Call me Marathoni

Hey Ho. Nach langer Zeit melde ich mich mal wieder hier. Da ich gerade wieder in Deutschland bin, gibt es nicht so viel spannendes zu berichten. Aber ich versuche trotzdem, wieder etwas aktiver hier zu werden und euch auf dem Laufenden zu halten, was das Projekt Türkei so angeht. Aber heute soll es erstmal um meinen ersten Marathonversuch vom letzten Wochenende gehen. Also viel Spaß beim Lesen.

Ich glaube, es war im März als ich mir dachte, hey wie wäre es mal mit einer neuen Herausforderung. Und nachdem nun Halbmarathons für mich nicht mehr die große Herausforderung darstellen, lag es nah endlich mal einen ganzen zu probieren. Darum frisch angemeldet beim Europamarathon im Juni. Vorbereitungszeit weniger als 3 Monate, Streckenprofil wellig und zwischendurch nicht immer die Möglichkeit zum Laufen, aber was soll schon schief gehen?

Also habe ich die letzten Wochen hier in Deutschland trainiert und trainiert und trainiert. Ich war Laufen und Rad fahren, wann immer es möglich war. Zur Vorbereitung bin ich einen Halbmarathon und eine 10 km Lauf gerannt, mit ganz guten Ergebnissen. Jedoch schaffte ich es in der Vorbereitung nur einmal 32 km zu Laufen, da die Zeit zu schnell vergangen ist. Aber wie gesagt, was soll schon schief gehen? 

Also ging es am Samstag nach Görlitz zum Marathon, der einen Tag später stattfinden sollte. Nachdem ich dann endlich auch die Startnummerausgabe gefunden hatte, begab ich mich in meine Pension und versuchte die 1,5 kg Nudeln zu essen, die ich noch übrig hatte vor dem Lauf. Ansonsten konnte ich trotz der Nervosität erstaunlich gut schlafen. Am Sonntag ging es dann frohen Mutes Richtung Start- und Zielbereich, Ich habe es mal ausnahmsweise geschafft, alles nahezu perfekt zu timen. Und bereits jetzt stellte ich fest, die Sonne ist doch schon ziemlich warm, Und da war es erst kurz vor 9 Uhr, wie sollte es dann erst in 3 Stunden sein? Aber beeinflussen konnte ich es sowieso nicht. Darum ging es dann motiviert an den Start. Was soll denn schon schief gehen? 

Der Lauf bestand aus einer 10,5 km Runde, die insgesamt 4 mal abgelaufen werden musste. Demzufolge wusste ich nach der ersten Runde, was mich dann so erwartet. Und um es kurz zu machen: es war wie eine Berg und Talbahn. Es gab glaube ich, kein ebenes, flaches Stück was länger als 200 m war. Und darauf hat mich mein Training am Elbradweg ja top vorbereitet. Nicht. Aber ich fühlte mich echt gut. Die erste Runde lief auch super. Alles machte Spaß und alles fühlte sich top an. Auch die zweite Runde, die ich sogar ein wenig schneller lief, machte riesig Spaß. Aber hier kam dann auch schon das dritte Problem des Tages zu tragen: Wind. Da Sonne und Steigungen nicht genug waren, kam nun auch noch ein beständiger Wind hinzu. Das was sich jeder Läufer für seinen ersten Marathon wünscht. Aber auch nach der Hälfte fühlte ich mich ich stark und bereit für den Rest. Auch die dritte Rund lief sich eigentlich gut. Gegen Ende machten sich dann die Oberschenkel langsam bemerkbar und besonders das Bergab brachte keine Erholung mehr, da dabei alles wehtat. Am Ende der dritten Runde, also nach 3/4 des Rennens, lag ich auf einer Superzeit. Also wollte ich eigentlich das Tempo versuchen so lange wie möglich zu halten und zu schauen wie lange es gut geht. Aber nach dem ersten Anstieg der letzten Runde, welcher eine länge von bestimmt 1,5 km hatte, wurden meine vorderen Oberschenkel zu Brei. Ab Kilometer 35 war es dann einfach nur noch ein Kampf. Und das Schlimme, die Strecke war so konzipiert, dass man bei Kilometer 36 ungefähr 400 m vom Ziel entfernt ist, man könnte also einfach rechts abbiegen und es wäre vorbei. Aber ich entschied mich doch lieber noch ein paar Berge mit Gegenwind in der Sonne zu rennen. Warum auch nicht? 

Am Ende des Tages habe ich es iwie geschafft. Ich bin mir nicht ganz sicher wie, aber ich bin in unter 4 Stunden durch das Ziel gelaufen. Obwohl so wirklich laufen kann man es dann nicht mehr nennen: Ich habe mich über die Ziellinie bewegt. Auch wenn es am Ende nicht die Zeit war, die ich erhofft hatte, war ich mit meiner Leistung doch recht zufrieden. Viele Jahre meines Lebens hielt ich es immer für unmöglich so lange zu rennen, aber nun habe ich es auch geschafft. Und am Ende war es dann schon sehr interessant zu sehen, wie sehr man seinen Körper zwingen kann sich zu bewegen. Auch wenn nach dem Lauf nicht mehr viel mit Bewegung war. Und am Tag danach auch weniger. Aber ich erinnere mich dunkel an meinen ersten Halbmarathon und dass es mir da ähnlich ging. Und jetzt war ich ähnlich schnell wie damals unterwegs gewesen und bin noch einen weiteren Halbmarathon gelaufen und es geht mir ähnlich. Dann würde ich das ja mal schon als gute Entwicklung bezeichnen. 

Was bleibt ist eine gute Erfahrung und ich werde auf alle Fälle noch einen Marathon rennen. Dann schon in Istanbul im November. Ich hoffe, da mit einer angenehmeren Strecke und besserer Vorbereitung weniger leiden zu müssen. Aber mal schauen. Was ich jedem nur empfehlen kann, wenn bei einem Marathon als Profil wellig oder hügelig steht, dann vielleicht nicht diesen Lauf als ersten Lauf auswählen. 

Ich versuche, mich demnächst mal wieder zu melden und mal über die neusten Entwicklungen zu Istanbul zu informieren. Also bis bald.

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