Tour de Marmara

Hallöchen, Hey ho und Moin Moin.

Ich glaube, das war die längste Abstinenz von mir auf diesem Blog. Deshalb versuche ich mal, ein wenig darüber zu philosophieren, warum das so ist. Der Hauptfokus dieses Beitrags soll aber auf meiner Fahrradtour der letzten Tage liegen: einmal rund um das Marmarameer. Also: viel Spaß beim Lesen.

Kommen wir zunächst zum ersten Teil dieses Beitrags und damit zur Suche nach den Ursachen, warum ich mich so lange nicht gemeldet habe. Da ich in den letzten Tagen viel mit dem Rad unterwegs war, hatte ich ausreichend Zeit, über diese Frage nachzudenken. Ich denke, es gibt mehrere Faktoren.

Zum einen habe ich nach fast drei Jahren eine gewisse Routine hier in der Türkei entwickelt. Der Alltag ist da. Und im Alltag passiert meistens eben nicht jeden Tag etwas besonders Berichtenswertes: Schule, Sport, Polizeiauto von innen anschauen und was mir sonst gerade Spaß macht. Am Ende des Tages führe ich ja auch nicht automatisch ein unfassbar spannendes und spektakuläres Leben, nur weil ich in Istanbul lebe. Klingt komisch, ist aber so.

Hinzu kommt, dass dieses Schuljahr unfassbar stressig war und sehr viel Einsatz von mir erfordert hat. Dadurch fehlten mir oft Energie und Zeit, mich mehr um diesen Blog zu kümmern. Deshalb war die letzte Woche mit einer „kleinen“ Radtour etwas, worauf ich mich in den letzten Wochen sehr gefreut habe. Und sie hat bei mir direkt wieder ordentlich Feuer und Vorfreude auf meine sommerliche Radtour entfacht.

Darum kommen wir jetzt zur Fahrradtour.

Schon länger hatte ich die Idee im Kopf, das Marmarameer einmal komplett zu umrunden. In diesen Bayramferien war es dann endlich so weit. Ursprünglich war die Tour für vier Tage geplant, im Laufe der Fahrt habe ich sie dann aber auf fünf Tage verlängert. Am Ende waren es knapp 700 Kilometer mit etwa 8500 Höhenmetern. Also sagen wir mal so: Eine gewisse Sportlichkeit war erforderlich.

Die erste Frage war natürlich: mit oder gegen den Uhrzeigersinn? Ich entschied mich als guter Mathematiker selbstverständlich für gegen den Uhrzeigersinn. Always positive. Nein, der Hauptgrund war etwas weniger mathematisch und deutlich praktischer: Ich wollte die Tour nicht mit der Strecke Tekirdağ–Istanbul beenden. Diese ist wenig spannend, eher anstrengend und einfach kein schöner Abschluss. Also stand sie direkt am Anfang.

Und dann auch noch am ersten Tag von Bayram.

Das hatte einen entscheidenden Vorteil: wenig Verkehr. Aber natürlich auch ein paar Nachteile: Die Fähren fuhren deutlich seltener und es war Opferfest. Komoot wusste das offenbar insgeheim und schickte mich zu einem milden Kulturschock an verschiedenen offenen Hallen und Verkaufsstellen vorbei, die mir sehr direkte Einblicke in den Fleischverkauf ermöglichten. Am Ende war der erste Tag aber vor allem dafür da, aus Istanbul herauszukommen und mich an das Rad zu gewöhnen.

Das Ziel des ersten Tages war Kumbağ. Da ich dieses Mal komplett minimalistisch unterwegs war, schlief ich in verschiedenen Airbnbs. Ich hatte wirklich nur meine Lenkerrolle dabei und ansonsten das, was noch in meine Trikottaschen passte. Mehr nicht. Bikepacking in der Sparvariante, aber irgendwie auch ziemlich befreiend.

Der zweite Tag startete mit dem ersten echten Highlight der Tour: einem Anstieg in die Berge. Dieser war absolut phänomenal. Also weniger der Anstieg selbst, der war teilweise zu steil und zu ungleichmäßig, aber die Natur dort war einfach traumhaft. Auf der einen Seite der Blick auf das Meer, auf der anderen Seite alles grün, bewaldet und ruhig. Dazu kamen die ersten Ortschaften, die wirklich nichts mehr mit der Metropolregion Istanbul zu tun hatten.

Nach diesem Abschnitt wurde mir auch eine Problematik bewusst, die ich mit dieser Tour ein wenig untersuchen wollte: Verpflegung auf dem Rad außerhalb von Istanbul.

Denn was mir unterwegs klar wurde: Abseits von größeren Bundesstraßen mit vielen Tankstellen und größeren Städten mit Supermärkten ist es in der Türkei gar nicht immer so leicht zu planen, wann man wieder Essen und Trinken auffüllen kann. Kleine Bakkals sind bei Google Maps nicht immer zuverlässig eingetragen. Manche gibt es nicht mehr, manche haben einfach geschlossen und manche existieren vermutlich nur noch als digitale Fata Morgana. Meine wichtigste Erkenntnis daher: Immer ausreichend Energieriegel kaufen, wann immer es möglich ist.

Mit Wasser ist es zum Glück deutlich einfacher. Fast jedes Dorf hat kleine Wasserstellen, und auch an kleineren Landstraßen findet man sie in regelmäßigen Abständen. Das war wirklich angenehm und hat mir mehr als einmal den Tag gerettet.

Das Ziel des zweiten Tages war Çanakkale. Nachdem ich in Istanbul noch mit Rückenwind gestartet war, drehte dieser im Laufe des ersten Tages und begleitete mich bis nach Çanakkale. Der letzte Abschnitt führte mich durch vier Tunnel, die mich etwas unvorbereitet trafen, weil ich kein Licht dabei hatte. Die Devise lautete also: Augen zu und durch. Also nicht wirklich Augen zu. Aber schnell durch. Sehr schnell durch.

Am Ende muss ich aber sagen, dass es auf den Straßen insgesamt super angenehm war. Ich hatte absolut keine Probleme und habe mich nie wirklich unsicher gefühlt.

Das Ende des zweiten Tages war prinzipiell auch der Umkehrpunkt der Tour. Entsprechend hoffte ich natürlich auf schönen Rückenwind am nächsten Tag. Aber: Pustekuchen. Die wichtigste Grundregel beim Radfahren lautet schließlich: Es ist immer Gegenwind. Und genau so sollte es auch dieses Mal sein.

Am dritten Tag war der Gegenwind richtig krass. Im ersten, sehr waldigen und schönen Teil war er noch halbwegs erträglich, aber im zweiten Teil wurde er einfach nur stark. Die letzten 100 Kilometer des Tages musste ich mich ordentlich durch den Wind kämpfen. Aber auch das schaffte ich.

Was mir dabei bewusst wurde: Vor ein oder zwei Jahren hätte mich so etwas mental deutlich mehr angestrengt. Dieses Mal war es zwar ein Hindernis, aber ich konnte trotzdem positiv bleiben. Das fand ich ziemlich schön zu merken. Außerdem stellte ich eine neue persönliche Bestzeit auf: Eine ganze Tüte Gummibären in 1 Minute und 45 Sekunden. Auch das ist Sportgeschichte.

Mittlerweile war ich in Bandırma angekommen. Die letzten drei Tage mit jeweils über 150 Kilometern waren aber deutlich spürbar. Mein Popöchen hatte sich zwar nach einer Weile an die Belastung gewöhnt, aber Nacken und Handgelenke hatten eher wenig Lust auf eine 220-Kilometer-Etappe am nächsten Tag. Deshalb entschied ich mich, die restlichen Kilometer auf zwei Tage aufzuteilen.

Das war eine sehr gute Idee.

Dadurch reduzierten sich die täglichen Kilometer, und mir wurde mal wieder klar, dass für mich die perfekte Tagesdistanz ungefähr bei 100 Kilometern liegt. Das ist lang genug, um gut voranzukommen, aber noch kurz genug, um die Strecke wirklich genießen zu können. Wieder etwas gelernt.

Außerdem habe ich gelernt, dass Komoot nur bedingt in der Lage ist, die Beschaffenheit von Straßen in der Türkei korrekt zu beurteilen. Am vierten Tag sollte ich laut Komoot drei Kilometer Gravel fahren. Nach 50 Kilometern stand ich dann bei ungefähr 20 Kilometern Gravel oder Waldweg. Fairerweise muss ich sagen: Teilweise war das sogar super angenehm zu fahren und hat auch auf dem Rennrad Spaß gemacht. Aber ganz ehrlich: Meine Reifen und ich haben zwischendurch schon ein paar Gespräche geführt.

Schlussendlich hat die Tour unglaublich viel Spaß gemacht. Ich habe viele Erkenntnisse für meine Sommertour gewonnen. Insbesondere meinen Sonnenschutz muss ich überdenken und verbessern, denn die Sonne kann hier schon ganz schön reinhauen. Und im Sommer wird das vermutlich noch einmal eine andere Liga. Aber das werde ich schon hinbekommen.

Jetzt habe ich richtig Vorfreude auf meine Sommertour und fast genauso viel Spaß daran, mein Bike-Setup weiter zu verbessern. Also wird es hier im Sommer vermutlich wieder ein bisschen um meine Fahrradtour gehen.

Hoffentlich bis dahin 🙂

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