Moin, moin. Zum ersten Mal seit langer Zeit melde ich mich wieder aus Istanbul. Das heißt ich bin angekommen. Nach 5 Wochen und 3 Tagen habe ich also meine Fahrradtour erfolgreich beendet. Hier im Beitrag erfahrt ihr, wie es mir in der letzten Woche ergangen ist und eine kleine (erste) Zusammenfassung meiner Tour. Also viel Spaß beim Lesen diesen Eintrages.
Für die letzte Woche stand nur noch die Strecke Thessaloniki – Istanbul auf dem Programm. „Nur noch“ ist dann doch etwas übertrieben. Immerhin sind das noch 650 km und knapp unter 5000 Höhenmeter. Hinzu kam, dass ich mir vorgenommen hatte, dies in 5 Tagen zu fahren, so dass ich am Freitag ankomme und dann das Wochenende in Istanbul verbringen konnte. Diese Planung brachte auch mit sich, dass die beide letzten Tage 150 und 160 km lang sind. Also alles in allem immer noch eine gute Herausforderung, die da vor mir lag. Aber ich kann es bereits vorweg nehmen, es war absolut erfolgreich. Auch wenn ich dann doch schon gut zu kämpfen hatte an manchen Tagen.
Mittlerweile war ich es ja fast gewöhnt bei hohen Temperaturen unterwegs zu sein, aber die Tage von Thessaloniki bis zur Grenze zur Türkei, waren einfach nochmal was anderes. Es war unbeschreiblich warm, an einem Tag zeigte mein Garmin eine Durchschnittstemperatur von 41 Grad an. Es war wirklich barbarisch. Besonders dann, wenn ich die Küste verlassen musste, waren die Temperaturen kaum noch auszuhalten. Ich hatte manchmal Tage, an denen ich nur noch 20-25 km zischen zwei Pausen schaffte. Ein weiterer Effekt bei solchen Temperaturen ist, dass die Schuhe und damit die Füße unfassbar warm werden und ich manchmal einfach eine Pause machen musste, um die Füße abzukühlen. Auch musste ich unfassbar viel Trinken. Meine Garmin berechnete an mehreren Tagen einen Schweißverlust von über 8 Litern. Was vollkommen absurd ist. Zusätzlich auch noch gefährlich. Denn neben den Flüssigkeitsverlust, der mit dem Schwitzen einhergeht, ist das größerer Problem der Verlust von Mineralstoffen und Salzen. Und hier kommt etwas interessantes und informatives. Wer 10 Liter Wasser trinkt und viel schwitzt, kann sterben, denn man überwässert den Körper und die Zellen. In der Fachsprache heißt es Hyponatriämie. Der Salzgehalt im Körper sinkt einfach zu stark ab. Daran sind schon Triathleten und andere extreme Ausdauersportler gestorben. Aber glücklicherweise ist mir dies nicht passiert.
Eine weitere Herausforderung stellte sich 450 km vor Istanbul ein: Wind. Wundervoller Wind. Und er wollte einfach nicht aufhören. Somit waren die letzten 3,5 Tage ausschließlich Gegenwind. Im Schnitt sagte die Wetterapp 20-30 km/h mit Windspitzen von bis zu 56 km/h. Teilweise fühlte sich das Fahren an wie in einer Sauna mit einem starken Föhn direkt vor mir an. Am Mittwoch war der Wind so stark, dass ich wirklich zu zweifeln begann, ob ich die beiden langen Etappen so schaffen kann. Aber glücklicherweise wurde es in Richtung Istanbul angenehmer mit der Temperatur, denn die Temperatur sank auf um die 30 Grad. So war führ mich klar, der Donnerstag ist der entscheidende Tag, wenn ich diese 160 km schaffe, dann kann freitags eigentlich nichts mehr schief gehen. Und der Donnerstag hatte es auch in sich, denn es ging im Prinzip nur bergauf/bergab. Da war praktisch kein ebenes Stück und so kamen nochmal 1600 Höhenmeter hinzu. Aber irwie schaffte ich es und quälte mich zum Zielort.
Der letzte Tag war dann interessant. Es standen immer noch 150 km vor mir. Es war immer noch starker Gegenwind. Und immer noch um die 30 Grad, auch wenn das vollkommen angenehm war. Aber an dem Tag kamen eigentlich nie Zweifel auf, ob ich es schaffen werde oder nicht. In mir wusste ich, dass ich es schaffen werde. Auch wenn es nochmal eine Rampe geben sollte. Und diese hatte es in sich. Da Istanbul so riesig ist, dass ich an der Stadtgrenze war und immer noch 50 km vor mir hatte, um zur Fähre kommen. Und der 2 km Anstieg mit bis zu 17% war nochmal eine krasse Nummer. Vor 4 Wochen wären ich mir unsicher gewesen, ob ich dies schaffen kann, aber an dem Tag war klar, ich fahr da jetzt eben schnell (oder weniger schnell) hoch. Am Ende musste ich mich noch durch den Verkehr kämpfen und dann war es geschafft. So richtig freuen konnte ich mich erst, als ich die Kurve nehmen konnte, die den Einblick in den Bosporus ermöglicht. Sonst war ich auf dieser Straße nur beim Halbmarathon unterwegs, dieses mal eben mit dem Rad. Ich hatte es auch perfekt getimed und kam genau 5 min vor der Fähre an und konnte entspannt übersetzen, dabei kam ich aus dem Grinsen kaum heraus. Und es war einfach alles perfekt. Einfach nur perfekt. Und am Ende konnte ich den Sonnenuntergang auf meinem Balkon anschauen.
Insgesamt bin ich nun an 30 Tagen 3245 km gefahren. Die restlichen 8 Tage waren Ruhetage. Während der Tour musste ich insgesamt 30 500 Höhenmeter überwinden. Für diese Strecke saß ich knapp 166 Stunden auf meinem Fahrrad. Ich hätte es also auch in 7 Tagen fahren können, wenn ich auf Schlaf verzichtet hätte. Dabei kam ich auf einen durchschnittlichen Kalorienverbrauch von 4300 kcal pro Tag. Spaßeshalber habe ich auch den geschätzten Schweißverlust ermittelt und komme auf 150 l. Also einfach mal eine Badewanne vollgeschwitzt.
Okay, dass soll es erstmal erst wieder gewesen sein. Freut euch schon mal auf den nächsten Beitrag, welcher ein Worst-of werden wird. Also bis zum nächsten Mal.