Hallöchen aus Antalya. Ich melde mich am Vorabend meines ersten Ultramarathons. Vollkommen durch den Wind nach einer ereignisreichen Woche, mit einigen Hoch- und Tiefpunkten aber mittlerweile mit recht großer Zuversicht, dass ich morgen dann tatsächlich an den Start des Ultramarathon, auf den ich mich nun schon seit einer Weile vorbereite, gehen kann. Also seid gespannt auf die folgenden Erzählungen, die wohl wieder einiges an Kopfschütteln auslösen könnten.
Alles begann damit, dass man für diesen Lauf einiges an zusätzlichen Materialien mit sich tragen muss: Trinkblasen, eine Wärmefolie, Feuerzeug, Pfeife und Erste-Hilfe-Sachen usw. Das wusste ich natürlich auch, weil ich es mir bei der Anmeldung mal kurz durchgelesen hatte. Und es stellte auch absolut kein Problem da, sowas zu bekommen. Bis auf eine kleine aber recht wichtige Sache: eine ärztliche Gesundheitsbescheinigung. Ich bin davon ausgegangen, dass ich das ganz schnell irwo bei einem Arzt bekomme. Aber leider war das eine katastrophale Fehleinschätzung. Aber es geht ja nicht darum jetzt mit dem Finger auf jemanden (eventuell mich) zu zeigen, der was falsch gemacht hat, sondern Lösungen zu finden. Ich habe mit einiger Hilfe, es hinbekommen einen Termin in einem staatlichen türkischen Krankenhaus zu buchen, was super funktionierte und am 24. bin ich dann auch noch mit voller Zuversicht hingefahren, wurde aber bitter enttäuscht, denn die Person, zu der ich reingekommen bin, sagte mir, dass mir nur ein Kardiologe ein solches Attest ausstellen kann. Dafür brauche ich aber wieder einen Termin und den gab es diese Woche nicht mehr. Also nahm ich Kontakt zu dem Veranstalter auf und der sagte mir, ich brauche das Attest ansonsten wird das nichts, aber eine einfache Bescheinigung von einem Hausarzt reicht aus. Also habe ich überlegt, was ich als nächstes machen kann. Die nächste Idee, wieder durch ein wenig Hilfe: private Krankenhäuser. Also habe ich am 25. dann 5 Krankenhäuser besucht. Und daraus könnt ihr schon mal schlussfolgern, dass es bei mindestens 4 nicht geklappt hat. Aber da ja alle guten Dinge, bekanntlich 5 sind, hat es beim fünften natürlich nicht funktioniert. Also habe ich nochmal einen Termin bei einem staatlichen Arzt gebucht und erwischte dann zum ersten Mal jemanden, der Englisch sprechen konnte. Er konnte mir dann immerhin sagen, dass er mir keins ausstellen kann, weil er kein Arzt ist. Was irwie komisch ist, da er im Krankenhaus hinter dem Bürotisch saß und ich vor ihm. Aber ich habe es so hingenommen. Leider war ich nun noch keinen Schritt weiter in Sachen ärztliches Attest. Mir blieb nur noch eine Option: KI und Word. Und mit allen meinen IT-Skills erstellte ich mir ein ärztliches Attest von Dr. Münchhausen, damit ich an diesem Lauf teilnehmen kann. (Ich hoffe, dass niemand von dem Lauf, meinen Blog liest :D). Ich hatte es mir nie so schwer vorgestellt, an einem Ultramarathon teilzunehmen. Also reiste ich mit etwas Nervosität nach Antalya.
Heute Nachmittag bin ich dann zur Registration gegangen. Da stellte ich fest, dass ich vielleicht doch mal die Nachrichten lesen sollte, die von den Organisatoren gesendet wurden. Denn anscheinend sollte man bereits bei der Registration alle geforderten Materialien zeigen (warum auch immer) und ich hatte glaube nur 3 mit. Von ungefähr 15. Also brauchte ich ne gute Ausrede. Und naja da hat mal wieder meine Spitzbübigkeit geholfen: Ich erklärte der Dame, dass mein Gepäck am Flughafen verloren gegangen ist und ich es gleich abholen gehe und deshalb einiges fehlt. Und kam damit durch. Ohne das Attest!!! Ja, morgen muss ich auch nochmal das Material zeigen, aber ich glaube im Dunkeln wird kaum jemand die Echtheit meines ärztlichen Attests anzweifeln. Also hätte ich mir gar nicht so viele Gedanken machen müssen. Und somit bin ich nun endlich im Lauf drin, inšallah. Ich hatte übrigens auch einen Plan B, falls sie mich nicht starten hätten lassen: Dann wäre ich einfach selbst einen Ultramarathon gelaufen. Aber so ist es ja dann vom Erlebnis her, doch ein wenig schöner.
Bei der Registration habe ich auch erfahren, dass die Startzeit von ursprünglich 04.30 Uhr auf 07.30 Uhr verschoben wurde. Absoluter Fan davon. Ich stehe zwar schon gern früh auf, aber um 3 aufstehen mir 1000 kcal reinwerfen, um dann 57 km zu rennen, klingt nicht nach einen gemütlichen Samstagmorgen. Okay, das Ganze 3 Stunden später zu machen, ändert jetzt nicht so viel, aber ich habe immerhin 3 Stunden mehr geschlafen. Des Weiteren wurde der Kurs geändert. Begründung heftige Schneefälle, so das die Route nicht mehr sicher ist. Da kommt ein weiterer Punkt meiner doch eher mangelhaften Vorbereitung zu tragen: Ich hatte erst vor 6 Tagen herausgefunden, dass die Route doch über 2000 Höhenmeter hoch geht und insgesamt 2600 Höhenmeter zu bewältigen sind. Ich bin immer von 1000 bis 1500 ausgegangen. Durch die neue Route sind es nun 1900 Höhenmeter, aber viel mehr Meter nach unten, was ich ehrlich gesagt, nicht ganz so cool finde. Aber naja was soll es. Vielleicht hätte man da in der Vorbereitung mal am Berg trainieren sollen.
Apropos Dinge, die man vorher lieber mal hätte ausprobieren sollen: Rennen mit dem neuen Rucksack. Ich hatte mir im Sommer einen Rucksack gekauft und diesen bisher nicht ausprobiert. Ich bin mir also über folgende Dinge vollkommen unklar: a) bekomme ich alle geforderten Materialien in meinen Rucksack und b) kann ich mit dem Rucksack rennen. Also absolut top vorbereitet. Aber ein wenig Nervenkitzel ist ja auch nicht schlecht. Im Allgemeinen habe ich zwar ziemlich die Hosen voll, da es immer noch viele Unbekannte für morgen gibt. Aber da ich die erste Hürde, die Startnummer bekommen, bereits geschafft habe, bin ich optimistisch auch alle morgigen Hindernisse zu bewältigen und meinen ersten Ultra zu rennen und auch zu beenden. Also wünscht mir morgen viel Erfolg und Beine, die nicht aufhören sich zu bewegen, auch wenn es weh tut und wenn ich mir eines sicher bin, dann dass ich morgen Schmerz ertragen muss.
Also bis nach dem Ultramarathon, wir schauen mal wie viele Tage ich brauche, um mich von dem Lauf zu erholen und mich wieder hier zu melden. 😀