Moin. Ich vermute, dass war einer der längsten Pausen dieses Blogs. Ich habe gerade mit einem Lachen, aber auch mit Erschrecken festgestellt, dass mein letzter Beitrag schon über 2 Monate her ist. Spannend ist, dass diese Zeit mir überhaupt nicht so lang vorgekommen ist. Aber auf der anderen Seite fällt es mir schwer, interessante Dinge über mein Leben hier in Istanbul zu erzählen. Aber ich werde es versuchen und einfach mal drauf los schreiben. Also viel Spaß, bei einem vermutlich sehr chaotischen und ungeordneten Beitrag.
Aktuell liege ich auf meinem Balkon und entspanne bei schönsten Sommerwetter. Also nicht auf dem Balkon an sich, sondern in meiner neuen Sitzecke. Ich habe nämlich in den letzten Wochen angefangen, weiter mit der Einrichtung meiner Wohnung zu machen. Und nachdem ich mich nun als stolzer Besitzer eines Billardtisches und eines eigenen Fitnessstudios bezeichnen darf, wollte ich mit Beginn des schönen Wetters meine Balkongestaltung vorantreiben. Aus diesem Grund habe ich mir eine gemütliche Sitzecke bestellt. Eine der Dinge, die ich hier in der Türkei doch sehr gewöhnungsbedürftig finde, ist die Funktionsweise von Post und anderen Paketlieferanten. Denn anscheinend ist das System hier, dass man genau einmal angerufen wird, wenn der Lieferant kommt und wenn man dann nicht ans Handy gehen kann, wird das Paket einfach nicht zugestellt. Und natürlich kommen diese Anrufe meistens während meiner Arbeitszeit und dann sind die Lieferanten auch noch zeitlich wenig flexibel und wollen genau in diesem Moment das Paket vorbeibringen. Das kann manchmal schon recht nervig sein, besonders wenn man noch einen Ausweis vorlegen muss beim Erhalt der Ware.
Eine besondere Anekdote habe ich aber bei der Lieferung meines Billardtisches erlebt. Diese Lieferung bestand aus zwei Paketen mit den Massen 50 kg und 80 kg und wurde von einer Familie geliefert, die anscheinend einen kleinen Lkw besitzt. In der Hektik der Lieferung, da der Familien-Lkw die Straße blockierte und es schon ein Huppkonzert gab, als ob Türkei Fußballweltmeister wäre. habe ich einen entscheidenden Fehler gemacht und das Dokument der Lieferung unterschrieben, als die Ware zwar aus dem Lkw entladen war, aber noch nicht in meiner Wohnung. Also musste ich dann die beiden Pakete in den 5. Stock bekommen. Und da ich, auch wenn das nun einige sicherlich total überraschen wird, kein Bodybuilder bin, der solche Pakete mal locker leicht in den 5. Stock trägt, musste der Fahrstuhl herhalten. Das 50 kg Paket war recht problemlos nach oben zu bekommen. Das schwerere Paket stellt dann schon eine gewisse Herausforderung dar, denn neben der Masse, war die Größe des Pakets überproportional. Und ich war unsicher, ob es überhaupt in den Fahrstuhl passt. Aber da ich ja ein risikofreudiger Mensch bin, dachte ich mir: „wird schon werden“. Man könnte meinen das Risiko ist ja auch gering, aber Pustekuchen. Mein Fahrstuhl hat nicht die Etagen 0, 1, 2, usw. wie vermutlich jeder andere Fahrstuhl dieser Welt, sondern die Etagen -0.5, 0.5, 1.5 usw. Also schob ich das Paket nach unten, in der Hoffnung dass alles klar geht mit dem Fahrstuhl. Dies funktionierte deutlich besser als ich erwartet hatte und meine theoretischen Überlegungen und Berechnungen funktionierten perfekt. Doch meine Euphorie war schnell wieder vorbei, als ich das Paket in den Fahrstuhl kippen wollte und der Fahrstuhl zu klein war. Nach einer weiteren Analyse und gutem Augenmaß kam ich zu der Erkenntnis es könnte vielleicht doch passen, nur während des Kippvorgangs stößt das Paket kurzfristig an den Rahmen des Fahrstuhls. Also mit ein wenig Kippen und vor und zurück schieben, habe ich das Paket dann endlich in den Fahrstuhl bekommen. Ich wähnte mich bereits vorzeitig in meinem Erfolg, auch wenn ich das Paket noch von Etage 4,5 in 5 bekommen musste und mein Puls aktuell schon bei 130 war, aber was soll da schon schief gehen, dachte ich mir. Antwort: Der Fahrstuhl hält nicht ebenerdig mit Etage 4,5 sondern etwa 5 cm darunter. Was dazu führte , dass das Paket nicht mehr aus dem Fahrstuhl passte beziehungsweise ich kräftemäßig einfach nicht dazu in der Lage war. An dieser Stelle folgten einige unangemessene Wörter in verschiedenen Sprachen, die ich hier nicht wiederholen möchte. Nachdem ich dieses kurze aber tiefe emotionale Loch überwunden hatte, blieb mir nur noch die Option, das Paket an einer schmalen Seite zu öffnen und zu hoffen, dass ich die Einzelteile herausbekommen kann und diese dann stückweise in meine Wohnung bekomme. Dies funktionierte so semi-erfolgreich, da die halboffene Fahrstuhltür im Weg war und ich keine Einzelteile aus dem Paket herausbekommen konnte. Vermutlich war meine akustische Untermalung dieses mittlerweile aussichtslosen Unterfangens so laut, dass mein Kapici kam und mit großen Augen schaute, was ich so für einen Lärm veranstalte. Und gemeinsam haben wir dann das Projekt, Billardtisch in die Wohnung zu bekommen erfolgreich abgeschlossen. Darum habe ich einen Tip für euch: falls ihr demnächst einen Billardtisch bestellt, dann lasst ihn euch am besten bis in die Wohnung bringen, es sei denn, ihr wollt ein kleines Workout haben.
Weiterhin musste ich sowohl mein Gym, meinen Billardtisch als auch meine Sitzecke selbst aufbauen. Da kamen meine handwerklichen Fertigkeiten natürlich wieder zur vollen Entfaltung. Und eine Erkenntnis von diesen handwerklichen Extremaufgaben ist, dass die angegebenen Zeiten für die Dauer des Aufbaus doch niemals stimmen können. Also statt der Zeit, die man eigentlich brauchen sollte, habe ich mindestens das Doppelte gebraucht. Und das mit meinen beiden linken Händen. Aber mal Spaß beiseite, ich habe wieder festgestellt, wie wenig Spaß mir solche Aufgaben machen. Und wie wenig Talent ich darin besitze. Es kann ja aber nun mal nicht jeder Mensch gut in allen Dingen sein. Tatsache ist, dass alles aufgebaut ist und. bisher auch noch steht. Es. gibt auch keinerlei Anzeichen dafür, dass sich daran demnächst was ändern könnte. Also bisher zumindest. Ich halte euch aber auf dem Laufenden.
Das soll es auch erstmal wieder gewesen sein, ich möchte mir weitere potentielle Blogthemen, die bereits in meinen Kopf sind, für weitere Einträge, die hoffentlich nicht erst in zwei Monaten erscheinen werden, aufheben. Darum wünsche ich euch noch ein schönes Wochenende und ich hoffe ihr hattet viel Spaß beim Lesen des Eintrags.