İstanbul’da bir yıl

Moin Moin. Es ist mal wieder so weit: der Flughafenblog ist zurück. Ich bin mir zwar unsicher, ob ich diesen Eintrag noch hier am Flughafen in Istanbul beenden werde, aber ich habe zumindest am Flughafen begonnen, diese Zeilen zu schreiben. Darum zählt es eindeutig als Flughafeneintrag. Also viel Spaß beim Lesen meiner geistigen Ergüsse bei akuter Müdigkeit. 

In guter deutscher Manier sitze ich viel zu früh am Flughafen und versuche die Zeit totzuschlagen. Aber dieses Mal habe ich eine gute Ausrede, denn ich bringe ja mein Fahrrad wieder zurück und war mir unsicher, wie gut organisiert, das hier am Flughafen funktioniert, aber der Check-In lief vollkommen problemlos und alles ist hoffentlich gut verstaut und sicher. Jetzt gilt es nur noch zu hoffen, dass es dieses Mal keine Schäden am Fahrrad gibt und es sofort wieder einsetzbar ist, wenn ich in Deutschland ankomme. Zumindest habe ich aus den Fehlern von vor einem Jahr gelernt und bin wie immer vorsichtig optimistisch. 

Am Flughafen zu sein bedeutet aber auch, dass ich Istanbul verlasse. Also für diesen Sommer, so ziemlich genau für 2 Monate, abhängig davon, wie schnell ich Fahrrad fahren werde. Darum wollte ich die Zeit nutzen, um mal wieder ein bisschen darüber zu philosophieren, wie mir Istanbul gefällt. Ich möchte dabei betonen, dass es sich um meine Eindrücke aus dem Teil von Istanbul handelt, die ich hier persönlich gesammelt und diese sind natürlich stark individuell und auch sehr stark limitiert und sollen sich nicht auf ganz Istanbul und schon gar nicht auf die gesamte Türkei beziehen. Ich weiß auch nicht warum ich diesen Disclaimer hier eingebaut habe, aber etwas Dramatik schadet ja nie. (Nachtrag: Ich habe nun den Eintrag geschrieben, es gibt immer noch absolut keine Notwendigkeit für diesen Abschnitt, aber der Dramatik halber, bleibt er bestehen. Ich glaube er ist auch Ausdruck meiner Müdigkeit)

Starten wir mal ganz einfach, mit der Frage ob mir Istanbul bisher gefällt. Eindeutig ja. Es gibt viele Dinge, die einfach sehr angenehm sind, unter der Voraussetzung, dass man, wie ich, von Deutschland aus hauptsächlich in Euro bezahlt wird. In meiner Wahrnehmung bisher, stellt Istanbul nicht nur geographisch einen schönen Mittelweg zwischen den zwei Welten, die ich bisher erlebt habe, dar: der westlichen Welt aus Deutschland und der arabischen Welt aus Kairo. Darum war das Einleben prinzipiell sehr einfach. Auch wenn ich wieder behaupten würde, dass es schon mindestens ein Jahr dauert bis man wirklich sich an einem neuen Ort eingelebt hat. Dadurch dass Istanbul wirklich so ein Mischmasch oder im Prinzip eine Spezi aus Deutschland und Ägypten ist, würde ich das Leben hier als geordnetes Chaos beschreiben. Es ist nicht das Chaos Chaos aus Kairo, wo man gefühlt einer ständigen Reizüberflutung ausgesetzt ist, es ist aber auch nicht so strukturiert wie Deutschland. Sondern es gibt schon Strukturen im Alltag, die die Menschen nicht brechen, sondern einfach versuchen geschickt zu umgehen oder zu beugen. An vielen Stellen sehr sympathisch. 

Für mich persönlich bietet Istanbul bisher viele Möglichkeiten, um Dinge zu machen die mir Freude bereiten. In Vergleich zu Kairo ist es natürlich schon deutlich angenehmer am Meer entlang zu laufen, als durch den Gezira Youth Club (no offense). Das ist schon ein deutliches Upgrade muss ich sagen. Auch die Tatsache wieder relativ unbehelligt Fahrrad zu fahren, ist etwas was für mich von Bedeutung ist. Auch wenn das bei Anderen doch ab und zu für Verwunderung sorgt. Aber nach anfänglichen Zweifeln, wie lange ich es ohne Unfall aushalte, bin ich optimistisch, dass ich mittlerweile weiß, wie der Hase läuft (oder besser wie die Türken Auto fahren). Also auf der Sportebene ein deutliches Upgrade zu Kairo, aber auch hier in der Mitte, wenn ich Deutschland noch hinzuziehe. Ja es gibt auch Trails zum Rennen. Aber dazu muss ich dann schon 19 km hinfahren. Was natürlich ein super Training ist, darum will ich mich nicht beschweren. 

Beim Schreiben aber auch schon zu Letzt ist mir aufgefallen, dass natürlich immer der Vergleich mit meiner ersten Auslandserfahrung präsent ist. Dabei sind für mich eigentlich zwei Fragen wichtig: Wo ist es besser? Und wie hat die neue Erfahrung meine Sicht, auf meine erste Auslandserfahrung verändert? Ich möchte beide Fragen mit meiner aktuellen Stimmungslage beantworten. Also zur ersten Frage, kann ich simpel und ganz einfach folgende vollkommen eineindeutige Antwort geben: Ich glaube, ein Vergleich ist nicht möglich. Generell glaube ich nicht, dass man verschiedene Länder oder Kulturen wirklich miteinander vergleichen kann. Kairo bot mir die Möglichkeit an den zahlreichen Herausforderungen des Alltags und den vielen Niederlagen, die man da so einstecken musste, zu wachsen und dankbarer zu werden für Dinge, die man vorher als selbstverständlich angenommen hat. Istanbul bietet mir viele Dinge und Möglichkeiten, die ich in Kairo nicht so haben konnte, das Leben ist so viel entspannter und ruhiger. Bietet aber dazu im Gegensatz weniger Herausforderungen. Darum kann ich nur sagen, dass ich glücklich bin, dass ich beide Erfahrungen machen durfte. Damit wären wir bei der zweiten gestellten Frage. Und hier muss ich sagen, dass gerade auch nochmal durch den Besuch der Kairoer Kollegen, ich der Meinung bin, dass ich glücklich bin, in Kairo gewesen zu sein. Auch wenn es viele Dinge gab auf die man verzichten musste, hat es mich als Menschen dann doch schon geprägt und verändert, in eine Richtung, über die ich nicht traurig bin. 

Viel bleibt nicht zu sagen, außer einer Tatsache, die mir gestern Abend aufgefallen ist. In Kairo war ich dann immer doch froh zumindest kurz mal wieder nach Deutschland zu kommen, dieses Mal ist es anders. Also nicht so, dass ich mich nicht freue Familie und Freunde zu sehen, aber ich hätte auch ehrlich gesagt in Istanbul bleiben können. Dies hat verschiedene Gründe insbesondere mein immer präsentes schlechte Timing in einigen Lebensbereichen. 

Also das soll es mal wieder gewesen sein. Und der Eintrag ist in Rekordzeit geschrieben, trotzdem muss ich noch schnell ans Gate um zu schauen ob das Boarding schon gestartet ist. Falls nicht, dann bekommt ihr diesen viel zu introperspektivischen Eintrag noch vor dem Flug serviert. Also bis später. (Keine Ahnung was als nächstes kommt, vielleicht tobe ich mich endlich mal über FIFA und UEFA aus und schreibe, warum ich keine Turniere mehr anschaue oder aber, ich schreibe über was Banales, beispielsweise wie man bei Digimon für die Playstation am leichtesten zu einem Greyson kommt)

P.S Das Boarding war pünktlich (auch etwas was ich von Egyptair nicht gewöhnt war), deshalb kommt der Eintrag erst vom Berliner Flughafen. 

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