Worst of Fahrradtour

Hallöchen. Wie versprochen melde ich mich fast zeitnah wieder hier. Nachdem ich am Wochenende bereits wieder eine kleine Fahrradtour gemacht habe und es sehr genoßen habe, mal wieder ohne Gepäck unterwegs gewesen zu sein. Darum war die Zeit reif sich mal sehr selbstkritisch mit meiner Fahrradtour auseinanderzusetzen. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und ich glaube, dieses Mal wird es wirklich lustig. 

In diesem Beitrag soll es um richtig krasse Fehlentscheidungen gehen. Und nicht um kleine Fehler, die nun mal eben passieren, wie eine Solaranlage zu kaufen, die nach 10 Tagen nicht mehr funktioniert oder das Waschmittel nicht richtig zu zumachen und am dritten Tag somit alles im Anhänger verteilt zu haben. Das sind eben Dinge, die passieren. Oder vielleicht Dinge, die eben mir passieren. Aber an die bin ich gewöhnt. Hier soll es eher um Entscheidungen gehen, wo der Lesende sich fragen wird: Warum genau hat er das gemacht? Und um euch zu beruhigen, mittlerweile stelle ich mir diese Frage auch. Also Feuer frei. 

Zum warm werden starten wir mit einer kleinen Anekdote aus Kroatien. An meinem freien Tag in Zagreb hatte ich verschiedene Dinge, die ich erledigen wollte, unter anderem Fahrrad sauber machen und Wäsche waschen. Also habe ich auf meinem Weg zum Zeltplatz an einer Selbstbedienungswaschanlage gehalten. Diese funktionieren in der Regel mit Münzgeld, Waschanlagen auf Zeltplätzen aber oft auch. Ich hatte aber nicht mehr so viele Münzen mit mir. Also musste ich schnell sein was das Waschen des Fahrrads anging, damit ich dann noch Münzen für die Wäsche habe. Es klappte auch halbwegs gut. Als ich dann aus der Anlage heraus gefahren bin, sah ich einen Automaten. Und auf dem ersten Blick sah der Automat so aus, dass man einen Geldschein hereinschiebt und dann Münzen herausbekommt, also dachte ich perfekt, damit kannst du einen 5 Euroschein klein machen für die Wäsche. Also gedacht, gemacht. Der Schein war im Automaten. Jedoch kamen unten keine Eurostücke heraus. Sondern einfache Tokens, die man nutzen kann, um genau an dieser Waschanlage zu waschen, was ich ja jetzt nicht mehr machen musste, da ich ja das Fahrrad bereits gewaschen hatte. Und diese Tokens funktionieren auch anscheinend an keiner anderen Waschanlage (weltweit?!), ich habe es ausprobiert. Also hatte ich somit 5 Euro, in für mich wertlose, Token umgewandelt. Also wer immer mal in Zagreb sein Auto oder Fahrrad oder was auch immer waschen will, ich kann euch ein paar Token geben, immerhin habe ich diese ja noch 2000 km mitgeschleppt. Im Nachhinein hätte ich mir den Automaten auch einfach nur ein wenig genauer anschauen sollen, denn weiter unten stand da ganz groß das Wort Token. Aber naja. Leben geht weiter. 

Die Fehler sind aber nicht nur während der Fahrt entstanden sondern bereits schon vor der Fahrt. Aufmerksame Lesende haben ja mitbekommen, dass ich leichte Probleme mit meinen Speichen hatte. Daran bin ich unter anderem auch selbst schuld. Ich hatte dieses Problem schon auf meiner letzten Tour. Da wurde mir gesagt, es liegt an der Überbelastung des Hinterrads, durch die zu große Masse und die zu dünnen Reifen. Darum habe ich mir ja den Anhänger zugelegt, um das Hinterrad zu entlasten. Wie ihr seht hat das nicht unbedingt so funktioniert. Was unter anderem auch daran lag, dass ich mir dachte: hey beim letzten Mal waren die Reifen eigentlich schon zu dünn, warum nimmst du dieses mal nicht noch dünnere Reifen? Und genau das habe ich auch gemacht. Mal abgesehen davon, dass dies mit Sicherheit mein Speichenproblem verschärft hat, brachte es mir auch einfach null Traktion sobald ich den Asphalt verlassen habe, was bei einer 3000 km Tour überraschenderweise, das ein oder andere Mal vorkommt. Wer mag es glauben? Aber mittlerweile habe ich mir wieder dicke Reifen zugelegt und ihr könnt euch sicher sein, dass bei meiner nächsten Tour ich nicht nochmal mit dünnen Reifen unterwegs sein werde. Diese Lektion habe ich nun gelernt. 

Aber es geht weiter. Wie bereits beschrieben war Masse eine entscheidende Größe, die ich möglichst gering halten sollte. Und hier bin ich glorreich gescheitert. An so vielen Stellen. Am Ende lag mein Gesamtgewicht an Gepäck im übrigen bei 49 kg. Ich habe also bei den 30 000 Höhenmetern immer noch knapp 50 kg mit hoch gezogen. Wie ich zu so viel Gepäck gekommen bin? Ich kann es euch sagen. 500 g Pferdebalsam, welches ich fast nie benutzt habe ist ein Teil. Ein Tablett mitzunehmen, nur damit ich 3 Blogeinträge einfacher schreiben kann, leuchtet mir auch nicht mehr ganz so ein, die hätte man auch am Handy schreiben können. Aber keine Angst, es wird noch besser. Warum ich eine Fleecejacke, Mütze und Schal sowie zwei dicke Pullover mitgenommen habe, wenn ich in Region fahre, die im Sommer eher durch überdurchnittlich hohe Temperaturen bekannt ist, ist mir nun schleierhaft. Am Ende habe ich glaube 80% meiner Klamotten, die ich mithatte, nicht ein einziges Mal an. Aber auch das war noch nicht die unnötigste Sache, die ich mitgenommen hatte. Denn anscheinend hatte ich vor der Tour tatsächlich gedacht, dass ich nachdem ich 100 km an einem Tag gefahren bin, mein Zelt ab- und wieder aufgebaut hatte und vielleicht an einem schönen Strand liege, dass ich genau dann denke, oh jetzt hast du richtig Lust türkisch zu lernen. Deshalb habe ich mein 600g schweres Türkischbuch eingepackt. Falls ihr euch jetzt fragt, wie oft ich dieses geöffnet habe, die Antwortet lautet so: Egal welche natürliche Zahl (und 0) ihr euch gerade denkt, die tatsächliche Anzahl ist kleiner oder gleich eurer gedachten Zahl. Ich meine, es wäre ja auch vollkommen ausreichend gewesen, Duolingo auf dem Handy zu nutzen, während dieser Zeit. Aber nö, ich war überzeugt davon dass ich Grammatik lernen möchte. Eine absolut fragwürdige Einschätzung der Lage.

Aber ich glaube, ich kann auch dies noch toppen. In Kroatien habe ich festgestellt, dass ich von meinem Tolino (e-Book Reader), das Display zerstört hatte und nichts mehr ging. Das fällt bei mir wieder unter der Kategorie ärgerlich, aber passiert. Also wollte ich mir in Split, etwas zum Lesen kaufen. Dies war ungefähr auf der Hälfte meiner Tour. Also nach 3 Wochen und ich hatte mich nun mehr oder weniger entschieden, lieber ein wenig in den Bergen zu fahren. Also etwas anstrengender und vor allem langsamer, so dass ich mit Sicherheit nicht mehr Zeit haben werde. In den ersten 3 Wochen hatte ich es geschafft ungefähr 200 Seiten zu lesen. Also war klar, für die nächsten drei Wochen sollte ein Buch vollkommen ausreichen. Ich bin mit 3 Büchern aus der Buchhandlung rausgegangen. Und an dieser Stelle muss ich sagen, manchmal bewundere ich meinen Optimismus schon. Ich meine, ich hatte noch 3 Wochen, mit knapp 20 000 Höhenmetern und ich war davon überzeugt, dass ich jetzt mein Lesevolumen deutlich vergrößere und auf einmal ein Buch pro Woche lese. Ich kann es mir wirklich nicht mehr erklären. Aber jetzt das Beste. Die Bücher bildeten eine Serie. Aber ich habe nicht die Bücher 1, 2 und 3 gekauft. Nein, trotz googeln der richtigen Reihenfolge habe ich die Bücher 1, 2 und 4 gekauft. Vollkommen verpeilt. Und jetzt wieder die spannende Frage wieviele Bücher habe ich geschafft zu lesen in den 3 Wochen. Und die Antwort lautet so: Egal welche natürliche Zahl (und 0) ihr euch gerade denkt, … . 

Neben den anderen absurden Fehleinschätzungen meiner Tour, beispielsweise mit der Roamingproblematik und den Grenzübergängen, die ich schon bereits in anderen Beiträgen beschrieben hatte, seht ihr, dass ich auch sehr viel aus dieser Tour lernen konnte. Dinge, die ich beim nächsten Mal sicherlich besser machen werde, aber sicherlich wird es auch dann wieder Fehler geben, die ich machen werde. Was ich mit dem Beitrage aber bezwecken möchten, neben dem Kopfschütteln und der Frage: Was ist verkehrt mit ihm? Ist die Vermittlung der folgende Message: Jeder kann so eine Tour machen. Ihr seht wie viele doofe Entscheidungen ich getroffen habe und glaubt mir, wenn ich euch sage, dass ist nur ein Ausschnitt und trotzdem bin ich angekommen. Dann kann das auch jeder andere. Und im nächsten Beitrag werde ich euch sagen, warum genau auch ihr das machen solltet. 

Ich hoffe ihr hattet genauso viel Spaß beim Lesen wie ich beim Schreiben. Und bis zum nächsten Mal. See you 🙂 

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