1000 km sind geschafft

Ich befinde mich gerade in Slowenien und habe mir gedacht, dass ich doch als leidenschaftlicher Radfahrer am Tag des Gewinnes der Tour de France durch einen Slowenen, diesen in dessen Heimatland verbringen sollte. Darum habe ich eine wohlverdiente Pause eingelegt, nachdem ich gestern auch die Schallmauer der 1000 km geknackt habe. Das bedeutet ich habe in den 7 Tagen, seit denen ich allein unterwegs bin, ungefähr 725 km geschafft. Dies ist deutlich über den von mir kalkulierten Wochendurchschnitt von 500 km. Somit kann ich weiterhin behaupten, dass ich vollkommen gut unterwegs bin und es hoffentlich safe zum Schulstart bis nach Istanbul schaffe.

Bisher habe ich nun also neben Polen, auch Tschechien und Österreich hinter mir gelassen. Und befinde mich somit im fünften Land meiner Tour, morgen wird dann schon das nächste Land, Kroatien, angefahren. Ich bewege mich somit auch auf neuen Wegen, da ich in diesen Ländern bisher noch nicht war. Überrascht haben mich die Deutschkenntnisse der Slowenen bisher. Der Weg bis hier her, war häufig der Europaradweg 9. Aber da ich mit Navi fahre, verlasse ich diesen auch häufig mal und fahre auf kleineren Radwegen oder nehme tolle Komoot-Abkürzungen, die darin enden, dass ich auf nahezu unbefahrenen Wegen lande oder Rampen hochfahren muss oder manchmal auch beides. In Österreich waren die Radwege aber einfach super und es lies sich die meiste Zeit richtig gut fahren. Jedoch stelle ich mir manchmal die Frage, ob die Menschen die Radwege planen oder festlegen wo diese verlaufen, auch selbst Rad fahren. Denn manchmal sind Radwege einfach unglaublich. Folgende Story: In Österreich musste ich einen Pass überfahren. Dieser war auf einer Höhe von 960 m. Der Anstieg dahin sollte knapp 9,5 km lang sein und mit 500 Höhenmetern versehen sein. Mathematiker erkennen einen Anstieg von durchschnittlich etwas unter 5 %. Klingt ja easy peasy. War es aber nicht ganz. Denn der Anstieg hatte noch ein Gefälle von 70 Höhenmetern mit drin, somit war das ganze Ding ein wenig steiler. Je nachdem wie viel Erfahrung ihr habt mit Radfahren, aber alles was über 10 % ist, ist schon verdammt steil. Selbst bei den Profis, wird es spätestens ab 12-13 % für alle fürchterlich anstrengend. Mein Anstieg hatte Rampen mit bis 16 % und war durchschnittlich auf den ersten 3 km bestimmt bei 8-10 %. Teilweise habe ich auf mein Navi geschaut und habe gesehen, dass ich den Berg gerade nahezu senkrecht zu den Höhenlinien hochfahre, also den maximalen Anstieg nehme. Gut getimed bin ich auch 13 Uhr da gefahren, bei entspannten 37 Grad. Und es gab kein Schatten, sondern nur Sonne. An der Rampe mit den 16 % war es dann auch das erste Mal soweit, dass ich dachte, ich schaffe einen Berg nicht. Ich war im einfachsten Gang und habe mich mit ungefähr 2 km/h vorwärts bewegt bei einem Puls von 170. Es war einfach barbarisch. Im Normalfall würde ich auch ohne Gepäck bei 16 % meine Probleme bekommen, aber mit 20 kg Anhänger hintendran, war das schon fast unmenschlich. Und das schlimmste, an so einer Stelle kannst du nicht einfach anhalten und eine kurze Pause machen. Denn ein erneutes Anfahren ist einfach unmöglich. Also gab es keine andere Option außer versuchen nicht nach links oder rechts umzukippen und da hochzukommen. Aber irwo habe ich in meinem Körper die Energie gefunden, weiter zu treten und nach gefühlt einer Ewigkeit habe ich es geschafft. Einen Tag später habe ich einen Radfahrer getroffen, der auch darüber musste und er hatte im Ort den Tipp bekommen, dass er auf der Bundesstraße bleiben sollte, die hätte maximal 8 % und hat einen breiten Seitenstreifen für Radfahrer! Und ich bin wie so ein Wahni mit Anhänger bei tropischer Hitze senkrecht den Berg hoch. Aber was will man machen. Doch hier genau die Frage, hatte die Person, die den Radwegverlauf festgelegt hatte, einfach keine Ahnung, dass 16 % maximal etwas für Rennfahrer und weniger für Radtouristen ist? Die einzige Alternative wäre, diese Person hat sadistische Züge.

Ein anderer spannender Tag, war der an dem ich geplant hatte, durch Wien zu fahren. Dieser Tag bestand aus 120 km und sollte am Anfang sehr hügelig sein, aber nach Wien dafür sehr entspannt. Die ersten 40 km waren auch super, es war zwar anstrengend aber dafür richtig gut zu fahren und sehr abwechslungreich. Ich fühlte mich gut und dachte, nichts kann mich stoppen und dann hörte ich ein metallisches klirren am Rad. Und wieder für Radanfänger: meistens kein gutes Zeichen. So auch dieses Mal. Eine Speiche war gerissen. Also musste ich einen Fahrradstore finden, der mir diese austauscht. Und nach 15 km wurde ich dann bei einem Intersport in einer riesigen Mall fündig. Diese tauschten mir die Speiche und ich konnte weiter nach Wien einfahren. War durch den Speichenriss, meine Laune schon etwas getrübter, wurde sie durch Wien noch viel schlimmer. Ich habe wieder festgestellt, wie wenig Spaß es macht, durch Städte zu fahren. Gefühlt habe ich mehr gestanden, als das ich gefahren bin. Es war einfach chaotisch, nochmal viel wärmer als ohnehin schon und Wien hat mich wieder nicht gecatcht. Keine Ahnung, ich war nun zum zweiten Mal dagewesen und finde die Stadt einfach nicht toll. Klar sie ist ästhetisch, aber ich finde sie absolut unschön. Auf alle Fälle brauchte ich mit der ganzen Warterei an den Ampeln fast 2 Stunden um durch Wien durchzukommen und als ich dann endlich wieder Natur vor mir hatte und mich riesig freute, hörte ich einen lauten Plopp. Und liebe Radanfänger auch hier gilt, kein gutes Zeichen. Ich drehte mich um und sah ein 7 cm langes Metallstück in meinem Reifen. Also war ein Schlauchwechsel angesagt. Durch Wien war ich bereits dehydriert und genervt und das war der krönende Abschluss des Tages. Aber ich wechselte den Reifen, fuhr zum nächsten Supermarkt und trank ungefähr 2 l in 30 min. Und fand dann Irwie den Spirit um noch die letzten 30 km in Angriff zu nehmen. Und tatsächlich schaffte ich es dann 19.15 Uhr auf dem Zielcampingplatz anzukommen.

Was bleibt ist für mich die Erkenntnis, dass ich es trotz verschiedener Widrigkeiten, sei es Untegrund, sei es Terrain, sei es Temperaturen jenseits der 35 Grad, sei es Pannen, sei es hässliche Städte oder sei es sadistische Fahrradwegroutenplanner zu meinem Ziel schaffen kann. Diese zwei Tage waren zwar unfassbar anstrengend, sowohl körperlich als auch mental, aber gaben mir einen ziemlichen Motivations- und Slebstbewusstseinsschub. Und ich blicke voller Vorfreude auf die nächsten Tage und Wochen mit den nächsten Herausforderungen. Also bis zum nächsten Mal.

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