Hallo. Nach gefühlt einer Ewigkeit melde ich mich mal wieder hier. Warum es so lange gedauert hat, kann ich selbst nicht ganz beantworten. Ich habe sehr oft gedacht, eigentlich könntest du mal wieder was schreiben, aber dann ist es nie dazu gekommen. Mal, weil mir die Zeit gefehlt hat, oft auch die Motivation fehlte und oft hielt ich meine Ideen einfach für belanglos und langweilig. Vermutlich hätte ich aber auch einfach öfter einfach drauf los schreiben und nicht zu viel drüber nachdenken sollen.
Auch gerade fällt es mir schwer einen passenden Eintrag zu schreiben und ich bin schon kurz davor es wieder sein zu lassen. Jedoch versuche ich mich gerade mal da durchzukämpfen und hoffe, dass es gleich besser wird. Und falls nicht, dann werdet ihr es nie erfahren, da ihr ja nicht wisst, wann ich begonnen habe diesen Eintrag zu schreiben. (Nachtrag es hat 2 Tage gedauert fertig zu werden damit.)
Aber als großer Fan von Daniel Sloss glaube ich an die Kraft von Humor und mein letztes Wochenende war mit Sicherheit sehr humorvoll. Alles begann damit, dass ich mich vor geraumer Zeit für ein Fahrradrennen in der Nähe von Bursa angemeldet habe. Gerade jetzt habe ich mich auf die notwendige Ablenkung gefreut. Das Rennen stellte auch eine Premiere für mich da, denn es war mein erstes echte Radrennen. Mit Sicherheit wird es für immer in Erinnerung bleiben.
Die Vorbereitung begann damit, dass ich am Freitag begann mein Fahrrad vorzubereiten und dies zumindest im Rahmen meiner technischen Fähigkeiten. Dabei wollte ich auch eine neue Kette aufziehen, denn die alte war mehr als überfällig. Die neue Kette hatte ich bereits Mittwoch per Post bekommen. Also entfernte ich die alte und nach einer großen Radreinigung wollte ich die neue Kette aufziehen. Das erste Problem lag darin, dass ich es innerhalb von zwei Tagen geschafft hatte, den mitgelieferten Quick-Link-Verschluss zu verlieren. Nachdem ich mich 5 Minuten über mich selbst aufgeregt hatte, habe ich mich damit abfinden müssen und dachte, ich kann es einfach mit den Nieten, die ich noch da hatte, verschließen. Dies klappte auch wunderbar, bis ich feststellte, dass die Nieten zu lang waren. Da ich aber keine andere Option hatte, musste ich diese zu lange Niete drin lassen, was logischerweise dazu führte, dass ich nun ein permanentes Klappern an der Kette hatte, was natürlich ziemlich kacke ist. Da es bereits so spät war, dass ich das Problem nicht mehr in Istanbul lösen konnte, war der Plan einen Tag später in Bursa einen Fahrradladen zu finden.
Also ging es am nächsten Tag nach Bursa. Diese Reise bestand aus einer Fährfahrt und dann hatte ich geplant die restlichen 25 km mit dem Rad zu fahren. Gesagt, getan. Komoot lieferte eine Rennradroute und zack ging es los. Und nach 5 km befand ich mich bergauf auf Gravel. Und ich wurde dezent wütend auf Komoot. Denn ich hatte absolut keine Lust auf einen Platten, aber glücklicherweise schaffte ich es ohne diesen. Anschließend musste ich nur noch ein paar weitere Abschnitte, in denen ich schieben oder gesperrte Brücken überqueren sollte, durchqueren und dann gelangte ich nach Bursa. Später fand ich heraus, dass es auch einen Shuttle nach Bursa gegeben hätte und ich mir die Fahrt hätte sparen können. Aber im Vergleich zu meiner ersten Reise nach Bursa war dies schon eine deutliche Verbesserung, damals musste ich noch 145 km Rad fahren, weil ich kein Fährticket gekauft hatte.
In Bursa konnte ich auch gleich mein Fahrradproblem lösen. Und machte mich auf den Weg um meine Startnummer zu bekommen. Auch dies klappte relativ reibungslos. Zumindest bis zu der Frage, wo mein Gesundheitszertifikat ist. Dies erwischte mich kalt, denn ehrlicherweise dachte ich für 84 km Radfahren, da braucht man sowas nicht. Also musste ich schnell was aus dem Hut zaubern. Glücklicherweise hatte ich noch mein gefaktes Gesundheitszeugnis vom IEL-Run (ich hoffe, ich werde jetzt nicht vom IEL-Run disqualifiziert.) Dieses war auf Englisch und zum Glück konnte die Person kein Englisch oder nur wenig und akzeptierte, mein Gesundheitszeugnis – für einen Lauf. Das Glück ist mit den Doofen.
Nachdem ich dann irgendwann offiziell angemeldet war, ging es einkaufen, damit ich dann abends in meinem AirBnB mir ausreichend essen kochen konnte. Natürlich sollte es Pasta geben. Als ich dann in der Wohnung war und anfangen wollte essen zu kochen, stellte ich fest, dass ich zwar ein Kochfeld habe, aber leider keine Töpfe zum essen kochen. Also musste ich meine Einkäufe dann stehen lassen und essen bestellen. Weniger zufriedenstellend aber welche andere Optionen waren da?!
Die Nacht war wenig erholsam, was zum Einen an meiner Aufregung und zum Anderen an der Tatsache lag, dass meine Wohnung direkt neben einer Schnellstraße lag. Aber immerhin konnte ich so nicht verschlafen. Ich erreichte dann auch ausreichend früh das Startareal und konnte dann auch herausfinden, wo die ganzen Objekte, die ich mit den Startunterlagen bekommen hatte, am Rad anzubringen sind. Dann ging es zum Startbereich, weil auch alle anderen dahin gegangen sind und weil ich wenig Lust auf Drängelei hatte, stellt ich mich einfach sehr weit hinten an. Und dann ging es auch schon los. Und die ersten Reihen sind losgefahren. Aber auf einmal wurde der Start angehalten, was ich nicht ganz verstand, aber ich dachte es gibt verschiedene Startwellen, um den Verkehr geringer zu halten (Was bei maximal 200-300 Fahrern eigentlich kein Problem sein sollte). Also stand ich dann, auch zwischen Menschen rum und wartete entspannt auf die nächste Welle. Plötzlich sagte mir mein Nebenmann, dass der erste Start der lange Kurs war und jetzt hier nur noch die Leute sind, die den kurzen Kurs fahren. Ich hatte mich natürlich für den langen Kurs angemeldet. Also die Leute, die nun schon seit 5 min abgefahren waren. Also stand ich da, konnte nicht vor und nicht zurück und war überfordert mit der Gesamtsituation. Glücklicherweise gab es noch zwei andere, die den Start verpasst hatten und gemeinsam bahnten wir uns den Weg durch die Leute, um dann doch zu starten. Also startete ich dann mein Rennen mit gut 5 min Verspätung.
Also mit ausreichende Motivation ging die Aufholjagd los. Die Strecke war 84 km lang und hatte insgesamt 1200 Höhenmeter. Also an sich keine alt so große Herausforderung, jedoch habe ich noch nie probiert auf dem Rad so etwas so schnell wie möglich zu fahren. Sondern bei meinen Bikepack-Touren fahre ich ja eher entspannt. Darum habe ich mich am Anfang viel auf meine Wattmeter in den Pedalen verlassen, um die richtige Kombination aus pushen und Kraft sparen zu finden. Im Nachhinein hätte ich vermutlich ein wenig mehr pushen können, jedoch bin ich absolut zufrieden, mit meiner Leistung. Das spannende beim dem Renne war die folgende Erkenntnis: ich bin da gut, wo ich eigentlich schlecht sein sollte und da schlecht wo ich eigentlich gut sein sollte. Also normalerweise sollte ich aufgrund meiner Masse, ein ziemlich mieser Bergfahrer sein, aber dafür beim Bergabfahren ein Crack sein. Tatsächlich war es andersrum, beim Hochfahren überholte ich im gesamten Rennen andere Fahrer, die dann später beim Runterfahren wieder zurückkamen. Aber vermutlich mag ich die Berge einfach zu sehr, dass ich auf dem Novizenniveau, auf dem ich mich befinde, es ausreicht, um andere zu überholen.
Auf alle Fälle ging es so die gesamte Tour, sobald es nach oben ging, konnte ich Platz um Platz gut machen. Nur dann kam 25 km vor dem Ziel ein kleines Problem auf. Die angesprochenen Wattmeter in meinen Pedalen gaben den Geist auf (später habe ich herausgefunden, dass sowieso nur das Linke ging und das Rechte gar nicht erst anging). Rückblickend hätte ich einfach die Batteriewarnung, die ich nun seit 2 Wochen bekommen habe einfach ein wenig ernster nehmen sollen. Also suboptimal dass meine 700 Euro Pedalen, die als Sinn nur diese Wattmeter haben, genau im ersten Rennen ihren Funktion aufgeben. Aber irwie passt es auch absolut zu mir. Also war der Plan für die letzten 25 km einfach Gefühl zu fahren und das klappte auch super und ich konnte einen neuen Rekord für 30 km aufstellen, den ich fuhr diesen mit einem 33er Schnitt. Und nein es ging nicht nur bergab.
Am Ende des Tages war es ein tolles Erlebnis und Erfahrung. Es war das erste Radrennen an dem ich teilgenommen habe und ich freue mich bereits auf das nächste Rennen, welches dann hier in Istanbul stattfinden sollte. Es gab mir auch ausreichend Selbstbewusstsein für meinen Ironman im November. Mittlerweile bin ich überzeugt, dass ich die 90 km Radfahren mit anschließen Halbmarathon gut schaffen kann. Jetzt gilt es im Sommer das Schwimmen hinzubekommen, so dass ich da zumindest innerhalb der Cut-off time ans Ufer komme.
Okay das soll es mal wieder gewesen sein. Es hat sehr lange gedauert, diesen Eintrag zu schreiben. Entgegen der üblichen Tradition verspreche ich mal nicht mich bald wieder zu melden, vielleicht hilft das ja, mich tatsächlich mal wieder ehr zu melden. Zumindest hat das Schreiben, mir nach schwierigen Beginn dann doch Spaß gemacht.