Before sacrifice festival

Salam aus Dokki. Nach einigen aufregenden Tagen melde ich mich mal wieder aus der Stadt der Unterschiede. Mittlerweile kann ich auch erste Erfolge vermelden. Denn ich benötige keine halbe Ewigkeit mehr für das Überqueren einer Straße. Was auch nicht an meiner mangelhaften Koordination liegt, sondern am Nichtvorhandensein von Regeln im Straßenverkehr. Also praktisch das gleiche Problem wie bei manchen Klassen im Unterricht. Neben dieser recht essentiellen Fähigkeit des alltäglichen Überlebens, darf ich euch mitteilen, dass ich bereits ein Appartement gefunden habe. Dieses scheint auf den ersten Blick genial. Ich hoffe, dass sich dieser Eindruck dann auch beim Einzug bestätigt. (Bilder zum Penthouse kommen dann nächste Woche)

Das für mich absolut neue bei der Abwicklung der Einmietung, ist die Bezahlung. Morgen zur Vertragsunterzeichnung muss ich sowohl die erste Miete, die Kaution sowie die Maklergebühren bezahlen. An sich kein Ding, jedoch soll dies auch alles bar geschehen. Auch das erscheint erstmal unproblematisch. Wird aber zum Problem, wenn man 36000 Pfund mit 200er, 100er und 50er Scheinen bezahlen muss. Für diejenigen, die nicht die gleichen Gefühle für Mathematik hegen wie ich, das sind ungefähr 200 Scheine. Also gehe ich morgen mit drei fetten Geldbündeln zu der Vertragsunterzeichnung, aber ich wollte ja schon immer mal ein wenig auf EL Capone machen. Auch die Beschaffung dieser Menge an Geld war nicht so leicht wie aus Deutschland gewöhnt. An einem örtlichen Geldautomaten kann man sich mit einer Abhebung maximal 2000 Pfund auszahlen lassen. Auch hier greife ich mal den Kopfrechenverweigeren vor, es waren 18 Abhebungen notwendig. Zum Glück weiß meine Bank von meiner Aussiedlung.  Aber jetzt stellt man sich ja die Frage: „Warum ist das so?“. Die Antwort ist recht simpel, für Kaironesen (ja ich nenne sie immer noch so, das arabische Wort wäre Qahiry) reicht das vollkommen aus. Die 2000 Pfund, was ungefähr 100 € entspricht (der erste der mir den Umrechnungskurs ausrechnet, bekommt ne Postkarte), sind für die Verhältnisse hier sehr, sehr viel Geld. Und ich lebe hier im Prinzip vollkommen über den lokalen Verhältnissen. Auf der einen Seite ist es mal ganz angenehm, nach 6 Jahren Studium und 2 Jahren Ref mal etwas mehr Geld zu haben, aber auf der anderen Seite fühlt man sich auch ein wenig schlecht, wenn man sieht in welcher Armut die Menschen hier teilweise leben. Für manche sind hier schon 5 oder 10 Pfund eine Menge Geld.

Auch als ich heute mal aus meinem Viertel herausgefahren bin und mal die Stadtränder gesehen habe, wäre das für deutsche Verhältnisse einfach unvorstellbar. Neben der extrem dichten Bebauung sind 75% der Gebäude hier nicht fertig gestellt. Fenster fehlen im Großteil der Wohnungen, Gebäude hören einfach auf ohne ein Dach zu besitzen. Müll liegt auf alle Straßen rum oder wird in Gewässer geworfen. Menschen bewegen sich mit von Pferden gezogenen Karren vorwärts. Und man selbst sitzt in einem klimatisierten Auto eines Uberfahrers und zahlt für eine 30 km lange Fahrt etwa 7 €, um in ein Einkaufscenter zu kommen, in dem ein Rodelberg mit Schnee ist. Dies beschreibt diese Stadt und die Verhältnisse in dieser Stadt sehr gut. Auch beim Blick vom Cairo Tower  aus, sind diese Gegensätze von arm und reich zu sehen. Sobald man ein gut erhaltenes, modernes Gebäude sieht, war der Hotelname nicht weit weg. Alles andere wird mehr oder weniger verwahrlost. Umso verwunderlicher finde ich dann die Freundlichkeit der Qahiry. Neben den vielen Blicken, die ich immer noch bekomme, lächeln mich hier fast alle Menschen an. Heute hat mir einer junger Mann nachgerufen, nur damit ich ihm mal zuwinke. Und all das obwohl alle wissen, dass ich sehr viel wohlhabender bin als sie.

Mein aktuelles Leben ist, trotz bereits laufenden Arbeitsvertrages, eher als Urlaub zu beschreiben. Am Morgen steht immer ein kleines Sportprogramm auf dem Sportplatz und dem Swimmingpool der Schule an. Doch heute war dies vom ersten Augenblick anders als sonst. Eine seltsame Ruhe, bei der maximal Vogelgezwitscher zu vernehmen war. Das gab es sonst nicht. Als ich dann los bin um zum Einkaufszentrum zu kommen, waren die Straßen für kaironesische Verhältnisse praktisch leergefegt. Die Fahrt ohne einen einzigen Stau oder Hupkonzert. Die Krönung war dann das Einkaufszentrum, gefühlt so groß wie ganz Dresden, und ich war da der einzige Besucher. Diese Ruhe und Einsamkeit war ich aber absolut nicht mehr gewöhnt, so dass ich mich anfangs wirklich unwohl gefühlt habe und mich nach der Hektik, dem Stress und dem Menschengewussel der letzten Tage gesehnt habe. Aber dank eines Kaironesen, kann ich die Umstände nun erklären. Für das morgen beginnende Opferfest (Festival of sacrifice) fahren die Ägypter zu ihren Familien und Lieben, welche mehrheitlich im Norden leben. So dass Kairo nahezu „leer“ ist. Dieses Opferfest bescherte mir heute auch noch ein ganz besonderes Schnäppchen. Ich wollte mir heute im Supermarkt Rindfleisch kaufen, und habe eine Packung genommen ohne groß weiter auf den Preis zu achten, da haben die 800 g mal eben lockere 7,50 € gekostet. Es bleibt zu hoffen, dass das Rind der Leo Messi unter den Rindern war. Zum Vergleich was man hier sonst für das gleiche Geld bekommt: 30 km Taxifahrt, eine Mahlzeit mit kleinem Getränk in einer guten Gaststätte, 7 große Kuschary (davon wird man 7-mal satt) oder etwa 140 ägyptische Pizzen.

Ich melde mich dann nach dem wohl recht aufregenden und einprägsamen Erlebnisses des Opferfestes wieder.

 

4 Kommentare zu „Before sacrifice festival

  1. Hey ^^

    Der Kurs schwankt täglich. 2000 LE sind gerade 97,16€.

    Die Preise für Fleisch sind leider sehr stark gestiegen und „normal“. Zwar kann sich nun kaum jemand dieses Luxusgut leisten, aber auch das ist Ägypten.

    Du warst in der „Mall of Egyp“t 🙂 Da war ich auch schon. Da fehlen aber noch einige Geschäfte und richtig voll ist sie eigentlich. Die meisten fahren zur „Cairo Festival City Mall“ oder zur „Mall of Arabia“.

    Na, da bin ich ja gespannt was du noch so alles erlebst ^^

    Liebe Grüße,

    Donatha

    Like

  2. Hi Rici,

    richtig cooler Blog und total interessant. Ägypten fasziniert mich ja total, deswegen werde ich deine Beträge mit Begeisterung verfolgen.

    David hatte mir mal erzählt dass du nach Ägypten gehst. Hab eine gute Zeit! Ich freue mich auf die Beiträge und die Postkarte – ca. 20 ist der Kurs. War richtig schwer. 😉

    Gruß Marcus

    Like

    1. Hey Kacki 😜

      Also erstmal Dankeschön. Ja ist auch eine unglaublich faszinierende Stadt und sehr angenehme Menschen hier.

      Du hast natürlich recht, aber wer sagt dir, dass du erste warst?! 🤷🏼‍♂️

      Grüße

      Like

Hinterlasse einen Kommentar