Ein unvergesslicher Zoobesuch

Mittlerweile bin ich nun schon über eine Woche in Kairo und arbeite mich durch die typischen Touristenhotspots der Stadt unter anderem habe ich mittlerweile das ägyptische Museum, den Tahrirplatz (Stichwort arabischer Frühling), den Khan Al Khalili (einer der ältesten Basare der arabischen Welt) und den Cairotower besucht. Morgen steht dann das erste Mal die Annäherung an die Pyramiden an. Doch berichten möchte ich euch heute von meinem einprägsamen Erlebnis im Zoo von Gizeh, wo eben auch dieses Foto entstanden ist.
Meine Schule, in der ich mich immer noch befinde, ist etwa 5 Minuten vom Zoo entfernt. Und natürlich wollte ich diesen dann auch mal begutachten. Nach kurzer Internetrecherche wusste ich, dass sich der Zoo durch Einfallsreichtum und Kreativität auszeichnet. So wurde vor geraumer Zeit eben mal ein Esel schwarz und weiß angemalt, damit man ein Zebra präsentieren kann. Nur doof, dass es in Kairo dann doch auch mal regnet und die Farbe anscheinend nicht wasserfest war.

Nichtsdestotrotz und voller Vorfreude vielleicht mal einen Zoo der anderen Art und Weise sehen zu können, beschloss ich dahin zu gehen. Der Eintritt von 1 € fiel nicht so sehr ins Gewicht, zumal ich der Kassiererin, mit meinem mittlerweile 25 Wörter umfassenden Arabischwortschatz, ein Lächeln ins Gesicht zaubern konnte. Die Frage bleibt, ob es ein Mitleidslächeln war oder wirklich Freude. Ägypter zahlen übrigens nur 25 Cent Eintritt. Dementsprechend voll war der Zoo auch. Und anders als Deutsche, die in den Zoo gehen, um auch wirklich die Tiere zu sehen, scheint der Zoo für Ägypter eine Möglichkeit, mit der gesamten Familie einen Ausflug ins „Grüne“ zu unternehmen. Zum Großteil wurde da ein familiäres Picknick veranstaltet. Das war teilweise ein komischer Anblick. Dadurch wurde jedoch das ägyptische Müllproblem auch in den Zoo transportiert. Überall lag Abfall und Müll rum, ein Anblick an den man sich in Kairo gewöhnen muss.

Über den Zoo an sich möchte ich nicht so viele Worte verlieren, außer das artgerechte Haltung sicherlich anders aussieht. Die Gehege waren teilweise zugemüllt, fast immer zu klein und die Tiere mussten posieren wenn ihre Wärter entsprechendes Bakschisch erhalten haben. Und zu Zebras mutierte Esel durfte ich auch nicht bewundern.

Aufgrund der Ferienzeit war der Zoo übervoll. Und mittendrin ich. Groß, blond und helle Haut. Ich bin also in der Masse etwas aufgefallen. Anfangs zeigte sich das vor allem durch neugierige Blicke von Kindern und teilweise auch von Erwachsenen. Ich, solch viele freundliche Blicke von Menschen eigentlich nicht gewöhnt, habe erstmal meine Klamotten nach einem möglichen Essensmalheur, was gar nicht so unwahrscheinlich ist, kontrolliert. Aber es konnte nichts peinliches gefunden werden. Also noch schnell das Gesicht mit Wasser abgewaschen um da etwaige Essensspuren zu entfernen. Jedoch blieben auch jetzt die vielen Blicke, meistens mit einem Lachen und anschließenden Tuscheln mit den Bekannten nicht aus. Es konnte also nur noch eine Erklärung geben, dass Raketenvideo hat es bis nach Kairo geschafft.

Aber anscheinend bringe ich etwas mit, was die Leute hier echt fasziniert. Vermutlich die blonden Haare, die hier in der Sonne echt verdammt hell aussehen. Das Anschauen war also nun ein ständiger Begleiter. Am Anfang noch unsicher ob ich das nervig oder cool finden würde, entschied ich mich ziemlich schnell für cool und fühlte mich wie so Möchtegern C-Promi . Als ich dann am Löwengehege angekommen bin, traf ich auf eine Gruppe junger Erwachsener meines Alters, die mich regelrecht angestarrt haben. Nach kurzen Lachen meinerseits und damit verbundenen weitergehen, wurde ich von dieser Gruppe dann nach einem Bild mit mir gefragt. Ich! Der vermutlich unfotogenste Mensch der Welt. Aber vollkommen euphorisiert das Menschen mich nach einem Bild fragen, stimmte natürlich zu. Die Folgen dieser Zusage war eine Menge von 10 anderen Leuten, die ebenfalls ein Bild mit mir wollten. Also hatte ich den Löwen mal kurz die Show gestohlen und bin zum Fotomodel mutiert. Anschließend als ich das erste Fotoshooting geschafft hatte, musste ich erstmal tierisch (HAHA!) lachen. Vollkommen unvorstellbar diese Situation in Deutschland. Im weiteren Verlauf meines Zoobesuches durfte ich immer wieder für Fotos bereitstehen, mir wurde die Hand geschüttelt oder es wurde nach meinem Namen gefragt. Alles auf eine sehr nette und sehr freundliche Art und Weise. Trotzdem für mich, sehr ungewohnt und teilweise auch ein wenig unangenehm. Da dies dann doch alles sehr skurril war.

Gegen Ende meines Besuches habe ich auf einer Tafel gesehen, dass es noch ein Rhinozeros geben solle, das ich dann auch noch sehen wollte. Leider konnte ich dieses nicht finden. Ich vermute aber auch, dass kein Esel fett genug war, ein Rhino zu spielen. Aber auf meiner Suche kam ich an einer Gruppe Jugendlicher vorbei, die gerade etwas Musik machten und tanzten. Ich schaute mir dieses Spektakel kurz aus ungefähr 10 m Entfernung an. Jedoch blieb ich nicht lange unbeobachtet und erste Blicke gingen in meine Richtung. Wenige Sekunden später zogen mich 5 Jugendliche in deren Mitte und ich wurde zum Tanzen aufgefordert. Neben dem Talent auf Bildern schlecht auszusehen, ist das schlechte Tanzen ein weiteres Erkennungsmerkmal von mir. Also kurz mal ein paar schreckliche Moves ausgepackt, die ausreichten um die Menge von locker 50 Menschen zum Grölen zu bringen. Nachdem ich dann langsam um mich herumblickte, stellte ich fest, dass dies genau so eine Situation war, vor denen wir beim Sicherheitstraining gewarnt wurde. Also beschloss ich die Situation so unauffällig wie möglich zu verlassen: endlich selbst mal ein Selfie machen. Dies löste dann natürlich wieder ein kleines Fotoshooting aus. Aber ich konnte mir langsam den Weg nach außen arbeiten.

Auch die nächsten Tage wurde ich immer wieder gefragt, ob ich für ein Bild zu haben bin. Ja ich weiß, dass klingt alles ziemlich unvorstellbar, auch meine Kollegen dachten so. Bis sie am Khan al Khalili Augenzeuge davon wurden. Da ich bezweifle, dass dies abnimmt, bin ich für Tipps wie man auf Selfies gut aussieht, sehr dankbar. Denn wenn ich schon auf den Smartphones von den Kaironesen bin, dann wenigstens so gutaussehend wie möglich.

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