Hey Ho meine lieben Lesenden. Mit unfassbarer Genauigkeit und Gleichmäßigkeit melde ich mal wieder am Wochenende. Mittlerweile sitze ich hier in Windhoek, in meinem Hostel auf der Dachterrasse und genieße die letzten Sonnenstrahlen des Tages. Prinzipiell befinde ich mich mehr oder weniger auf meiner Heimatreise nach Deutschland, die mich aber nächste Woche nochmal nach Ägypten bringen wird. Dieser Eintrag hier soll aber eher rückwirkend sein und meine letzten Wochen hier in Namibia ein wenig genauer beleuchten.
Ich habe gestern mein zweites Freiwilligenprojekt beendet, dieses hatte mich nach Namibia geführt, um genauer zu sein ins Damaraland. Das Projekt war angelegt zum Elefantenschutz und sollte hauptsächlich daraus bestehen, Mauern zu bauen. Diese Mauern sollten beispielsweise Solaranlagen schützen, so dass diese nicht durch die Elefanten beschädigt werden, da sonst die Communities sich über Elefanten beschweren könnten und der Elefant dann zum Abschuss freigegeben werden könnte. Weiterhin war in dem Projekt noch die Patrouille ein zentraler Bestandteil. Ich habe insgesamt 10 Wochen in dem Projekt verbracht. Nach diesen 10 Wochen blicke ich mit echt gemischten Gefühlen auf die Zeit zurück. Warum gemischt? Ich versuche, das mal ein wenig genauer zu erläutern.
Den Großteil der Zeit komplett outdoor zu verbringen und jede Nacht unter dem Sternenhimmel zu schlafen, war natürlich etwas, was genau nach meinem Geschmack war. Auch wenn die Nächte manchmal durch verschiedene Tiergeräusche gestört waren, war es immer unfassbar cool. Auch das die Tage in der Bildweek prinzipiell sehr gut gefühlt waren, war etwas sehr schönes. Nichtsdestotrotz war immer ausreichend Zeit, um zu lesen oder ein Audiobook zu hören, so dass ich den 10 Wochen so viel gelesen habe, wie seit der Schulzeit nicht mehr. All dies machte die Zeit auf eine Art wirklich sehr schön und auch zu einem absoluten Gewinn.
Auf der anderen Hand entwickelte sich das Projekt zu etwas, was ich so nicht erwartet hatte und auch nie gewünscht hatte. Wer mich kennt, weiß, dass ich eigentlich nie mit großen Erwartungen an etwas herangehe. Ich denke einfach, dass Erwartungen und damit verbundene falsche Vorstellungen immer zu Enttäuschungen führen. Darum versuche ich immer möglichst befreit in eine Sache zu gehen. So habe ich es auch dieses Mal gemacht. Meine einzigen Erwartungen und Vorstellungen waren, in einem Freiwilligenprojekt, direkt für die kurze Zeit, die ich da verbringe, möglichst viel zu helfen. Dies war ja prinzipiell das Ziel für die beiden Freiwilligenprojekte. Aber am Ende der Zeit muss ich sagen, dass ich hier ein wenig enttäuscht wurden bin. Wie schon in einem vorherigen Post beschrieben, ist das hier kein wirkliches Freiwilligenprojekt, sondern wirkt viel mehr wie ein Adventure-Urlaub. Es wird im übrigen auch genauso für andere Gruppen von Touristen angeboten. Und ich meine, dass war einfach nicht die Intention meines Jahres. Wenn ich eine guided Adventureurlaub haben möchte, dann buche ich es einfach. Ich wollte hier aber prinzipiell was selbstloses machen, dass nicht das Ziel hatte, dass ich etwas dafür bekomme oder einen Nutzen daraus ziehe. Darum konnte ich nie was mit der Patrouille anfangen. Denn diese war eigentlich eine Game-Safari über mehrere Tage. Ich fühlte mich vollkommen nutzlos 4 Tage in einem Auto zu sitzen und einfach nur ohne Aufgabe da lang zu fahren. Ich finde es immer noch schade. Ich meine, es gibt so viele Projekte, die nach Freiwilligen suchen und hier werden Freiwillige eine Woche durch die Gegend gefahren. Nichts gegen die Arbeit der Organisation im Allgemeinen, die ist wirklich einzigartig und ganzheitlich. Auch nichts gegen die Menschen, die genau so etwas wollen. Aber es ist einfach keine Freiwilligenarbeit. Und das Benutzen dieses Wortes für etwas anderes, finde ich einfach nur traurig und unfair.
Somit war die Zeit nicht immer einfach für mich, da ich etwas gemacht habe, womit ich mich nicht vollkommen identifizieren konnte. Natürlich hätte ich es einfach auch eher beenden können, aber das hätte sich für mich noch falscher angefühlt. Das hätte sich wie eine Niederlage angefühlt. Und ich glaube, durch diese dann doch nicht immer leichte Zeit, habe ich auch viel gelernt über mich. Ich war zum ersten Mal wirklich einer Situation ausgesetzt in der ich mich nicht zu 100% wohlfühlte und ich musste einen Weg finden, damit umzugehen. Am Ende hat es mir viel über mich, meine Ideale und meine Vorstellungen offenbart. Ich habe gelernt, dass es viele Dinge gibt mit den ich mich nicht identifizieren kann, dass ich sozial auf eine andere Art und Weise bin oder das ich doch ein akzeptables Englisch besitze. 😉 So am Ende war dies für mich ein Gewinn. Ein Gewinn wie ich es nicht erwartet hatte. Aber am Ende war es vielleicht etwas woraus ich in der Zukunft profitieren kann. Wer weiß. Die Zukunft wird es zeigen.
So das soll es mal wieder gewesen sein. Ich hoffe, es war nicht zu langweilig zum Lesen. Falls doch, ihr habt es nun geschafft und könnt wieder was spannenderes machen. Ich werde mich sicherlich demnächst wieder melden bei euch.