum darum geht.  

Das soll es dann auch schon wieder gewesen sein. Ich schaue mal, wann ich mal wieder Lust habe, etwas neues hier zu schreiben. Aber bestimmt lasse ich nicht alt so lange auf mich warten. Also bis bald. 

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