Tour de Türkiye: Wieder unterwegs

Moin, moin!

Ich melde mich mal wieder. Eigentlich hatte ich das schon gestern vor, aber die letzten Vorbereitungen auf meine Sommerradreise haben dann doch den gesamten Tag verschlungen. Also gibt es den Auftakt zur Tour de Türkiye eben erst jetzt, nach dem ersten Tag.

Heute bin ich zu meiner knapp sechswöchigen Reise aufgebrochen, die mich durch verschiedene Regionen der Türkei führen soll. Über Samsun, Trabzon, Erzincan und Kayseri möchte ich das Land noch einmal ganz anders kennenlernen und vor allem die Natur der Türkei erkunden.

Ein Highlight wird dabei mit Sicherheit der Aufstieg auf ungefähr 2.700 Höhenmeter. Darauf freue ich mich schon riesig. Gleichzeitig habe ich auch ordentlich Bammel davor. Vermutlich ist genau diese Mischung aus Vorfreude und der leisen Frage, warum man sich das eigentlich freiwillig antut, ein gutes Zeichen.

Nachdem es im vergangenen Jahr nicht so richtig mit einer längeren Radreise funktioniert hat, hat es bei mir in den letzten Tagen schon ziemlich gekribbelt. Endlich wieder losfahren. Einfach jeden Morgen alles zusammenpacken, auf das Rad steigen und schauen, wo man am Abend landet.

Wie immer stand vor der Reise natürlich die weitere Optimierung meines Set-ups im Mittelpunkt. Dieses Mal habe ich vor allem versucht, das Reißen der Speichen zu verhindern, indem ich das Hinterrad etwas entlaste. Dafür habe ich in den vergangenen Wochen gefastet und zehn Kilogramm abgenommen.

Just kidding.

Dafür esse ich viel zu gern.

Stattdessen sollen dickere Reifen, eine veränderte Gepäckverteilung und weniger Gewicht im Anhänger dafür sorgen, dass mein Hinterrad dieses Mal etwas entspannter durch die Türkei rollt. Für den größten Notfall habe ich trotzdem wieder Wechselspeichen dabei. Ich hoffe sehr, dass sie am Ende mein einziger vollkommen unnötiger Ballast gewesen sein werden.

Außerdem habe ich einen Aufleger montiert, um noch geschmeidiger durch den Wind zu schneiden.

Nee.

Eigentlich soll er einfach meinen Handgelenken zwischendurch eine Pause gönnen. An dem Aufleger ist außerdem meine Insta360 befestigt, mit der ich hoffentlich ein paar spektakuläre Aufnahmen machen kann. Oder zumindest Aufnahmen, auf denen man später erkennen kann, warum ich mich plötzlich erschreckt, verfahren oder beinahe in irgendeinem Schlagloch versenkt habe.

Es gibt also einige Neuerungen.

Das Fazit nach dem ersten Tag fällt auf jeden Fall sehr positiv aus: Das Fahren war super angenehm und das Fahrrad fühlt sich deutlich besser an als beim letzten Mal. Ich hoffe sehr, dass das so bleibt. Erfahrungsgemäß sollte man solche Aussagen auf einer längeren Radreise zwar nicht zu laut aussprechen, aber bisher rollt es.

Beim Pedalieren hatte ich heute natürlich jede Menge Zeit, meine bisherigen Touren noch einmal Revue passieren zu lassen. Und dabei musste ich doch einige Male lachen.

Meine erste Bikepacking-Tour fuhr ich auf einem alten Tourenrad. Quer über dem Gepäckträger lag ein Motorradsack und auf meinem Rücken hing zusätzlich ein 70-Liter-Rucksack. Damit ging es von Dresden über Hamburg bis nach Zinnowitz.

Keine Ahnung, wie ich das damals geschafft habe.

Ich erinnere mich noch daran, dass ich ständig aufpassen musste, dass der Sack nicht vom Gepäckträger fiel. Gefühlt 75 Prozent meines Gepäcks waren vollkommen nutzlos und einen Campingkocher hatte ich natürlich auch nicht dabei. Deshalb aß ich ständig irgendwo Mittag- oder Abendbrot oder grillte mein Essen in diesen kleinen Einweg-Plastikgrills.

Es gab auf dieser Tour viele qualvolle Stunden. Mein Popöchen tat weh, meine Handgelenke waren taub und mein Kopf war überhaupt nicht auf diese Challenge vorbereitet. Dazu kamen unendlich lange Flussradwege und die von mir heldenhaft überlebten Ostsee-Wirbelstürme.

Aber ich bin angekommen.

Und trotz aller Schmerzen, Wehwehchen und Momente, in denen ich vermutlich lieber irgendwo im Zug gesessen hätte, hat mir diese Reise unglaublich viel gegeben. So viel, dass ich mich danach immer wieder auf das Rad gesetzt habe.

Es folgten eine kleinere Tour durch Deutschland und Tschechien, ein Alpencross, eine Reise nach Amsterdam und schließlich Dresden–Istanbul. Und mit jeder Tour wurde auch das Equipment ein kleines bisschen besser.

Angefangen hat alles mit einem geliehenen alten Tourenrad, bei dem unterwegs die Pedale abfielen. Danach kam mein Diamant-Rad und inzwischen bin ich bei meinem jetzigen und heiß geliebten Cannondale angekommen. Auch beim Gepäck, beim Schlafen, beim Kochen und vermutlich bei fast jedem anderen Ausrüstungsgegenstand habe ich mich über die Jahre langsam weiterentwickelt.

Man könnte auch sagen: Ich habe sehr viele Dinge auf die umständliche Art gelernt.

Und wie sollte es anders sein: Am ersten Abend auf dem Zeltplatz kommen meine Nachbarn natürlich aus Deutschland. Das sind diese kleinen Dinge, die man wahrscheinlich wirklich nur auf Fahrradtouren erlebt. Man fährt Hunderte oder Tausende Kilometer durch ein anderes Land und sitzt am Ende des Tages neben Menschen, die ebenfalls irgendwo aus Deutschland losgezogen sind.

Ich bin gespannt, welche Geschichten ich in diesem Jahr erleben darf. Hoffentlich gibt es etwas weniger von der Sorte: „Meine Speiche ist gerissen und ich musste sieben Stunden mit dem Bus fahren, um sie reparieren zu lassen.“

Ein paar kleinere Pannen und Umwege gehören vermutlich dazu. Aber vielleicht darf es dieses Mal auch einfach ein bisschen entspannter rollen.

Auf jeden Fall bin ich gerade unglaublich glücklich, endlich unterwegs sein zu können und zu dürfen. Denn die Möglichkeit, für mehrere Wochen einfach auf das Rad zu steigen und ein Land auf diese Weise zu entdecken, hat nicht jeder. Das ist mir bewusst und dafür bin ich sehr dankbar.

Ich werde mich auf jeden Fall demnächst wieder melden. Wo auch immer ich dann gerade sein werde.

Bis dahin: Schnappt euch euer Rad und pedaliert fleißig! 😉

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