Mal was anderes

Auch wenn es einige überraschen wird, melde ich mich diesmal nicht erst 4 Wochen später oder von einem Flughafen, sondern zum zweiten Mal in Folge von meiner Couch und das innerhalb von 2 Wochen. Es soll diesmal auch vorrangig nicht um mein Leben in Kairo gehen. Ich will meinen Blog nun mal nutzen, um meinen Senf zu der Fridays-for-Future-Bewegung  dazu zugeben. Auch wenn ich damit Gefahr laufe, auch meine letzten Leser zu vergraulen.Zu Beginn, warum ich mich nun überhaupt zu so was äußeren will. Zum Einen hatten mich bereits einige Bekannte darauf angesprochen, wie ich als Lehrer dazu stehe. Aber da ich ja immer ein wenig Zeit benötige, hat es nun auch ein paar Wochen gedauert bis ich mir eine gefestigte Meinung dazu bilden konnte. Warum ich diese nun auch noch veröffentliche? Gestern habe ich einen Beitrag auf Facebook gelesen, indem Eltern ihrer Tochter die auf einer FFF-Demo war, ab sofort das Handy abnehmen, die Heizung komplett abstellen und ihr nur noch Juteklamotten kaufen wollten. Egal ob der Beitrag wirklich ernst gemeint war oder nicht, er hat mich dazu animiert, mich dazu zu äußern.

Fangen wir mal ganz einfach an, würde ich Schüler, die auf so eine Demo gehen wollen, als Lehrer unterstützen? Ja. Warum? Im Prinzip ganz einfach, ich denke die Schüler sprechen ein Thema an, welches viel zu lange, viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen hat, sowohl auf der Ebene der Politik, als auch auf der Ebene der Medien. Doch bevor ich jetzt weiter argumentiere, fangen wir mit einem ganz einfachen wissenschaftlichen Fakt an: Unser Klima wandelt sich. Dies ist kein Punkt, den man diskutieren kann, sondern eine Tatsache. Ob wir Menschen daran Schuld sind oder nicht, bleibt dahingestellt. Jedoch können wir Menschen versuchen, den Wandel abzuschwächen, zu verzögern oder eventuell sogar abzuwenden (um das einschätzen können, fehlt mir leider der Einblick in die Wissenschaft). Und genau das ist doch das, wofür diese Bewegung steht. Eine Sensisibilisierung für diese Thematik.

Und ich gehe mal weiter, auch wenn ich mich noch nie mit jemanden unterhalten habe, der wirklich auf eine solche Demo geht, stelle ich mal folgenden Thesen auf. Ich glaube niemand will, dass wir Menschen von jetzt auf gleich auf Handy, TV, Auto oder Urlaubsreisen per Flugzeug verzichten. Es geht doch viel mehr darum, dass wir alle versuchen Dinge in unserem Leben ein wenig unter dem Blickwinkel der Ökobilanz zu sehen. Das kann damit geschehen, dass wir vielleicht öfter die Öffentlichen oder das Fahrrad nutzen, auf Inlandsflüge verzichten oder unser Plastikmüllverbrauch versuchen einzudämmen. Niemand will, dass wir unser Leben komplett umkrempeln. Jeder soll nur etwas mehr darüber nachdenken, was er tun kann, um der Umwelt zu helfen.

Ich kann auch verstehen, wenn Leute jetzt sagen, dass beispielsweise Elektroautos nicht besonders klimafreundlich sind. Das ist durchaus richtig. Aber wir können ja auch nicht, einfach nichts machen und sagen wir fahren weiter mit unseren Abgasschleudern durch die Gegend. Und da sehe ich das zweite Ziel der Bewegung: Die Politik bewegen, zu handeln. Es kann ja nicht sein, dass wir im 21 Jahrhundert nicht in er Lage sind, einen sinnvollen und umsetzbaren Plan zu erstellen, an dem sich dann auch alle Parteien halten. Und das werden wir nicht als Nation Deutschland lösen, sondern so ein globales Problem werden wir wohl nur als Menschheit lösen können. Und da bringe ich gern ein Kairobeispiel. Es ist schön, dass wir in Deutschland alte umweltfeindliche Autos aussortieren. Es macht aber keinen Sinn, diese nach Ägypten zu verkaufen, damit sie da weiter fahren.

Als letztes möchte ich nochmal darauf eingehen, dass die Demos ja immer an einem Schultag stattfinden. Viele beschweren sich ja, dass die Schüler faul sind und sind damit nicht einverstanden.Meine Meinung dazu, eigentlich sollten wir stolz darauf sein. Die Schüler geben ihr Recht auf Bildung ab. Um darauf hinzuweisen, dass etwas falsch läuft, was ja eigentlich überhaupt nicht ihre Aufgabe ist.. Und wenn sie dies selbst mit nur 4 Schultagen erkennen, dann bin ich stolz auf die Jugendlichen. Sie erkennen Dinge, die andere mit 5 oder gar 6 Schultagen in der Woche nicht erkennen. Also wo ist das Problem? Und prinzipiell wollen sie doch nur eins, die Chance darauf, ihr Leben so leben zu können, wie die Generationen vor ihnen. Und das sehen sie aktuell in Gefahr.

Auch wenn mir sicherlich noch mehr dazu einfallen würde, höre ich hier mal auf. Denn gleich kommen meine Cardinals. Ich verspreche auch, dass ich beim nächsten Mal wieder über Kairo berichte und euch nicht mit sowas belästige. Aber es war mir mal so ein Anliegen.

4 Kommentare zu „Mal was anderes

  1. Deine Worte sollten eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Das Thema um den Klimawandel ist seit Jahrzehnten bekannt aber erfolgreich ignoriert worden. Da schließe ich mich nicht aus. Die Tatsache, dass vorrangig Kinder und Jugendliche heute die Gesellschaft auf Fehlverhalten (und damit ist die Gesamtheit gemeint – Schüler eingeschlossen) hinweisen sollte einem jeden eigentlich zu denken geben. Viele „Erwachsene“ beweisen daraufhin allerdings nur peinliche Unreife, indem Sie Forderungen und Vorschläge, welche auf wissenschaftlichen Studien beruhen, als lächerlich abtun und über eine 16-jährige mit Asperger-Syndrom lästern.

    Wie du so schön geschrieben hast, geht es nicht darum jemanden seine Freiheit zu nehmen oder das Reisen zu verbieten – doch sollte man erwarten können, dass sich jeder selbst hinterfragt was er zu einer Verbesserung beitragen kann.

    Dazu ob man als Lehrer jetzt die Schüler unterstützen sollte oder nicht, wird jeder seine eigene Meinung haben. Ich bin der Überzeugung, dass man ein solchen Handeln der Schüler zumindest nicht verhindern sollte, solange dieses verfassungskonforme Ziele verfolgt.

    Bekommst du in Kairo eigentlich vor Ort auch etwas von der „Klimabewegung“ mit?

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    1. Hi Peter. Erstmal danke für dein Feedback und ich sehe das ganz genau so wie du es geschrieben hast. Leider ist mein Eindruck aktuell, dass unsere Meinung diesbezüglich leider nicht so die der Mehrheit entspricht. Aber das ist aktuell für mich schwer einzuschätzen aus der Ferne.

      Also ich kann es hier in Kairo nur über soziale Medien beziehungsweise über Nachrichten. Da bei Ägyptern der Umweltschutzgedanke noch in den Kinderschuhen steckt. Und zum anderen Demonstrationen an Freitagen hier gerade eine andere Bedeutung haben.

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  2. Ich denke bevor man damit anfängt den Eltern alles zu verbieten, sollte man erstmal sein Zimmer aufräumen! Das würde auch viel helfen! Vielleicht auch nicht einen Laptop, Computer, Tablet oder jedes Jahr ein neues Handy zu kaufen. Auch kennen wir doch die Kinder…..die meisten interessiert der freie Freitag doch viel mehr als die Umwelt. Ein anonymer Lehrer an der DEO

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    1. Sehr geehrter Herr anonymer Lehrer,
      ich bin eine anonyme Schülerin an der DEO, die sich intensiv mit dem Thema der Klimakatastrophe in ihrer Freizeit befasst. Ich kann mich den Zielen der Fridays-For-Future-Bewegung und der Meinung Herr Schmidts zum Thema nur anschließen. Leider muss ich Ihnen damit widersprechen, in Ihrer Aussage, uns Schüler, die Sie angeblich so gut kennen, würde der freie Tag mehr interessieren, als die Umwelt. Meine Mitschüler -zu denen ich, meiner bescheidenen Meinung nach, engere Bekanntschaften habe, als Sie- haben ein intensives Interesse zur Umwelt und zum Klima. Dieses Interesse ist unter anderem, von sozialen Medien geprägt, sprich der Fridays-For-Future-Bewegung , welche wir auf unseren Laptops, Computern, Tablets und Handys besuchen, von denen wir uns Ihrer Meinung nach , in unrealistischer Weise jedes Jahr neue wünschen. Im Unterricht ist unser Interesse an diesen Themen auch exzellent nachzuweisen. Im Deutsch-, Englisch- und Französischunterricht befassen wir uns mit der Umwelt und ökologischen Herausforderungen. Schade finde ich jedoch, dass an der DEO diese Auseinandersetzung nur in der Theorie stattfindet. In der Praxis haben wir leider bislang keine Umweltschutzprojekte zum initiiert. Wir möchten niemandem etwas verbieten, weder unseren Eltern noch unseren Lehrern, was wir wollen ist: Initiativen ergreifen, Projekte, Handeln usw.
      Hier ist vor allem die Kooperation zwischen Lehrer und Schüler an der DEO gefragt. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir, als DEO gemeinsam unseren “ökologischen Fußabdruck” und unsere Schäden auf unseren Planeten verringern können, indem wir uns dafür Ziele setzen. Weniger Papier verbrauchen, Recycling, keine Stromverschwendung, vielleicht sogar veganes Essen am Kiosk, Spenden einsammeln, für Umweltprojekte. Es ist fünf vor zwölf und höchste Zeit um zu handeln. Was ich hiermit beweisen möchte, ist, dass wir niemanden zu irgendwas beschuldigen, sondern umgekehrt, als Gemeinschaft auf unseren eigenen Einfluss achten sollten und gemeinsamen Fortschritt leisten sollen. Wir sind interessiert! Wir sind keine faulen Schüler!

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